Aids-Erkrankungen: Anzahl um ein Drittel nach oben korrigiert

21. November 2011, 16:41
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Zu niedrige Statistikangaben wurden nach Datenabgleich mit Behandlungszentren entdeckt

Wien - Kurz vor dem Welt-Aids-Tag 2011 am 1. Dezember hat das österreichische Gesundheitsministerium seine Aids-Statistik schlagartig deutlich nach oben korrigiert. Es geht dabei um mehr als 800 Aids-Erkrankungen und mehr als 400 Todesfälle.

Der Grund, so Jean-Paul Klein, für die Epidemiologie-Registrierung verantwortlicher Experte vom österreichischen Gesundheitsministerium: Seit Beginn des Auftretens von HIV/Aids bzw. der Meldepflicht Mitte der 1980er Jahre seien Fälle und auch Todesfälle nicht immer gemeldet worden. Das hätte man jetzt durch Datenabgleich bereinigt.

Statistik zeigt deutlicheren Anstieg

Der Hintergrund für die nunmehr ausgewiesene höhere Zahl der Aids-Erkrankungen und -Todesfälle in der österreichischen Statistik:

- Mit Stichtag 3. Dezember 2010 hatte das Gesundheitsministerium unter Fortschreibung seiner Statistik seit 1983 exakt 2.811 aufgetretene Aids-Erkrankungen und 1.533 an der Immunschwächekrankheit Verstorbene gemeldet.

- Doch mit Stichtag vom 14. November 2011 meldete das Gesundheitsministerium: Bisher aufgetretene 3.659 Aids-Erkrankungen in Österreich und 1.945 Todesfälle (von den Erkrankten gestorben).

Das ergibt bei den aufgetretenen Aids-Fällen eine Differenz bzw. eine Korrektur nach oben von 848 Patienten (33 Prozent) und bei den Verstorbenen eine Korrektur von plus 412 (37 Prozent). Auf der Homepage des Gesundheitsministeriums finden sich diese Zahlen noch nicht.

"Fälle wurden nicht gemeldet"

Während vor mehreren Jahren plötzlich international eingeführte neue Krankheitskriterien für Veränderungen sorgten, ist in diesem - österreichischen - Fall die Ursache eine andere. Jean-Paul Klein: "Nachdem die neun österreichischen (Aids-)Behandlungszentren ihre Register elektronisch führen, haben wir diese Daten 'abgegriffen' und mit unseren verglichen. Da sind wir draufgekommen, dass im Laufe der letzten Jahre Fälle nicht gemeldet wurden. Wir haben das abgeglichen. Wir sind immer von einem 'Underreporting' (zu wenig Meldungen, Anm.) von 20 Prozent ausgegangen."

Die hohe Differenz in absoluten Zahlen ergebe sich daraus, dass über den Zeitraum von knapp 30 Jahren regelmäßig Aids-Erkrankungen und/oder -Todesfällen nicht gemeldet worden seien, so Klein. So habe es etwa Fälle gegeben, dass ein Betroffener aus einem Spital entlassen wurde und kurz darauf zu Hause gestorben sei. (APA)

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