Porträt Mariano Rajoy

Ein Farbloser endlich am Ziel

21. November 2011, 14:29

Der neue spanische Premier ist keine schillernde Politikerpersönlichkeit - Aber auch mit Beharrlichkeit lassen sich Wahlen gewinnen

Es könnte sich auch um Parkettboden handeln. Hölzern, spröde und trocken. Diese Worte tauchen immer wieder auf, wenn es darum geht den künftigen spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zu beschreiben. Emotionen auszuleben fällt dem 56-jährigen Galizier schwer, ein nüchterner Technokrat soll der Jurist sein, dessen Aufgaben es sein wird für wirtschaftlichen Aufschwung im krisengebeutelten Land zu sorgen.

Die Wähler haben seine Partei, der konservativen Partido Popular (PP), mit einer satten Mehrheit ausgestattet: Auf 185 der insgesamt 350 Plätzen im spanische Parlament werden in den kommenden fünf Jahren Abgeordnete der PP sitzen. Ihr Chef wird Mariano Rajoy sein. 

Erfolg im dritten Anlauf

Er scheint an einem Punkt angekommen, auf den er seine gesamte politische Karriere hingearbeitet hat. Die Wahl am Sonntag war sein dritter Versuch, ins erste politische Amt des Staates gewählt zu werden. Bereits 2004 war er Spitzenkandidat der PP und alle Umfragen prophezeiten den Konservativen den Wahlsieg. Dann explodierten wenige Tage vor der Wahl Bomben in Madrid - 191 Menschen kamen ums Leben, 2.000 wurden verletzt. Die regierende PP machte trotz in Richtung der Al Kaida deutender Indizien öffentlich weiter die baskische Terrororganisation ETA für die Anschläge verantwortlich. Die Wähler fühlten sich belogen. Die Sozialisten gewannen die Wahl.

Sieben Jahre lang musste Rajoy, der seit einem Autounfall Bart trägt, um die Narben zu verbergen, die Oppositionsbank drücken. Besonders profilieren konnte er sich in dieser Rolle nicht: zu farblos, zu distanziert, zu langweilig. 

Vage Sparankündigungen

Diesen Sonntag war das den Wählern egal. Anscheinend trauen sie dem Mann mit der randlosen Brille eher zu, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Wie genau Rajoy das angehen will, blieb im Wahlkampf eher vage. Nur so viel: Er will sparen. Bis 2012 muss Spanien, um den EU-Vorgaben zu entsprechen, 20 Milliarden Euro weniger ausgeben. Erreichen will er das mit Bürokratieabbau, Privatisierung staatlicher Unternehmen und Kürzungen fast überall „außer bei den Renten". 

Gelernter Politiker

Rajoy kennt das politische Geschäft seit drei Jahrzehnten: 1981 trat er der Alianza Popular bei, aus der 1989 die Partido Popular hervorgeht. Der konservativen Ministerpräsidenten José María Aznar macht ihn nach seinem Wahlsieg 1996 zum Minister für Bildung und Kultur. Vier Jahre später organisiert Rajoy den Wahlkampf Aznars, der ihn zum Regierungssprecher und stellvertretenden Ministerpräsidenten ernennt. 2001 wird er Innenminister. In dieser Zeit musste er den Spaniern erklären, warum sie Truppen in den Irak schicken sollten oder nach dem Tankerunglück der Prestige Kritik abblocken, wonach die Regierung das Problem nicht ernst genug nehme. 2004 wollte er die Früchte seiner Arbeit ernten und Aznar im Amt des Ministerpräsidenten beerben. Stattdessen fand er sich auf der Oppositionsbank wieder. 

Real Madrid und Zigarren

In den vergangenen sieben Jahren kritisierte er die Entscheidung der Sozialisten mit der ETA zu verhandeln, sprach sich gegen die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe aus, war gegen eine Änderung des Autonomiestatuts für Katalonien und gegen die Legalisierung des Aufenthaltsstatus' illegaler Einwanderer.

Jetzt ist der Real Madrid Fan und begeisterte Zigarrenraucher an der Staatsspitze angekommen. Sein Verdienst ist das nicht. (mka, derStandard.at, 21.11.2011)

byron sully
00
21.11.2011, 15:56

farblose politikerInnen sind leider heutzutage überall "in".

MARTIN FREUKES
 
02
21.11.2011, 14:45
Besser Farb- u. Emotionslos als Gehirnlos und Sprücheklopfer

Was Spanien jetzt braucht ist genau dieser Typ von Politiker welcher sich auf das wesentliche konzentriert um all den Mist welcher sich angesammelt hat wegzuräumen.

Genau dieser Mist wurden in den letzten 7 Jahren von Gehirnlosen Sprücheklopfern angesammelt, da war es wichtiger eine einseitige Aufarbeitung der jüngeren Geschichte Spaniens darzustellen ( Republikaner = Gutmenschen, der Rest sind Faschisten ), die Gewerkschaften zu kaufen um einen Sozialen Frieden vorzutäuschen usw.....

All dieser Mist ist uns über die Köpfe gewachsen und die Spanier haben gut gewählt.

Jawohl, Mariano Rajoy ist am Ziel, durch Beharlichkeit und Durchhaltevermögen, genau 2 Tugenden welche Wir Heute brauchen.

Porqué no te callas?
00
22.11.2011, 02:34

Du hast so wenig Ahnung von Spanien, dass du es wahrscheinlich nicht mal auf der Landkarte findest.

The Green Fairy
00
21.11.2011, 15:22

Also verdient ist der Sieg sicher nicht.

Anstatt konkrete Verbesserungsvorschläge einzubringen, hat er sich während des gesamten Wahlkampfes auf der Tatsache ausgeruht, dass der Großteil der WählerInnen die Nase voll von der PSOE bzw. Zapatero hat.

Viele haben ihn nicht aus Überzeugung gewählt, sondern weil er ihnen als "das kleinere Übel" erscheint.

MARTIN FREUKES
 
11
21.11.2011, 15:51
Der Sieg nicht verdient ?

Nur zur Erinnerung:

Der Regierung Zapateros sind durch deren Unfähigkeit die Probleme über den Kopf gewachsen. Rajoy mahnte das der von der Regierung eingeschlagene Weg der falsche sei und hat die zutreffende Prognose gestellt. Die Antwort von ZAPATERO war: Rajoy und seine Anhänger sind Antpatrioten ( Congreso de Diputados ).

Klarstellung:
Die Oposition ist das Kontrollorgan im Parlament und hat absolut keine Verpflichtung falsche Entscheidungen einer Regierung zu unterstützen, nur weil es von deren Koalitionspartnern ( CiU, PNV ) keine genügende Unterstützung gibt.

Rajoy half Zapatero bei verschiedenen Änderungen in der Konstitution usw..

Durch sein Verantwotungsvolles Handeln als Oposition ist der Sieg sehrwohl verdient.

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