Anleihen in Bedrängnis

Gestatten, Bond. Staatsbond

Daniela Rom, 22. November 2011, 10:32

Der Markt für Staatsanleihen galt lange als sicherer Hafen, die Krise fegt aber wie ein Wirbelwind darüber hinweg

Am Anleihenmarkt geht's gerade rund. Früher galt er als der sichere Hafen für Anleger schlechthin. Doch die Zeiten haben sich geändert, die Euro-Schulden-Finanz-Banken-Krise fegt wie ein Wirbelwind über den Markt für Staatsanleihen hinweg, lässt keinen Stein auf dem anderen und setzt Ländern wie Investoren gehörig zu. Das Vertrauen ging mitten in der undurchsichtigen, endlosen und voller Überraschungen steckenden Krise flöten, Anleger verschoben ihre Gelder von den immer unsicherer werdenden Ländern wie Griechenland oder Italien in Richtung Deutschland, oder überhaupt gleich raus aus dem Euroraum.

Für Josef Zechner, Professor für Finanzwirtschaft an der Wiener Wirtschaftsuni und Mitglied der wissenschaftlichen Leitung bei Spängler Iqam Invest, liegt das Problem auf der Hand: Die europäische Politik setzt keine Schritte zur glaubhaften Lösung des Krise, meint Zechner im Gespräch mit derStandard.at. "Es geht immer nur um das unmittelbare Löschen von Feuern, wo man sehr kurzfristig auf Panik und Notsituationen reagiert. Es ist aber nicht abzusehen, wo über drei, fünf Jahre die Perspektiven liegen." Und das spiegelt sich nun auch auf dem Bondsmarkt wider.

Staatsanleihen sind für Länder wichtige Finanzierungsinstrumente, notwendige Gelder können so relativ leicht über den Finanzmarkt aufgenommen werden. Im Jahr 2010 hat Österreich zum Beispiel zirka 21 Milliarden Euro aufgenommen. Geld, das selbstverständlich auch Teil der Staatsschuld ist. Anleihen sind eigentlich nichts viel anderes als Kredite, nur, dass sie eben über einen Markt gehandelt werden. Während ein Anleger mit einer Aktie einen Teil am Eigenkapital des Unternehmens erwirbt, wird er mit einer Anleihe zum Fremdkapitalgeber. Je nach Laufzeit erhält der, der sie gezeichnet, also gekauft hat, einen im Vorhinein festgesetzten Zins, die Rendite. 

Ratings als Grundlage

Bei Staaten orientiert sich dieser Zinssatz stark an den Ratings, manchmal entzieht sich das reale Geschehen an Märkten aber dem, was an Fundamentaldaten da ist. Die Bewertungen der drei großen Ratingagenturen Standard & Poors, Fitch und Moody's sind die Grundlange dafür, wie groß das Risiko eines Ausfalls eines Landes ist. Österreich zum Beispiel hat ein Triple-A-Rating, der heilige Gral der Bewertungsbranche. Eigentlich heißt AAA kaum Risiko, ausfallssicher, alles palletti. Dennoch ruckelte es den gesamten Bond-Markt nach dem Anstieg italienischer Renditen vor wenigen Tagen ordentlich durch. Besonders Österreich kriegte sein Fett weg, Investoren zogen großflächig Geld ab und verschoben es in die vermeintlich sichereren deutschen Bundesanleihen.

Zechner kann sich das nur so erklären, dass institutionelle oder private Anleger mittlerweile in ihre Strategie Extremszenarien einfließen lassen. "Wenn der Euro auseinanderbricht und chaotische Verhältnisse eintreten, wenn man nicht weiß, wie das die Banken überleben können oder werden, dann ist nichts mehr sicher." Man glaubte also, Deutschland sei noch das sicherste Asset. Investoren würden sich laut dem Finanzprofessor nicht mehr nur für Renditen interessieren, sondern hätten vor allem den Kapitalerhalt im Fokus. Sie seien sogar bereit, geringe, auch real negative Verzinsung in Kauf zu nehmen, um das Ausfallsrisiko zu vermeiden. Im Falle Deutschlands ist es schon so weit, die Bundesrepublik kann sich Geld mehr oder weniger gratis am Markt holen: Mit den knapp zwei Prozent Zinsen für eine zehnjährige Anleihe schaut nach Abzug der Inflationsrate nicht mehr allzu viel für den Investor heraus.

Italien setzt dem Markt zu

Die politischen Turbulenzen und der prekäre finanzielle Zustand Italiens hinterließen auch bei den italienischen Bonds selbst ihre Spuren. Als der Zinsendienst der Südeuropäer die magische Sieben-Prozent-Marke überschritt, ging das Rambazamba am Anleihenmarkt erst richtig los. Die sieben Prozent gelten als jener Bereich, bei dem andere Euro-Länder, wie Irland, Portugal oder Griechenland letztlich um Hilfe ansuchen mussten. Außerdem werden ab diesem Niveau die langfristigen Zinszahlungen so hoch, dass sie von den betroffenen Staaten kaum mehr getragen werden können. 

Anleihenexperten schränken aber ein, dass die Sieben-Prozent-Schwelle allein auch nicht wirklich viel aussagt. Länder mit einer niedrigeren Staatsverschuldung könnten zum Beispiel ein höheres Zinsniveau länger verkraften als ohnehin schon tief in der Kreide stehende Staaten. Fristigkeiten spielen auch eine Rolle: Gibt ein Land immer nur kurz laufende Anleihen aus, müssen sie sich öfter refinanzieren - höhere Renditen schlagen dann schneller durch, die Emission neuer Anleihen wird immer teurer.

Als Referenz für den Rendite-Stand einer Anleihe hält nun immer noch die deutsche Bundesanleihe her. Sie gilt als "ausfallsrisikofrei". Niemand glaubt also, dass Deutschland pleite, die Staatsanleihe den Bach runter gehen wird. Investoren bekommen derzeit 1,94 Prozent pro Jahr für zehnjährige deutsche Bundesanleihen. Im Vergleich dazu: für die österreichische Schwester kann man 3,45 Prozent an Zinsen einstreifen.

Bis vor ein, zwei Jahren war der Ausfall eines Landes sowieso völlig irrelevant, niemand ist davon ausgegangen, dass Staaten auch nur möglicherweise pleitegehen können. Da war es auch dementsprechend einfach, die deutschen Bonds zur Benchmark zu erklären. Mittlerweile schaut das anders aus. Deutschland gilt zwar immer noch als das sicherste Boot im vormals sicheren Hafen Anleihenmarkt. Kracht aber der Euro zusammen oder verschärft sich die Krise weiter, dann stellt sich auch die Frage nach der tatsächlichen Risikolosigkeit deutscher Anleihen.

Eurobonds?

Auf europäischer Ebene wird deswegen auch wieder die Einführung von Eurobonds als ein möglicher Ausweg diskutiert. Diese gemeinschaftlichen Anleihen sollten den europäischen Krisen-Karren aus dem Dreck ziehen. Allerdings ist man sich bei weitem noch nicht einig, ob und wie das Konstrukt Eurobonds funktionieren soll. Für jene Länder, die jetzt straucheln und horrende Zinsen am Markt für ihre Anleihen ausgeben müssen, damit sich überhaupt einer dafür interessiert, haben natürlich gar nichts gegeben Eurobonds einzuwenden. Schließlich würden sie damit leichter und billiger an frisches Geld kommen als bisher. Das ist aber Ländern wie Deutschland oder Frankreich, aber auch Österreich durchaus ein Dorn im Auge - mit Gemeinschaftsanleihen wäre der Schuldendienst für diese Länder schlagartig teurer.

Zechner sieht in der ganzen Eurobonds-Diskussion "Scheinkämpfe": "Es geht darum, dass die Länder und die Politik glaubwürdige Lösungen dieses ganzen Schlamassels umsetzten. An dem führt langfristig kein Weg, kein Trick, kein Eurobond vorbei. Die Geberländer werden abgezockt. Deutschland wird auch irgendwann der Atem ausgehen", ist sich der Experte sicher.

EZB als letzte Rettung?

Ein anderer Vorschlag ist, dass die Europäische Zentralbank (EZB) als Lender of last Resort auftritt, also zur letzten Zuflucht wird. Bis dato greift die Zentralbank nur geringfügig am Anleihenmarkt, genauer gesagt am Sekundärmarkt ein. Das heißt, die EZB kauft - noch - keine Anleihen direkt von den Ländern, sondern sammelt gegebenenfalls nur ein, was andere wieder loswerden wollen. Das sind in erster Linie Banken, Pensionsfonds, Versicherungen und dergleichen. Schon das hat der EZB einiges an Schelte eingebracht, Kritiker werfen ein, die Notenbank würde so den Markt außer Gefecht setzen, die Budgetprobleme der schwächelnden Länder weiter verschleiern. Nach jüngsten Angaben hat die EZB insgesamt Staatspapiere im Volumen von über 180 Milliarden Euro in den Büchern. Und damit praktisch auch die Schulden der jeweiligen Staaten, bei denen ungewiss ist, ob sie ihre Ausstände jemals begleichen werden können. 

Nun fordert so mancher Ökonom, die EZB möge die vielzitierte "Bazooka" in die Hand nehmen und auch am Primärmarkt, also direkt von den Ländern Staatsanleihen kaufen, bis sich das Zinsniveau am Markt wieder normalisiert. Das kostet, und die EZB müsste vermutlich auch die Notenpresse anwerfen. Ob das Vorhaben, die Renditen am Markt langfristig nach unten zu drücken, gelingt, ist dabei aber noch gar nicht garantiert.

Ob Österreich heuer noch eine Bundesanleihe begeben wird, ist noch nicht bekannt. Eine Woche vor dem Auktionstermin im Dezember wird die Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur, der Säckelwart der Republik, öffentlich machen, ob der Staat noch Geld braucht oder nicht. Wie viel er dafür zahlen muss, hängt vor allem von den weiteren Entwicklungen in der Euro-Krise ab. (Daniela Rom, derStandard.at, 21.11.2011)

Kommentar posten
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Dr. Fu Man Chu
00
3.12.2011, 23:28
sensationelle headline

bondgirl

Kahuna
01
22.11.2011, 16:57
Fuer Italien passt Bond 007 -> Prozent...

Makro 24/7
00
22.11.2011, 16:40

Bazooka?

Moonraker-Laser!

bildungsferneschicht
02
22.11.2011, 14:42
wenn österr. bürger selbst mehr anleihen kaufen,

verbleiben die zinsen in ö und fliessen in den konsum retour.
ca 180 mrd euro liegen auf sparbüchern in ö herum,da können 21 mrd euro für anleihen kein problem sein.zumal besser verzinst als sparbücher und meiner sicht auch sicherer.
liegt wohl an mangelnder werbung für anleihen seitens bmf.
wenn die öst.bevölkerung besser über bundesanleihen informiert wäre,gäbs auch bei weitem mehr käufer.

Epikouros
01
23.11.2011, 09:26
Privatkredite ist sicherer als €-Staatsanleihen.

Die vorgetäuschten Rettungspakete an denen Europa federführend mitgewirkt hat und der erpresste Schuldenerlass von 50%, haben gezeigt, dass Anleger gegenüber Staaten keine rechtliche Handhabe haben. Jeder Privatkredit ist wesentlich besser abgesichert. Konkursverschleppung, die dem Zweck dient, dass einige Anleger schadlos bleiben sich der Gesamtschaden im Gegenzug aber erhöht, ist strafbar. Europa täuscht Anleger und betreibt Konkursverschleppung ohne Angst vor einem Richter haben zu müssen. Den Ratingagenturen, deren Urteile bloß als Anlagehilfe dienen, versucht man nun den Mund zu stopfen.

G. B. Corner
00
22.11.2011, 17:52

Die Österreicher sind indirekt vermutlich recht stark in Bundesanleihen investiert. Über ihre Banken, (Sozial-)Versicherungen, Fondsprodukte ... Eine Anleihe direkt zu zeichnen ist ja für Private eher unüblich und wegen der langen Laufzeit wohl auch ziemlich unflexibel.

bildungsferneschicht
02
22.11.2011, 18:00

sie können anleihen jederzeit am sekundärmarkt verkaufen.
ich finds eben blöd,dass die enormen zinszahlungen zum grossteil aus ö abfliessen.den diese zinsen wurden real von österreichern erwirtschaftet und via steuern bezahlt. pro person e 1.200,- p.a.

bildungsferneschicht
00
22.11.2011, 18:15

bundesanleihen und bundesschätze sind 2 paar schuhe.
trotzdem danke für den link.

verleih nix
10
22.11.2011, 17:48

leider kennen die österreichischen bürger ihren staat und ihre politiker wesentlich besser als irgendein ausländischer investor. und halten sich deshalb von staatsanleihen eher fern...

ebenso1
01
22.11.2011, 17:29
Gold gab ich für Eisen?

bildungsferneschicht
00
22.11.2011, 17:42

ist 1. schon eine zeitlang her,2.wenn sie der m einung sind, ö kann seine anleihen nicht mehr bedienen,tja dann haben wir ohnehin andere sorgen.

O5
03
22.11.2011, 14:32

Wen wunderts? Einfach mal anschauen wie sich Schulden/BIP entwickelt haben. Früher oder später MUSSTE der Crash kommen selbst wenn viele gierige Politiker und Wähler das stets geleugnet haben.

stubenpepe
00
22.11.2011, 13:56
Danke für die ausführliche Darstellung samt Basics..

die gegenwärtige Situation zeigt eindrucksvoll, dass ganz andere Kapazunder als die p. t. Poster-Gemeinschaft klar sagen können, wie man der Krise nachhaltig Herr werden kann. Umso dankbarer bin ich für den Versuch der Autorin, ein paar grundsätzliche, verständliche Erklärungen abzugeben. Wie sollen Bürger Verständnis für ergriffene Maßnahmen aufbringen, wenn sie sie nicht verstehen. Mit dem Wort Bond assoziiert wohl immer noch ein Großteil der Österreicher britische Geheimagenten...

bildungsferneschicht
00
22.11.2011, 12:28
verstehe den artikel nicht.

auf meinem depotauszug notieren ö bundesanleihen noch immer bei 106% der nominale (100%),am sekundärmarkt.dh. ein de facto verlust für käufer am sekundärmarkt,da die anleihen mit 3,5% verzinst sind und bei laufzeitende eben nur 100% ausbezahlt werden.sehe ö bundesanleihen noch immer als fluchthafen.
abgesehen davon kann ö. der sekundärmarkt wurscht sein,so lange es gelingt neuhe anleihen zu vernünftigen konditionen zu platzieren.

Walter Bimini
03
22.11.2011, 14:41
der hund liegt in ihrem letzten satz vergraben.

derunbestechliche
30
22.11.2011, 12:19
Unterschiedliche Euro-Bonds Modelle kurz beschrieben

Artikel auf Spiegel-Online:
Herr Barroso drängt, Frau Merkel ziert sich
Neue Euro-Bonds-Pläne

http://goo.gl/EAaDc

Walter Bimini
00
22.11.2011, 14:43
die eurobonds oder wie immer er sie sonst nennt, kann sich barolo zu weihnachten wünschen

Karl Krammer
51
22.11.2011, 11:41
mittlerweile ist Deutschland das letzte Land, das höhere Zinsen über Eurobonds bezahlen müsste

Frankreich liegt bei 10yr auch schon bei 3,5: http://www.bloomberg.com/apps/quot... GFRN10:IND
die Zinskosten für Eurobonds würden sich ungefähr auf der Höhe von denen der Niederlande bewegen: http://www.bloomberg.com/apps/quot... TH10YR:IND
Das ist etwas mehr als in den USA und spiegelt den Leitzinsabstand wider.
Österreich müsste schon längst Befürworter von Eurobonds sein, denn auch hier sind die Zinsen im letzten Monat sprunghaft gestiegen: http://www.bloomberg.com/apps/quot... GB10YR:IND und werden bald die Refinanzierung erheblich verteuern.

Rein aus eigenem Interesse sollten momentan mindestens 15:2 Länder der Eurozone für Eurobonds sein.

Walter Bimini
00
22.11.2011, 14:46
wenn mehrere jemanden anpumpen wollen, ist trotzdem nur der eine, der zahlen soll, ausschlaggebend.

franz der freie
 
08
22.11.2011, 11:18
gestatten, papier. (staats)klopapier

Der Große von Gegenüber
03
22.11.2011, 14:05
das gehört ja auch ins Doppelnull-Zimmer ...

WiKaBot
15
22.11.2011, 10:40
Wollen sie auch mal den Ballermann dazu sehen?

So richtig passend zum Titel des Artikels? Aber Vorsicht es ist eine grausame Wunder-Waffe, Kopfschuss bei Nutzung sehr wahrscheinlich … Funktionsbeschreibung, Berechnung nebst Bild von dem grausamen Teil enthalten …

http://qpress.de/2011/08/2... r-staaten/

Livingstone
00
22.11.2011, 14:23

Sinn der Eurobonds wäre ja genau dass das Gesamtrisiko minimiert wird daher ist die in Link angeführte Mischkalkulation lächerlich.

Walter Bimini
03
22.11.2011, 15:02
was wird minimiert?

griechenland und co können noch ein weilchen länger schulden machen ohne etwas zu ändern. das einzige was man damit erreicht, ist, daß der große knall ein wenig aufgeschoben dafür aber umso schlimmer wird.

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