Tahrir-Platz

Opferzahl steigt bei Aufstand gegen die Militärs

21. November 2011, 18:45

Déjà-vu am Tahrir-Platz: Bereits 33 Tote bei schwersten Unruhen seit Mubaraks Sturz

Kairo - In Ägypten nehmen die Proteste gegen den regierenden Militärrat kurz vor den Parlamentswahlen, die am 28. November beginnen sollen, kein Ende. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo kam es erneut zu Zusammenstößen. Bisher kamen bereits mindestens 33 Menschen ums Leben. Die Demonstranten versuchten am Montag zum Sitz des Innenministeriums zu marschieren. Sie wollen verhindern, dass die Armeeführung nach der Parlamentswahl die Zügel in der Hand behält.

Den Streitkräften, die von 1,3 Milliarden Dollar US-Militärhilfe jährlich profitieren, wird vorgeworfen, alte Seilschaften an der Macht zu halten. Wegen des brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten legte Kulturminister Imad Abu Ghazi am Montag sein Amt zurück.

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"Das Volk will den Sturz des Regimes." Dieser Ruf ertönte den dritten Tag auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Im Jänner galt er Ex-Präsident Hosni Mubarak, jetzt ist die Armee gemeint. Die Scharmützel zwischen Polizei und Demonstranten konzentrierten sich am Montag auf die Seitenstraßen, wo die Polizei wieder massiv Tränengas einsetzte, während es auf dem Tahrir-Platz selbst weitgehend ruhig blieb. Die Sicherheitskräfte hatten sich nach der Vermittlung durch den Scheich der angrenzenden Omar-Makram-Moschee zurückgezogen. Gegen Abend schwoll die Zahl der Demonstranten aber wieder kräftig an.

Ein hoher Militäroffizier kam auf den Platz, um das Recht auf friedliche Demonstrationen zu bestätigen, allerdings dürften der Verkehr und das Alltagsleben nicht gestört werden. An der Börse sei in zwei Tagen bereits ein Verlust von umgerechnet 844 Millionen Euro entstanden, nannte er ein Beispiel für die großen Schäden. Bei den schwersten Unruhen seit dem erzwungenen Rücktritt von Mubarak im Februar kamen mindestens 33 Menschen ums Leben. Augenzeugen berichteten von Scharfschützen auf den Dächern und Schlägertrupps auf den Straßen. Ärzte bestätigten Tote durch Schusswunden, während die Sicherheitskräfte beteuerten, keine scharfe Munition eingesetzt zu haben.

Unruhen in zehn Städten

Die Unruhen haben mindestens zehn Städte im ganzen Land erfasst. Aus Protest gegen die Polizeibrutalität ist am Montag auch der Kulturminister zurückgetreten. Aktiv sind in diesen Tagen vor allem die Jugendbewegungen. Für Dienstag haben sie zu einer Großdemonstration aufgerufen. Sie fühlen sich von der Armee betrogen. Anstatt die Errungenschaften der Revolution zu verteidigen und den Transformationsprozess zu überwachen, hat die Armee das Steuer selbst in die Hand genommen und macht keine Anstalten, es wieder aus der Hand zu geben.

Die Aktivisten fordern nicht nur einen klaren Zeitpunkt für die Machtübergabe, sondern nach den brutalen Polizeieinsätzen auch einen Rücktritt der Regierung von Premier Essam Sharaf.

Militärrat, Regierung und die wichtigsten politischen Gruppierungen pochen darauf, dass die Wahlen wie vorgesehen am kommenden Montag beginnen sollen. Eine Verschiebung des Prozesses, der mehrere Monate dauert, würde die Bildung einer zivilen Regierung noch weiter hinauszögern. Je länger die Proteste andauern, desto unsicherer ist man aber, ob die Polizei gewillt ist, für Sicherheit und Fairness bei den Wahlen zu sorgen. (Astrid Frefel aus Kairo/DER STANDARD, Printausgabe, 22.11.2011)

Kommentar posten
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istmirnichtmehrschnuppe
00
21.11.2011, 22:14

haben sie ein link bitte zu dieser info? so viel ich weiss, halten sich die muslimbrüder und die salafisten fein zurück, keiner der anführer hat die anhänger um beistand für die menschen am platz gebeten. die haben nur ihren eigennutzen von vielen sitzen im parlament im sinne, und halten deswegen dem militär die stange. oder irre ich mich? lg

Lala4
00
21.11.2011, 22:32

Sie haben (laut AJE) erklärt, sie vertrauen auf Wahlen, und fordern die Demonstranten auf, "die Wahlen nicht durch Unruhen zu gefährden"...

Die zukünftige Machtaufteilung zwischen Islamisten und Militär dürfte ja schon ausgemacht sein, und hinter diesen Protesten stehen sie definitiv nicht.

DieBo
11
21.11.2011, 19:56
Der westen hat sein Ziel fast erreicht. syrien und Iran fehlt noch. Die geheimdienste können nun in Libyen, Afghanistan, Irak, Tunesien, Ägypten frei agieren. das war vorher nicht möglich. Ob da jetzt Blut fließt ist doch egal.

Killer Bunny
11
21.11.2011, 21:34

Weil der Westen ja mit Mubarak, Ben Ali und dem Mu'ammar so ein schlechtes Verhältnis gehabt hat. Durch de arabischen Frühling musste der Westen seine Politik neu justieren - und das hat ihm nicht wirklich in den Gram gepasst. Sarkozy hat sich sogar als Revolutionsanführer verkleidet, in der Hoffnung das seine Nordafrika Politik vergessen wird.

Bertel Mann
01
22.11.2011, 06:13
Natürlich -"neu justieren"...

Es wurden Bauernopfer wie Mubarak gebracht und ansonsten die alte Garde weiter an der Macht gehalten. Und unsere Propaganda hatte die Aufgabe, die Militärjunta in Ägypten als Vollenderin der Revolution darzustellen.
Momentan klappt das allerdings nicht mehr so gut.

Killer Bunny
00
22.11.2011, 09:06

Da gebe ich ihnen ja eh recht. Nur mussten sich der Westen vom Unterstützer der Diktatoren zu Unterstützern der Demokratisierungsbewegungen wandeln.
Mein Posting vom 12.02.2011 08:35
"Da hab ich die Raffinesse der Militärdiktatur unterschätzt. Hat der alte General seine letzte Schlacht auch noch gewonnen. Indem er vorher durch ein "Überraschungsmanöver" den ganzen Volkszorn auf sich zog und später durch einen "Überraschungsrückzug" hinter die eigenen Linien dem Gegner das Gefühl des Sieges vermittelte. Nichts neues in Ägypten. Der Aufstand scheint niedergeschlagen. Kaum Gefallene im Heer und der Machterhalt des Systems macht einen gesicherten Eindruck."

Danach mussten die Generäle dann doch ihren Kameraden ein bisschen verraten.

Johann Hunger1
00
21.11.2011, 20:44
Sie verwechseln was!

Die usa,CAI, und Facebook nicht vergessen! Wir in Europa, sind leider durch die NATO auch Handlanger der usa!

Ahmed Ibrahim
00
21.11.2011, 19:56
der Bericht ist vollig falsch

die Forderung bezieht sich lediglich auf den sofortigen Rücktritt die Generäle bzw. einem Gerichtverfahren gegen sie.
Wir wissen dass die Generäle ein Regierungswechselspiel ausüben werden. Es wird aber von uns vehement abgelehnt.

Mac McMack
21
21.11.2011, 19:44
das war alles vorhersehbar

ägypten, tunesien, libyen, syrien dann noch der iran. mit hilfe der revolutionsromantiker wird im nahen osten der boden für den nächsten weltkrieg geebnet.

nein, eh nicht!
00
21.11.2011, 21:45

bitte was???
die vom westen finanzierte militärregierung ermordet demonstranten - und das soll den dritten weltkrieg vorbereiten????

Lala4
00
21.11.2011, 22:35

Verschwörungstheorien hinterfragt man nicht, sondern übernimmt sie.

Wo kämen wir denn da sonst hin...

santa fe
 
11
21.11.2011, 19:09
"arabischer frühling": blut, mehr blut, weniger demokratie.

nein, eh nicht!
00
21.11.2011, 21:46

weniger demokratie gibts nur, wenn der arabische frühling scheitert. die gewalttäter von staatlicher seite sind die anhänger der alten ordnung!

Killer Bunny
10
21.11.2011, 20:04

Wie kommen sie auf weniger Demokratie? Und in Tunesien hat es ja bisher ganz gut geklappt. Je repressiver eine Diktatur ist, desto blutiger wird die Revolution. Das ist ja nicht unbedingt der Fehler der Revolutionärinnen.

santa fe
 
01
21.11.2011, 20:16

mehr als tunesien fällt selbst ihnen nicht ein, und dort ist der umsturz ebenfalls noch nicht zu ende. das ist nicht die schuld der idealistischen revolutionäre sondern derer, die sie für ihre weltherrschafts-sucht missbrauchen. millionen tote seit 1991 für die eskalation der entdemokratisierung im namen der demokratie.

Killer Bunny
10
21.11.2011, 20:40

Hören's doch auf. Mir fällt deswegen nicht mehr ein, weil es in Libyen noch keine Wahl gegeben hat. Man kann nichts entdemokratisieren wo keine Demokratie geherrscht hat. Der arabische Frühling ist alles andere als im sinne des Westens. Sarkozy hat mit allen ein Pantscherl gehabt und die eigentliche politische Richtung ging in die Einbindung der Diktatoren - nur die Menschen den Ländern haben das anders gesehen. Dass das eine geschobenen Geschichte in Ägypten war, ist mir seit dem Inszenierten Abflug von Mubarak klar gewesen.

soseies
00
22.11.2011, 13:57

"arabische Frühling ist alles andere als im sinne des Westens...."

mmn is der westen (usa) sogar der initiator...

man ist einen mehr als riskanten, aber letztendlich den einzig verbleibenden weg gegangen iran und syrien zu stürzen....

in welcher reihenfolge auch immer....

beim iran hat es (noch) nicht geklappt...

in syrien geht es rund....

wenn syrien "fällt", und somit zeitverzögert auch die hissbollah, wäre zumindest die bedrohung israels aus dem norden weitestgehend eliminiert...

woraufhin man sich dann den iran auch militärisch vorknöpfen kann...

wenn das mal alles gutgeht...

schaun wa ma....

Killer Bunny
00
22.11.2011, 14:54

Sie glauben ehrlich, dass der Westen in der Lage ist, so eine Waffe zu zünden und dies auch noch macht, obwohl eigentlich die Verbündeten als erste dran glauben. Saleh kommt auch noch dran, Saudi Arabien ???? und der Zug fährt weiter. Also, ein bisschen zu viel 007, würde ich meinen.

soseies
00
22.11.2011, 16:05
"Also, ein bisschen zu viel 007, würde ich meinen."

ich sagte ja....extrem riskant, aber die einzige (vorerst) nonmilitärische möglichkeit syrien und iran "habhaft" zu werden....

direkt, rein militärisch unmöglich....deshalb der umsturz auf umwegen...

die klerikal-monarchischen-dikaturen in saudi arabien, bahrain, quatar usw. sind bis jetzt protestmäßig mehr oder weniger gut weggekommen, wenn das so bleibt bis der iran dran ist, könnt das gut ausgehen für die westlichen diktaturunterstützer....alles bleibt beim alten

obwohl ein angriff auf den iran sichr neues konfliktpotential in den jeweiligen ländern schaffen würde...

am besten, und sicher ziel der ganzen aktion...das iranische klerikalregime wird von innen gestürzt und eine prowestliche regierung wird installiert...

santa fe
 
01
21.11.2011, 21:44

wenn sie genau lesen, habe ich von eskalation der entdemokratisierung gesprochen. sarkozy, cameron und die NATO haben mehr als ein pantscherl, und zwar mit der FI, die nicht dulden wollte, dass gadhafi mit den chinesen ins ölgeschäft gekommen ist. weniger demokratie als vorher, dafür mussten zigtausende unschuldige hauptsächlich durch bomben und drohnen sterben. machen wir uns nicht mitschuldig durch verdrehung von tatsachen.

Killer Bunny
10
22.11.2011, 04:36

Sie glauben also, der Westen will die Chinesen vom Öl abschneiden, damit die weltweite Wirtschaft zusammenbricht?

santa fe
 
01
22.11.2011, 08:17

die FI (und nicht "der westen") will die totale kontrolle über das öl und die chinesische konkurrenz ausschalten, weil diese angeblich undemokratischer ist als sie selbst.

Killer Bunny
10
22.11.2011, 08:57

Sie wollen einfach nix verstehen. Oder wie interpretieren Sie solche Meldungen:
Shell and CNPC (China Petrolium) agree on global cooperation and establish well manufacturing jv
Iraq seals oil deal with BP, CNPC
Exxon und Sinopec (China) wollen Schiefergas-Potential in Sichuan ...

Da scheint etwas nach Ihrer Theorie schief zu gehen ......

santa fe
 
01
22.11.2011, 09:06

während die US-aussenministerin dem chines. minsterpräsidenten die hand schüttelt und die wirtschaftliche zusammenarbeit preist drohen der US-präsident und seine aussichtsreichsten gegenkandidaten china mit ernsten konsequenzen, falls es "den handelskrieg" weiterführt. so ist die politik der von der FI abhängigen politik, die sich soeben den pazifik als schlachtfeld reserviert.

Killer Bunny
10
22.11.2011, 09:29

Zuerst schreiben's übers Öl und jetzt geht es um die unterbewertete chinesische Währung, oder? Beim Öl haben's aber mit ihrer These verloren. So kann man das schon sehen. Immer alles einen Topf werfen, umrühren und passt - so machen Sie das.

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