Börsen atmen nach Absturz nur kurz durch

22. November 2011, 18:30
244 Postings

Nach den massiven Kursverlusten zum Wochenauftakt ging es nur vorübergehend aufwärts

Wien - Die Erholungsphase dauerte nur kurz an, nach den massiven Kursverlusten zum Wochenauftakt konnten sich die europäischen Aktienbörsen heute am Vormittag wieder etwas Luft schnappen. Am Nachmittag tendieren die Märkte sowohl in Frankfurt, als auch in Wien wieder leicht im Minus, und gingen auch einheitlich mit negatvien Vorzeichen aus dem Dienstags-Handel. Die New Yorker Aktienbörse hat die Sitzung ohne klare Richtung begonnen. "Die Euro-Zone ist und bleibt der Nukleus der Spekulation", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht auch wie bereits am Vortag das Scheitern der Sparkommission in den USA. Das Kreditrating der weltgrößten Volkswirtschaft dürfte aufgrund dessen zwar nicht unmittelbar gefährdet sein, allerdings erklärte die Ratingagentur Fitch, dass eine Änderung des Ausblicks auf negativ von bisher stabil möglich sei. Dagegen sprachen sich die anderen großen Ratingagenturen Standard and Poor's (S&P) und Moody's gegen eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA aus.

Zudem wird die Stimmung weiterhin durch die Entwicklungen in der Euro-Schuldenkrise überschattet. Marktteilnehmern zufolge sei die Sorge vor einer Abstufung Frankreichs durch Moody's nach wie vor präsent. Sollte dieser Fall eintreten, könnte auch die Bonität des Euro-Rettungsfonds EFSF auf dem Spiel stehen, hieß es aus Händlerkreisen. Konjunkturseitig stehen am Nachmittag Daten zum US-Wirtschaftswachstum im dritten Quartal an. Zudem wird am Abend das Protokoll der letzten Sitzung der US-Notenbank Fed veröffentlicht.

Absturz am Montag

Euro-Krise, Schuldenkrise und der Streit mit Deutschland über gemeinsame Eurobonds - vor diesem Hintergrund fanden Finanzmärkte und Aktienbörsen am Montag keinen Halt. Die wichtigsten Handelsplätze von Tokio bis New York tendierten tief in der Verlustzone, allen voran die Wiener Börse, die am Montag um mehr als vier Prozent abgestürzt war. Auch alle wichtigen Indizes an den US-Börsen hatten deutlich nachgegeben. Das sich zu Börseschluss schon abzeichnende Scheitern des "Super-Komitees" zum Abbau der horrenden US-Staatsverschuldung belaste den Markt, sagten Händler. Und auch aus anderen Teilen der Welt kämen keine beruhigenden Signale. Die Drohung Frankreich seine Spitzenbonität zu entziehen, Spanien und sein Regierungswechsel und Warnungen aus China, die Weltwirtschaft sei in einer schwierigen Phase, waren nicht geneigt für Beruhigung zu sorgen.

"Es gibt immer mehr Anzeichen, dass wir in eine weltweite Rezession abgleiten", sagte James Dailey von Team Financial Managers aus Pennsylvania. "Noch vor einer Woche hatten das die Märkte nicht erwartet." (red, derStandard.at, 22.11.2011)

Share if you care.