Propaganda an der Laterne

22. November 2011, 10:44
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Mit seiner "Obey"-Kampagne überflutete Shepard Fairey den Globus - Die Lust Gallery stellt den in den USA als Superstar der Street-Art gefeierten Künstler nun in Wien vor

Wien - Wenn die Propagandamaschine richtig läuft, brauchen sich Despoten nicht um ihre Macht zu sorgen. Die Massen werden manipuliert; das System bleibt stabil. Der US-Street-Artist Shepard Fairey würde dahingehend einen mustergültigen Herrscher abgeben: Seine Propaganda klebt als Sticker an Straßenlaternen von Los Angeles bis Tokio.

Shepard Fairey (geb. 1970) setzt seit 20 Jahren Akzente in der internationalen Street-Art-Szene, illustriert Platten- (u. a. Led Zeppelin) oder Buchcover, entwarf sogar eine eigene Modelinie. Begonnen hat er als Grafikdesigner mit dem Bedrucken von T-Shirts. 1989 macht ihn eine Zeitungsannonce auf den Profiwrestler Andre the Giant aufmerksam, dessen Konterfei er - zusammen mit dem Slogan "Obey" - auf Stickern und T-Shirts vervielfältigte.

Allgegenwärtigkeit lautet Faireys Credo: Seine über das Internet frei erhältlichen Designs verbreiteten sich wie Heuschrecken. 2008 verhalf er dem Gesicht Barack Obamas zu ungeahnter Popularität: Faireys Entwurf "Hope" wurde zum offiziellen Wahlplakat der Kampagne. Der Künstler musste sich daraufhin Vorwürfe gefallen lassen, er betreibe Ausverkauf am eigenen Werk.

In vielen von Faireys Bildern entdeckt man Sinnbilder der Macht: der immer wiederkehrende, subversive Schriftzug "Obey" oder die Farbe Rot. Um einen Stern angeordnete Getreideähren oder kyrillisch anmutende Typografien - manches wirkt überladen von propagandistischer Sowjetromantik. In den ikonisierten Porträts von Noam Chomsky, George Bush oder - ganz aktuell - der Guy-Fawkes-Maske der Occupy-Bewegung sind Warhol'sche Momente zu erkennen.

"In den USA kennt jeder Shepard Fairey", sagt Galerist Max Lust. Auch in Österreich müsste er eigentlich so bekannt sein wie Banksy. Ein erster Schritt dorthin ist die Ausstellung, die einen Überblick über Faireys Frühwerk gewährt. (Michael Ortner, DER STANDARD - Printausgabe, 22. November 2011)

Lust Gallery, 2., Hollandstr. 7, bis 15. 1.

  • Schablonen (sogennannte Stencils) sorgen für leichte Verbreitung: "Andre the Giant".
    foto: lust gallery

    Schablonen (sogennannte Stencils) sorgen für leichte Verbreitung: "Andre the Giant".

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