Rapid und der ersehnte Schritt in die Normalität

21. November 2011, 17:34
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Trainer Peter Schöttel nahm sich die Zeit, um im aufgeregten Hütteldorf etwas zu bewegen. Der überzeugende Sieg gegen Salzburg sorgte für Lärm im Stadion und für Ruhe im Traditionsklub. Vorerst

Wien - Es ist nicht Peter Schöttels Art, Klischees zu bedienen, aber über Guido Burgstaller sagt er: "Ein typischer Rapidler. Er ist unbekümmert, wuchtig, dynamisch, kennt keine Angst, will immer gewinnen. " Hin und wieder müsse man den 22-Jährigen "einfangen. Aber das ist kein Problem, er lässt sich ohne Kommentar einfangen." Am Sonntag hat Burgstaller drei Tore zum 4:2-Sieg gegen Red Bull Salzburg beigesteuert. Schöttel kennt ihn aus gemeinsamen Zeiten bei Wiener Neustadt, er hat Alfred Hörtnagl, dem ehemaligen Sportdirektor in Hütteldorf, Burgstaller förmlich aufgedrängt. "Ohne zu wissen, dass ich im Sommer selbst bei Rapid lande." Einen Unterschied gab es dann doch. Während Schöttel gesund blieb, zog sich Burgstaller im ersten Test einen Kreuzbandeinriss zu. Am Sonntag sagte er: "Drei Tore schießt man nicht alle Tage, das passt, ich bin angekommen, daran habe ich nicht gezweifelt."

Auch Schöttel ist es gelungen, Zweifler ruhig zu stellen. Rapid ist Dritter, der Rückstand auf die Admira beträgt mickrige drei Punkte. Salzburg wurde deklassiert, das Ergebnis war eine einzige Untertreibung. Schöttel: "Von der ersten Sekunde an waren wir aggressiv, haben dem Gegner gezeigt, da ist für ihn gar nichts zu holen."

Die Ideen

Schöttel hat die ersten fünf Monate absolviert. "Ich versuche meine Ideen umzusetzen." Korrektur: "Wir versuchen unsere Ideen umzusetzen." Er sieht sich als Teamleiter, bezieht seine Assistenten Thomas Hickersberger, Dritan Baholli und Raimund Hedl mit ein. "Es ist immer entscheidend, wie du mit Menschen umgehst." Die Arbeit bei Rapid unterscheide sich gar nicht so sehr von jener in Wiener Neustadt. "Natürlich steht man hier mehr in der Öffentlichkeit. Erfolg ist bei jedem Verein anders definiert. Aber die Arbeit auf dem Platz ist ähnlich."

Gegen Salzburg saßen gleich vier Stürmer auf der Bank, Atdhe Nuhiu, Rene Gartler, Hamdi Salihi und Deni Alar. Der aus Kapfenberg geholte Alar hat Anpassungsprobleme. "Er ist zu brav, aber ich lasse ihn nicht fallen, er bekommt die Zeit." Trotzdem sei der Kader auf gewissen Positionen zu aufgebläht. "Vom Charakter her ist die Mannschaft willig und einfach. Ich will und kann auch keinen wegschicken. Jene, die nicht zum Einsatz kommen, sind bemüht. Aber ich kann ihnen nicht geben, was eine Profi haben will: Matches." Zudem sei es Aufgabe, "für Auffrischung zu sorgen. Warum haben wir eine Amateurmannschaft? Damit etwas nachkommt."

Während die Salzburger nach sieben sieglosen Spielen in der Phase der Selbstzerfleischung stecken, genießt Schöttel die Ruhe. "Natürlich kann sie trügerisch sein. Die Heckenschützen lauern." Das Programm bis zur Winterpause klingt nicht schlimm: Mattersburg und Kapfenberg auswärts, Wacker Innsbruck und Admira daheim. "Aber die Liga ist ausgeglichen wie selten."

Die Achse

Mit ein Grund für das Hoch sind die stärker werdenden Leistungen von Steffen Hofmann. Der Kapitän sagt: "Es ist immer noch Luft nach oben." Schöttel ist sich der Bedeutung von Hofmann bewusst. "Ich habe auch das Gefühl, dass er nicht mehr alleine dasteht, er bekommt Unterstützung." Die Achse mit Thomas Prager und Burgstaller funktioniere. "Das war nach ein paar Trainings klar."

Die Situation bei den Fans scheint sich auch zu beruhigen. Nach dem Platzsturm im Derby und den verhängten Stadionverboten ging der harte Kern auf Konfrontationskurs. Er schwieg während der Spiele, es war leise im halbvollen Stadion. Dann wurde im wenigstens wieder vollen Hanappi gebockt. Gegen Salzburg war es bummvoll und laut. Nicht zuletzt aufgrund der tadellosen Vorstellung. Schöttel: "Vielleicht normalisiert sich wirklich alles. Aber was ist schon normal?" (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 22. November 2011)

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    Peter Schöttel (44) ist eigentlich ein ruhiger Typ.

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