Schuldenbremse

Ratingagentur lobt Österreichs Sparbemühungen

21. November 2011, 23:11

Regierung will Opposition zum Mitbremsen überreden

Wien - Mit Schrecken beobachtet die ÖVP derzeit die Annäherung von SPÖ und Grünen, was die mögliche Einführung einer Vermögenssteuer betrifft. Eva Glawischnig stehe für eine Belastungsorgie, heißt es in der ÖVP. Die grüne Bundessprecherin hatte am Sonntag ein Potenzial von rund vier Milliarden Euro geortet, das dank höherer Vermögenszuwachssteuern, einer Erbschafts- und Schenkungssteuer und einer "echten" Vermögenssteuer eingehoben werden könnte. Von der ÖVP forderte Glawischnig, die Blockadehaltung aufzugeben.

Die ÖVP will sich vorerst mit Vermögenssteuern gar nicht auseinandersetzen, Parteichef und Vizekanzler Michael Spindelegger stellt mögliche Einsparungen in den Vordergrund der Schuldenbremse: ÖBB, Verwaltung, Zinsenlast und späteres Pensionsantrittsalter insbesondere für Frauen.

Strafe für Politiker

Die ÖVP-nahe Julius-Raab-Stiftung schlägt vor, Politiker, die ihre Sparziele verfehlen, sollten ein Drittel ihrer Gage zurückzahlen. Auch Bürger sollten unmittelbar für Fehlbeträge in den Gemeinde-, Landes- oder Bundeskassen zahlen - wobei ein neuer Mechanismus klar machen sollte, welchen Politikern sie diese Zahlungen zu verdanken hätten.

Mit einem eindringlichen Appell wollen SPÖ und ÖVP das Einverständnis der Oppositionsparteien zur Schuldenbremse erreichen, um diese in die Verfassung bringen zu können. Die Grünen stellen die Vermögenssteuer in den Vordergrund, die FPÖ nennt als Bedingung, dass kein Geld mehr an Brüssel fließen darf.

Die Ratingagentur Moody's äußert sich sehr positiv über die österreichischen Sparbemühungen und geht offenbar von einer politischen Einigung aus: Die Schuldenbremse "unterstützt die Kreditwürdigkeit sowohl der österreichischen Regierung als auch der unteren Verwaltungsebenen", steht in einem aktuellen Bericht. "Dies gilt insbesondere, wenn - wovon wir ausgehen - die Oppositionsparteien die Verfassungsänderung unterstützen."

Scharfer Sparkurs

Moody's verweist darauf, dass die Umsetzung der Schuldenbremse auch einen verschärften Konsolidierungskurs nötig machen würde. Die Analysten erwarten, dass das strukturelle Defizit von heuer 3,3 Prozent des BIP bis 2014 auf zwei Prozent sinken werde: "Daher wird eine signifikante Beschleunigung des Defizitabbaus nötig sein, um 2017 0,35 Prozent des BIP zu erreichen."

In dem zweiseitigen Kommentar von Moddy's, der dem Standard vorliegt, schlägt die Ratingagentur Einsparungen bei Pensionen und Förderungen vor. Moody's verweist darauf, dass das effektive Pensionsantrittsalter von Männern (59 Jahre) und Frauen (57 Jahre) im OECD-Vergleich am untersten Ende liegt. Bei den Pensionsausgaben liege Österreich daher im Vergleich zu anderen mit Triple-A bewerteten Euroländern im Spitzenfeld.

Ebenfalls Spitze ist Österreich demnach bei Förderungen: Diese machen 3,5 Prozent des BIP aus, da schlagen sich insbesondere die Subventionen für die ÖBB nieder. In Deutschland ist es nur ein Prozent, in Finnland und den Niederlanden 1,5 Prozent. Ein neuer Ratingbericht ist vor Weihnachten zu erwarten.

Der Gouverneur der Nationalbank, Ewald Nowotny, hat die geplante Einführung der Schuldenbremse als "ganz wichtiges Instrument" begrüßt, "um die dauerhafte Seriosität der öffentlichen Finanzen zu sichern". Die Schuldenbremse auch in Verfassungsrang zu heben sei "sicher kein Placebo".

Sparen in St. Pölten

Niederösterreichs Finanzreferent Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat sich am Montag zur Schuldenbremse als "richtige und wichtige Entscheidung" bekannt. Gleichzeitig bezeichnete er es als "kreditschädigend und inakzeptabel", dass Länder und Gemeinden "als Schuldentreiber dargestellt" würden. Die "einseitige Darstellung" des Schuldenstandes Niederösterreichs bringe das Land in Misskredit. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 22.11.2011)

Kommentar posten
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General Cornwell
00
22.11.2011, 18:09
Liebe Poster - zeigt, dass die Ratingagenturen sich nicht auskennen

und unrecht haben.

Zeigt Solidarität mit den griechischen Freunden.

Jetzt habt ihr das ultimative Mittel um beides gleichzeitig zu erreichen:

kauft griechische Staatsanleihen und werdet reich...

Moondancer
02
22.11.2011, 13:05
Frechheit.

Es steht einer Rating Agentur nicht zu, sich in die Innenpolitik eines Landes einzumischen..vielleicht sollten sich die USA eher in die Pflicht nehmen, schließlich war es ein US Unternehmen, Solomon Brothers, die Griechenland beraten haben, als es um die Euro Bonität ging. Und wir zahlen jetzt die Zeche für diese Beratung.

Childerich von Bartenbruch
01
22.11.2011, 12:50
moody's bewertet ja nicht nur die aktuelle lage, ...

... sondern stellt ja auch forderungen ("empfehlungen" genannt), wie die schuldenbremse auszusehen hat. und sie fordert auch die opposition auf mitzumachen.

das nimmt schon ganz andere qualitäten an, als es immer dargestellt wird, nämlich dass hier "objektive bewertungen" vorgenommen werden.

poster1231
00
22.11.2011, 12:28

also gut:
-ich bin für die emanzipation: gleiches pensionsalter für beide geschlechter (warum eigentlich nicht?)
-leistungsbezüge bei Abgeordneten. Nur wenn die was tun, dürfen sie auch gelder kassieren.
-reichensteuer: hier können nur die in ö gemeldeten zur kassa gebeten werden. wie lange die bei sowas mitspielen ist die frage. auf alle fälle sollte zusätzlich zum maximalen 50%en ein super-spitzensteuersatz von 55% her. mit der option eines mega-super-spitzensteuersatzes von 60%. das trifft dann viel mehr als "nur" die ganz reichen. optional kann man bei super reichen noch die absetzbarkeit von diversen dingen streichen.
-einsparung: keine weiteren beratungskosten in der politik. die minister dürfen sich selbst mal was überlegen...

SMaRT Himself
00
22.11.2011, 11:50
Die Hoch konjuktur vor der Krise wurde einfach nicht genuzt!

Am Abend wir der Faule fleissig! Jetzt wo der Hut brennt! I hoffe, bin aber nicht überzeugt, dass die ganze Problematik mit der Schuldenbremse gelöst wird. Was nützt es, wenn das ganze in der Verfassung verankert wird wenn keine Lösungen präsentiert werden. Der Begriff Schuldenbremse ist bis her nur eine "Überschrift" ohne Text.

Außderdem sind sie Forderungen der Opposition eine Farce!

Toni Meister
03
22.11.2011, 11:39
Heute : Dr.Werner Rügemer - Ratingagenturen: Ein zutiefst korruptes System?

Aktionsradius
Gaußplatz 11
1200,Wien
19:30 Uhr

"Die Ratingagenturen sind mit den Hedge- und Investmentfonds insbesondere in den USA aufs engste verfilzt. Sie arbeiten zugleich im hoheitlichen Auftrag der Regierungen,der EU,des IWF und der Europäischen Zentralbank. Waren Mittäter von Bankrotteuren wie Enron, Worldcom und Parmalat sowie zuletzt der Finanz- und Wirtschaftskrise. Wurden weder reformiert noch besser kontrolliert. Heizen weiter die Spekulation mit Aktien, "Finanzprodukten" und Staatsanleihen an.Tragen zur zusätzlichen Verschuldung von Staaten und zur Verarmung der Bevölkerungen bei. Sie trieben mit Billigung der EUStaaten wie Griechenld.und Irland in die Arme von Spekulanten während sie die Schuldenkaiser USA und GB schonen".

Der Doktor
01
22.11.2011, 11:37
Danke Herr Sobotka!

Warum der immer noch den Mund aufmacht? 2 Mrd. verspekuliert, aber solange man bis zum Hals im Onkel Erwin steckt - alles wurst. NÖ hat eine höhere Pro-Kopf-Verschuldung als Kärnten.

ceiberweiber.at
10
22.11.2011, 11:35
moodys go home!

was passiert, wenn die regierung denen sagt, sie sollen sich verp....?

schluss mit dieser erpressung!

mike sierra
20
22.11.2011, 15:03

Es ist leider in Österreich immer so, dass ein Externer uns sagen muss, was mehr als offensichtlich ist.

Schauen Sie ins Budget:
Größter Einzelposten =
> 9 Mrd Euro ZUSCHUSS zu den Pensionen (nicht Beamten-Pens.)
= genau das Defizit des Gesamtstaats

Und warum?
Weil ASVG-Versicherte im Durchschnitt mit 58 in Pension gehen.

Was passiert, wenn die Regierung dem Defizit sagt, es soll sich verp.....?

Wahrscheinlich lang einmal nichts (Ausschüsse, Unterausschüsse, ...)

Mauswin2
11
22.11.2011, 18:31
Zutiefst hetzerrisch dargestellt

Jetzt den schwarzen Peter, den Pensionisten zuschieben ist allerfeinstes Dreckwerfen.

Auch wenn ihre Zahlen stimmen, ist es trotzdem falsch.

Es ist nur politischer Wille, wie das Budget aufgeteilt wird.

Es ist jederzeit ein 0 Defizit möglich.
Kein Straßenbau bzw Straßenerhalt - z.B.
Keine Zuschüße zu Klimaprojekte, keine Kulturzuschüße, weniger Polizei,

Wenn wir weniger Steuern zahlen würden, dafür mehr Sozialversicherung, wären die Pensionen locker gedeckt ohne das ich als Arbeitnehmer weniger Netto hätte. Niemand bräuchte sich über Zuschüße zum Pensionssystem Gedanken machen.

Überlegen sie, wie wenig Sozialversicherung eingezahlt wird und was es dafür gibt? Eine OP ihn ihrem Leben und sie sind ein Minusposten.

mike sierra
00
23.11.2011, 10:04
keineswegs hetzerisch

Niemand will Pensionen kürzen.

Aber wir müssen die Augen aufmachen.
Wir können bei vielen kleinen Positionen sparen, aber es wird uns nicht retten. Die Dynamik bei den Pensionen bringt uns um. Und hier vor allem das zu niedrige Antrittsalter.

Man kann auch bei Investitionen und Reinvestitionen sparen, aber fast alle sagen: Das ist nicht sinnvoll. Die aktuellen Pensionen sind jedenfalls keine Investitionen in die Zukunft.

Bei Beamten?
Die größten Positionen sind da Lehrer/Uni, Polizei und Justiz.
Wer will da sparen?

Und höhere Beiträge? Das funktioniert nur, wenn man auch die Höchstbeitragsgrundlage anhebt. Dadurch steigen aber wieder die Ansprüche

Robert Cvrkal
 
00
22.11.2011, 11:02
Bürgermitbestimmung damit Politik bei sich selbst auch spart

Siehe z. B. Link

http://mein.salzburg.com/blog/stan... afmut.html

system1
00
22.11.2011, 10:55
ich bin sicher dass sich weltweit auch

geldgeber finden, die weit unter dem unsäglichen offiziellen zinssatz geld anbieten. wer sagt dass man sich bei der suche in ein korsett zwängen muss? abwärtsversteigerungen bzw. die individuelle suche nach sponsoren wären angesagt. ist halt arbeit die bekanntlich von den beamten bescheut wird wie das weihwasser vom teufel. zudem stellt sich die frage, ob Ö nicht auch geld an andere staaten verliehen hat (ausser GR, von dem ja bekanntlich nichts mehr zu holen ist). dieses geld ist bei geldknappheit ja sofort fällig zu stellen.

Emil Sacklinger
 
00
22.11.2011, 10:54
ob lob oder tadel

die unerwünschten zensuren von moody's und co. verwehre sind zumindest entbehrlich.

(wir haben ohnehin schon mehr als genug waldorfs und statlers)

Prolozei
00
22.11.2011, 10:53
65% mehr für den Hund...

... da wird sich der "Moody" nicht freuen

Emil Sacklinger
 
00
22.11.2011, 11:36

...mein rolfi auch nicht.

(der setzt seit gestern in seinem grimm extragroße haufen am gehsteig ab - und ich kann dazu nur sagen: "recht hat er!")

chris pollh
 
01
22.11.2011, 10:41
finalmente

Also ehrlich - in der Form können die Schulden ja sowieso nie mehr gezahlt werden... dazu gibt es mittlerweile genug Evidenz, dazu kommt - dies ist systembedingt...

ganz einfach: neue Schulden machen nur Sinn wenn sie investitions oder konsumwirksam werden

derzeit geschieht: neue Schulden allein als Casinogeld für ein schier wahnsinnig paranoides Finanzmarktsystem. (um die 80 % der Griechenlandhilfen gehen/gingen direkt an div. Banken)

Lösung: Entkoppelung von Realmarkt und Finanzmarkt - klingt dumm und realitätsfern - gelle

von mir aus ein "Monop-Euro" für Bankiers und ein "Realeuro" für Firmen und Menschen die auch tatsächlich Wohlstand erwirtschaften...

whatever - bevor es nicht richtig weg tut - ändert sich eh nix ;)

Martin Demelmair
 
00
22.11.2011, 10:35
Gespart werden MUSS -

- damit sich die Staaten ihrer KERNAUFGABEN und der wirklich BEDÜRFTIGEN annehmen können:

http://www.telegraph.co.uk/finance/n... abour.html

Wie vernagelt - i.e. IDEOLOGISCH verblendet - sind die Apologeten dieses Systems?

What ever it takes, to stay a FIRM BELIEVER in free MARKET EFFICIENCIES and the IMMACULATE CONCEPTION of WEALTH ..."

PERLENQWIEN
 
02
22.11.2011, 10:30
Klingt wie in der Pädagogischen Hochschule...

Haben Sie ihr Kind heute schon gelobt?

system1
21
22.11.2011, 10:12
schön, da freu ich mich wenn eine mafia-organisation mich lobt....

jössas
28
22.11.2011, 10:09
gilt die schuldenbremse auch, wenn wir das nächste mal die banken retten müssen?

die diskussion um die schuldenbremse gibts ja hauptsächlich durch die massiven schulden der staaten aufgrund der bankenrettung.
irgendwie verkehrt, da wird kurzfristig das finanzsystem gerettet durch das überschulden der staaten und dann drohen die gleichen mit abstufung und damit verbundenen höheren zinsen.

jetzt darf halt für das volk nichts mehr ausgegeben werden. nur wenn das finanzsystem wieder hilfe braucht, dann darf bei der schuldenbremse eine ausnahme gemacht werden.

ich denke mal, wir werden alle verarscht vom finanzsystem und immer wieder müssen die kleinen ihren arsch dafür herhalten.

Norrin Radd
12
22.11.2011, 10:28
Natürlich

Weil ohne die paar mickrigen Milliarden, die AUT als Kredit an ein paar Banken weitergegeben hat, hätte Österreich natürlich keine Schulden.

Ich fass es wirklich nicht, dass viele einfach nicht sehen wollen, dass die Staaten viele Jahre lang weit über ihren Verhältnissen gelebt haben und sich in guten Zeiten nicht für schlechte gerüstet haben.

Die Banken sind sicher alles andere als Lämmer. An den überbordenden Staatsschulden sind aber andere Schuld - unter anderem auch das "Volk", dass diese Politik des Schuldenmachens goutiert hat und offenbar noch immer goutiert.

Sidlo
00
22.11.2011, 10:05
Wer viel Schulden hat, dem kann der Zinssatz nicht

egal sein, man braucht sich nur ausmalen wie teuer bei einem Schuldenstand von Hunderten Milliarden Euro ein Prozent Zinserhöhung kommt. Wenn das Vertrauen in den Österreichischen Staat sinkt dann kostet das gleich einmal einige Milliarden Euro im Jahr, die natürlich dann durch viele zusätzliche Mega Sparpakete hereingebracht werden müssen. Viel gescheiter ist es daher, wenn mann die Sparpakete gleich macht um das Vertrauen zu sichern, dann erspart man sich die vielen zusätzlichen milliardenschweren Sparpakete. Das scheinen jetzt auch die letzten Provinzpolitiker zu kapieren!

ceterum censeo faymanem esse d...
36
22.11.2011, 09:57
....die Annäherung der von SPÖ und Grünen...

.. um neue Steuern einzuführen!

- Erst mal Steuern einführen, ohne zu wissen, wie die Schulden abgebaut werden sollen

- Erst mal Wehrpflicht abschaffen, ohne zu wissen, wie die Landesverteidigung in Zukunft aussehen soll

- Erst mal saftige Gebührenerhöhungen ohne einen Plan zur Erhaltung der Wiener Lebensqualität zu haben

- usw usw.

Die Strategien der SPÖ sind dumm, ihre Massnahmen rein auf die populistische Breitenwirkung ausgerichtet.
Sie will gar keine Problembeseitigung und ignoriert alle Folgen, es sei denn deren Auswirkungen lägen noch vor dem nächsten Wahltermin.
Sie will nur wiedergewählt werden, sonst nichts.

Dass die anderen Parteien auch so sein könnten, ist kein Argument. Wählt diese Partei ab! Sie schadet uns.

mayflower2
02
22.11.2011, 11:52

Und trotz dem,der Grundgedanke der Sozialdemokratie ist mir allemal noch lieber als die Parteilinie der Gummistiefler.

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