Lokale Kirchturmpolitik gegen die Fusion

21. November 2011, 18:00
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    fotos: apa; montage: beigelbeck

    Wenn es um Kooperationen geht, haben Österreichs Gemeinden kein Problem. Doch gegen echte Fusionen setzt sich lokale Kirchturmpolitik durch.

Sieben Gemeinden votierten am Sonntag klar gegen die Gemeindestrukturreform der steirischen Regierung - Man ist für Kooperationen, nicht aber für Fusionen - In Oberösterreich stimmt Hagenberg am Sonntag ab

Graz - Wenn die Reformpartner der steirischen Landesregierung enttäuscht waren, ließen sie es sich am Montag nicht anmerken: Nach einem Dämpfer für ihre Gemeindefusionspläne, der am Wochenende von sieben oststeirischen Gemeinden kam, reagierten die Klubobmänner Walter Kröpfl (SPÖ) und Christopher Drexler (ÖVP) in einer gemeinsamen Presseaussendung unbeirrt: "Der Reformdialog wird fortgesetzt", hieß es, nachdem Kaindorf, Hofkirchen, Dienersdorf, Ebersdorf, Großhart, Tiefenbach und Hartl bei der Befragung mit insgesamt 87 Prozent gegen eine Zusammenlegung gestimmt hatten.

Die Bürger, die dagegenstimmten, befürchten vor allem finanzielle Nachteile. Von den Klubchefs hieß es: "An verstärkten Kooperationen wie auch der Zusammenlegung von Gemeinden führt kein Weg vorbei." Der sogenannte "Phasenplan zur Gemeindestrukturreform" der Regierung umfasst vier Phasen. Nach der "Vorschlagsphase", in der Gemeinden sich bis 31. Jänner 2012 freiwillig melden können, kommt die "Verhandlungsphase", wo bis 30. September 2012 mit "regionalen Teams" die eingegangenen Vorschläge verhandelt werden sollen. Mit wem man dann verhandeln will, ist derzeit ungewiss. Wie viele sich bis jetzt gemeldet haben, will man im Büro von SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves auf STANDARD-Nachfrage nicht kommentieren.

Zwischen Oktober 2012 und Jänner 2013 folgt jedenfalls die "Entscheidungsphase". Fix ist aus heutiger Sicht nur die Zusammenlegung der südsteirischen Bezirkshauptstadt Leibnitz mit Kainbach. Die beiden Gemeinden wollten aber schon vor der Ära der Reformpartnerschaft zusammengehen. Letztere will ihr Projekt jedenfalls in der "Umsetzungsphase" bis 2015 durchziehen.

"Wir hätten Pioniere sein können", sagt der Bürgermeister der ehemaligen Kohlestadt Voitsberg in der Weststeiermark, Ernst Meixner (SPÖ) dem STANDARD, "aber man kann niemanden zwingen." Vor zwei Jahren, lange bevor Voves und sein Vize Hermann Schützenhöfer (ÖVP) ihre Fusionspläne schmiedeten, hatten die roten Ortschefs von Voitsberg, Bärnbach, Köflach, Maria Lankowitz und Rosental mit dem gemeinsamen Projekt "Weststeirer-City" von sich reden gemacht. Gemeinsam hätte man - vor Leoben - die zweitgrößte steirische Stadt gebildet. Doch bei der Nachfrage in der Region am Montag hört man resignierende Stimmen. Es habe letztlich "fünf Gemeinden mit drei verschiedenen Vorstellungen" gegeben, so Meixner.

Auch Bürgermeister Wilhelm Zagler (SP) aus Köflach winkt ab, was die große Lösung mit fünf Gemeinden angeht. Es gebe "nur Sondierungsgespräche mit zwei, drei Gemeinden". Bei Abfallwirtschaft, Steuern und Standesämtern kooperiere man ohnehin.

Kooperationen sind auch in Oberösterreich derzeit verstärkt ein Thema, sogar länderübergreifend mit Gemeinden in Niederösterreich. Im oberösterreichischen Hagenberg wird zudem diesen Sonntag über die Fusion mit den Gemeinden Pregarten und Wartberg und der Stadt Aist (alle Bezirk Freistadt) abgestimmt. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe, 22.11.2011)

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Posting 1 bis 25 von 98
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</ lustig>
00
22.11.2011, 18:13
Ich vermute, daß der Grund

warum Wlaschek Milliardär, aber der durchschnittliche Bürgermeister mit Kirchturmhorizont pleite ist, liegt im Auffassungsunterschied bezüglich der Begriffe "Synergieeffekt" und "Skaleneffekt".

Für deppert gehaltener Wähler
00
22.11.2011, 16:20
Big is beautiful?

Die Bürger können doch noch selber denken und rennen nicht blindlings zentralistischen Apparatschiks nach. Statistiken zeigen genau das Gegenteil vom auch hier im Forum ständig nachgebeteten Irrtum, dass die Verwaltungskosten mit zunehmender Grösse der Gemeinde sinken würden:

https://www.kommunalnet.at/upload/1/... gungen.pdf

</ lustig>
00
22.11.2011, 18:02
Was Sie "Statistik" nennen,

ist eine unlautere Interpretation von aus dem Zusammenhang gerissenen Zahlen und Fakten.

Ein echtes Gemeindebund-Qualitätsprodukt eben.

Für deppert gehaltener Wähler
00
22.11.2011, 22:42
Lesen bildet:

Wenn Sie dem Gemeindebund nicht glauben, vielleicht der TU Wien im Auftrag der AK?

http://wien.arbeiterkammer.at/bilder/d2... MWuG92.pdf

(S. 64:)
Allg. Verwaltungskosten 2002 pro Kopf:
bis 500 EW: 295 €
500-1000 EW: 221 €
1000 - 7500 EW: 176 - 202 €
10.000 - 20.000 EW: 257 €
20.000 - 50.000 EW: 344 €
50.000 - 100.000 EW: 450 €
Wien: 847 €

SagServus
00
23.11.2011, 09:16

Demnach wäre die Verwaltungskosten bei 1000-7500 Einwohnern am billigsten.

Was wiederum für die Zusammenlegung von Kleingemeinden spricht.

Für deppert gehaltener Wähler
00
23.11.2011, 10:07

Ja, für Gemeinden kleiner 1000 EW macht das sicher Sinn. Bei Grösseren muss es mMn gut überlegt werden.

Für deppert gehaltener Wähler
00
22.11.2011, 22:09

Bringens was besseres, oder nur heisse Luft?

</ lustig>
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23.11.2011, 00:38
Schon wieder:

unlautere Interpretation von aus dem Zusammenhang gerissenen Zahlen und Fakten.

Verwaltungskosten / Kopf ohne die zugehörigen Aufgaben / Leistungen zu vergleichen ist Bullshit!

Aus der Studie (Seite 30, Abb. 8) "Intergovernmentale Nettotransfers" geht hervor, dass die großen Gemeinden die kleinen finanzieren. Lesen Sie sie!

Oder zahlt etwa Ihr Kuhdorf die Verwaltungskosten, die ein Pendlerarbeitsplatz in der Großstadt verursacht? Zahlen Sie für die Gesundheitsversorgung, Sicherheit und Infrastruktur der nächsten Großstadt, die Sie aber andauernd nutzen?

Kleingemeinden können nicht einmal die Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherstellen! Von Arbeitsplätzen reden wird noch gar nicht...

Für deppert gehaltener Wähler
00
23.11.2011, 10:02

Grosse Gemeinden finanzieren die Kleinen:
Dass die grossen Gemeinden die Kleinen finanzieren liegt an unserem Steuersystem.
Daher ist Ihre Argumentation bez. der Finanzierung der Verwaltungskosten auch falsch, da der Arbeitsplatz gerade eben die Verwaltungskosten zahlt. Die Steuereinnahmen gehen an die Standortgemeinde und nicht die an Wohngemeinde.

Ihr Schlusssatz mag richtig sein, eine Zusammenlegung hilft aber auch hier nicht.

</ lustig>
00
23.11.2011, 13:27
Natürlich müssen Steuern

dort gezahlt werden, wo sie erwirtschaftet werden. Die Umwelt-, Verkehrs- und Stressbeslatung bleibt ja auch dort.

Was würden's denn vom Gastarbeiter halten, der hier arbeitet, aber die Steuern im Heimatland zahlt?

Für deppert gehaltener Wähler
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23.11.2011, 14:47

Bissl fremdenfeindlich, hm?

verleih nix
00
22.11.2011, 17:53

geh bitte, wir reden hier von xs statt xxs. big ist anders.

ich selbst
 
00
22.11.2011, 17:43
sorry, aber hier den gemeindebund zu zitieren ist genauso

wie wenn sie in einem bankerjournal die rechtfertigung für das bankenpaket suchen

vllt nur so viel: je größer eine gemeinde, desto mehr aufgaben für ihr umland erfüllt sie - also eine stadt als zentrum einer region / eines bundeslandes muss zB straßen bauen, erhalten, reinigen etc., auf denen täglich viele von außerhalb unterwegs sind

natürlich spricht am land, wo die strukturen oft weitläufig sind, einiges für kleinere gemeinden - jedoch gibts eine schmerzgrenze, wo es unrentabel wird - wo die genau liegt, hängt von der situation ab.
also: big ist nicht unbedingt beautiful, aber vielleicht bigger als jetzt in vielen teilen österreichs.

Für deppert gehaltener Wähler
00
22.11.2011, 22:24

Natürlich sind die Zahlen entsprechend "interpretiert",
sie sind aber durchaus belastbar. Gerne können Sie Zahlen von der Zentralisierungslobby bringen.
Und ja, grössere Gemeinden haben auch mehr Aufgaben. Aber billiger sind sie nicht, das ist schlicht und einfach eine falsche Annahme.

mika33
00
22.11.2011, 15:44
Haben die lieben Bürger wiedermal falsch abgestimmt.

Das hat man von der direkten Demokratie.

</ lustig>
00
22.11.2011, 17:59
Direkte Demokratie wäre,

wenn die Zahler gefragt werdn würden, nicht die Nehmer.

mika33
00
23.11.2011, 10:26
Wer sind denn die Zahler???

Cuca Racha
 
02
22.11.2011, 13:50
"gegen die Fusion"

schon ok, aber dann sollen sie ihre Schrebergartenfolklore selber bezahlen.

Verursacherprinzip auch für politischen Feinstaub!

Ceterum censeo: Bundesländer abschaffen! Die dienen nur der Versorgung von Provinzschmalspurautokraten und deren Cronies (sog. Landtage ff.). Volkswirtschaftlicher sowie politischer Nutzen: Null. (Oder wahrscheinlich sogar weit unter Null, wenn man die katastrophalen kulturellen Auswirkungen dieser Scheuklappenstrukturen auf Scheuklappendenken und Scheuklappenfühlen bedenkt.) Stattdessen: für einen starken europäischen Zentralstaat!

matthias_87
01
22.11.2011, 14:13
ja genau so ist es ohne einen Europäischen Staat wird sichs in Zukunft nicht spielen

und in 100ten von Jahren wird man sich über die Kleingeistige Kleinnationalstaaterei wundern wie wir uns über Stammesgebiete und klein Fürstentümer wundern.
Ich glaub sie kommen vom Land oder haben dort gewohnt zur Scheuklappenmentalität 100% Zustimmung, das Nachbardorf ist quasi der Feind.
Man kann sich auch unbeliebt machen wenn man erwähnt das man in Zeiten von Autos nicht umbedingt alle 4 Kilometer eine Feuerwehr braucht mit eigenem Tankwagen, der Tankwagen ist ja der Stolz der Feuerwehr, schön wäre auch wenn die, die ihn wollen auch selbst bezahlen würden.

Sternchen100
01
22.11.2011, 13:18
Es fehlt mir einfach das Verständnis - diese "Dorfkaiser" wollen unbedingt Pfingstochsen in ihren Zwerggemeinden bleiben, egal wie sinnlos das ist.

Unter 5000 Einwohnern sollte es auch keine Bürgermeister geben, entsprechend gehören die Bezirke zusammengelegt und gewählt.

Die Vertretung der Bezirke u. Städte (mit Aufwertung) könnten dann die Kandidaten für den LHM stellen und für die Landtage, genauer gesagt sollte die Verwaltung in nur mehr 3 Verwaltungszentren (mit 3 gemeinsamen Landtagen) erfolgen für West-, NO und NS-Österreich. Der Bundesrat wird von der Landeshauptleutekonferenz abgelöst, die meisten Kompetenzen wandern an den Bund.

Damit wird endlich der entstandene zusätzliche verwaltungsmäßige Personal- und Kostenstand bereinigt, nach Einrichtung und Beschickung der EU-Gremien! Außerdem gehören die Gehälter der Top-Spitzen um 1/3 beschnitten und damit der EU angeglichen!

La Réunion
00
22.11.2011, 11:53
absurd auch

Gemeinen, entlang der OÖ/NÖ Grenze (Staat Haag, St. Valentin, St. Peter, etc); die müssen zum Firmenbuch, Arbeitsgericht usw nach St.Pölten (min 60 Min) fahren, nach Steyr wären es 5-15) ...

Sternchen100
01
22.11.2011, 13:19

Heute benützen die Leute keine Pferdekutschen mehr oder gehen zu Fuß, daher muss nicht im jeden Nest ein Bürgermeisteramt usw. lokalisiert sein! PC (Email, Bürgerservice), Telefon und Fax gibt es inzwischen auch!

matthias_87
15
22.11.2011, 11:33
es gibt sowiso keine Rationalen Gründe gegen eine Gemeindezusammenlegung

außer für die weg fallenden Bügermeister und Gemeinderäte, die würden schon Geld verlieren.
Die heutigen Gemeinden wurden ja auch vor ca 70 Jahren zusammen gelegt nun haben sich die Menschen daran gewöhnt und lassen sich von den Bürgermeister und Gemeinderäten rational scheinende Argumente einreden.
Hat wirklich jemand geglaubt das man Gemeinde zusammen legen kann?

mika33
21
22.11.2011, 11:51
Lebe in einer Gemeinde, die vor ca. 30 Jahren mit seinen Nachbargemeinden zusammengelegt wurde.

Nach der Zusammenlegung wurden im neuen Gemeindeteil alle Strassen neu gemacht, zulasten aller Gemeindeteile und das Budget saniert. Ca. 10 Jahre später erfolgte wieder die Trennung mit einer Zustimmung von über 90%. Heute bilanziert unsere Gemeinde ausgeglichen, während die Nachbargemeinde einer der höchst verschuldeten im ganzen Land ist.
Wer bitte kann nach den vergangenen Erfahrungen und der aktuellen Lage einer Fusion zustimmen???

matthias_87
01
22.11.2011, 14:03
das wird sich aber auch irgendwie lösen lassen

das Problem mit der Schuldenpolitik ist ja das die Bürgermeister Stimmen kaufen bzw. Einwohner in die Gemeinde locken.
Und im Notfall zahlst da Bund.

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