Lehrer: Familienbeihilfe bei Problemschülern einfrieren

21. November 2011, 12:40
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Gewerkschafter Kimberger: "Eltern haben Erziehungsverpflichtung" - Elternvertreter sind strikt gegen den Vorschlag

Wien - Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger von der VP-nahen Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) will mehr Durchgriffsrechte für Lehrer: Eltern von Problemschülern, die nicht mit der Schule kooperieren, soll die Familienbeihilfe eingefroren werden, forderte er  im ORF-Radio. Theodor Saverschel, Sprecher der Elternvereine an höheren Schulen, weist das allerdings strikt zurück: Schließlich fordere er auch nicht Gehaltskürzungen, wenn Lehrer nicht pünktlich die Stunden beginnen oder den Stoff nicht gut vermitteln.

Eltern verpflichten

"Die Eltern haben meiner Ansicht nach nicht eine Erziehungsberechtigung, sondern eine Erziehungsverpflichtung", begründet Kimberger seine Forderung danach, die Eltern härter an die Kandare zu nehmen. FP-Bildungssprecher Walter Rosenkranz zeigte in einer Aussendung Verständnis, es gehe dabei nicht um eine "veraltete 'Rohrstaberlpädagogik'", sondern um die Herstellung von Disziplin im Unterricht. "Auch Eltern können nicht aus dieser Erziehungspflicht entlassen werden, sondern es gehört zu ihren ureigensten Aufgaben, ihre Kinder zu erziehen", so Rosenkranz.

Elternvertreter orten Themenverfehlung

Saverschel ortet hingegen eine Themenverfehlung. Die Familienbeihilfe sei keine Belohnung, sondern Ausgleich für die vor 30 Jahren abgeschaffte Familienbesteuerung. Außerdem sei die Kooperation der Eltern nicht messbar, die Entscheidung, die Beihilfe einzufrieren wäre damit "sehr oft eine subjektive Geschichte". Es gebe zwar sicher Fälle, in denen Eltern sich zu wenig einbringen, so der Elternvertreter. Er wehrt sich allerdings gegen eine Generalisierung. Und: Wenn man bedenke, welche Unsummen Eltern für Nachhilfe ausgeben, sehe man, dass diese sich sehr wohl um den Schulerfolg der Kinder kümmern.

Grüne sehen System als Ursache

Grünen-Bildungssprecher Harald Walser meinte indes in Richtung Kimberger, wer nur Sanktionen fordere, habe die Ursachen disziplinärer Problemen nicht verstanden. Er sieht die Überforderung von Schülern im derzeitigen System als Ursache. "Für Lehrkräfte gibt es kein ausgereiftes Unterstützungssystem für die verstärkt anfallenden sozialen und psychologischen Probleme", beklagte er und forderte Unterstützungspersonal etwa aus den Bereichen Sozialarbeit oder Psychologie.

Mehr Unterstützungspotenzial

Auch der Vertreter der Elternvereine an Pflichtschulen, Christian Morawek, ist gegen die Forderung von Pflichtschullehrervertreter Kimberger. Lehrer bräuchten nicht mehr Durchgriffsrechte gegenüber undisziplinierten Schülern, sondern müssten in ihrer Ausbildung auf den geänderten Umgang von Kindern besser vorbereitet werden, so Morawek. Außerdem seien die Elternvertreter wiederholt für mehr Unterstützungspersonal für Lehrer, etwa Schulpsychologen oder Sozialarbeiter, eingetreten.

"Jenseits von Gut und Böse" ist indes für Morawek die Idee der Lehrergewerkschaft, unkooperativen Eltern von Problemschülern die Familienbeihilfe einzufrieren. "Diese Forderung nehme ich nicht ernst", sagte er . Immerhin sei diese staatliche Leistung nicht als Belohnung gedacht, sondern zur Abdeckung der Grundbedürfnisse von Kindern. "Das wird sicher nicht umgesetzt."

Auf mehr Zustimmung zumindest vonseiten der Eltern trifft Kimberger mit seinem Wunsch nach Strafen für Schüler, die etwas verunreinigen oder zerstören. "Wer nachweislich etwas kaputt gemacht hat, muss zur Verantwortung gezogen werden", betont auch Saverschel. Sollte der Täter nicht ausgeforscht werden können, kann er sich vorstellen, dass die ganze Klasse im Sinne einer "kollektiven Bewusstseinsbildung" die Schäden behebt. 

(APA)

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