Internationaler Vergleich

Salzburgs Polizei dementiert geringe Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen

21. November 2011, 12:48
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    foto: apa/martin hirsch

    Während in einzelnen deutschen Städten bis zu 60 Prozent der Fahrraddiebstähle aufgeklärt werden, liegt das Maximum in Österreich bei 9,3 Prozent.

Nur ein Prozent wird wieder gefunden - Laut Studie eines deutschen Verbraucherportals

Wien - Von 127 untersuchten Städten in der Schweiz, Österreich und Deutschland soll die Aufklärungsquote in Sachen Fahrraddiebstählen in der Stadt Salzburg die geringste sein, so eine "Kriminalitätserhebung" des deutschen Verbraucherportals geld.de, deren Ergebnis am Montag präsentiert wurde. In Österreich wurden bei der Studie Innsbruck, Salzburg, Linz, Graz und Wien berücksichtigt.

Laut den Daten werden in der Stadt Salzburg nur ein Prozent der Fälle von gestohlenen Drahteseln aufgeklärt. Aber auch Innsbruck liegt mit nur 1,1 Prozent Aufklärungsquote nur unmerklich besser. In Linz lag die Aufklärungsquote im Untersuchungszeitraum 2010 bei 3,6 Prozent, in Graz bei 4,6 Prozent und in Wien bei 9,3 Prozent. In Deutschland schwankte die Quote zwischen zwei und 60 Prozent, in der "Velo"-Hochburg Schweiz zwischen 1,2 und 8,7 Prozent.

Salzburger Polizei dementiert

"Die Zahlen stimmen nicht, da muss ein Fehler passiert sein", sagte Polizeisprecher Michael Rausch Tatsächlich habe die Quote 2009 genau 3,7 Prozent betragen, im Jahr darauf 3,6 Prozent, und heuer liege man nach drei Quartalen bei 3,2 Prozent. "Das ist auch nicht berauschend, liegt aber auch daran, dass die Menschen bei der Sicherung sehr nachlässig sind."

Die Zahl der angezeigten Fahrraddiebstähle sei in der Mozartstadt von 1.397 (2009) auf 1.044 (2010) zurück gegangen, so Rausch. Auch österreichweit habe es im selben Zeitraum einen Rückgang von 25.202 auf 20.929 gegeben. Daher sei es wenig überraschend, dass auch die Aufklärungsquote rückläufig sei, erklärte der Salzburger Polizeisprecher.

Relativ mehr Diebstähle als in Deutschland, weniger als in Schweiz

Laut der Verbraucher-Studie liegt Salzburg aber auch bei den Fahrraddiebstählen je 100.000 Einwohner mit 707 entwendeten Rädern an erster Stelle. In Innsbruck wurden 683, in Graz 557, in Linz 481 und in Wien 379 Fahrräder pro 100.000 Einwohner gestohlen. Als Gesamtschnitt ergibt sich für Österreich ein Wert von 561, in der Schweiz von 920 und in Deutschland von 493 je 100.000 Bewohner.

Nach absoluten Zahlen wurden von den fünf getesteten österreichischen Städten die meisten Räder in Wien gestohlen (6502), gefolgt von Graz (1433), Salzburg (1044), Innsbruck (814) und Linz (910).

Millionenstädte nicht gefährlicher

Grundsätzlich ergab die Studie, dass nicht die Millionenstädte im deutschsprachigen Raum die Hochburgen beim Fahrraddiebstahl sind, sondern mittelgroße Städte wie Münster, Bern, Oldenburg oder Basel. In den 127 untersuchten Städten wurden im Jahr 2010 170.899 Fahrräder gestohlen. Ein Drittel der Städte sei für Fahrradbesitzer "unsicher", hieß es.

Bei der Untersuchung wurden Zahlen aus LKA- und BKA-Statistiken, dem österreichischen Bundesinnenministerium und den Kantons- und Stadtpolizeibehörden der Schweiz aus 2009 und 2010 herangezogen. (APA)

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24 Postings
fif
00
23.1.2012, 16:54
Begründet in der schlechten Sicherung...

In einer zivilisierten Gesellschaft sollte es, meiner bescheidenen Meinung nach, nicht nötig sein Eigentum zu sichern.
Aufgewachsen in einer kleinen Stadt am Land haben wir früher, auch wenn keiner zu Hause war, nicht einmal das Haus abgesperrt.
Mein Auto stand nicht abgeschlossen evtl. mit eingestecktem Schlüssel im frei zugänglichen Hof. Mit oder ohne Wertsachen drinnen, egal: Es ist nie etwas passiert!
Denn: Was geht mich das Eigentum anderer an? Nichts!
Man ging ins Haus und hat mal gerufen anstatt zu läuten. Wenn keiner da war ist man eben wieder gegangen...
Aber dies alles änderte sich leider mit meinem Umzug nach Wien!

<°)))))><
00
22.11.2011, 13:55
"liegt aber auch daran, dass die Menschen bei der Sicherung sehr nachlässig sind"

- zum Lachen diese Argumentation...
Die Wahrheit ist, dass mehrfaches Absperren nicht hilft. Am Salzburger Bahnhof haben Diebe gleich einen ganzen Fahrradständer samt zwölf Rädern per Lastwagen abtransportiert. Wahr ist, dass die Polizei längst kapituliert hat vor diesen Misständen und sich in uneinsehbaren von innen versperrten Wachstuben versteckt, als ob sie sich fürchtet vor den Verbrechern statt umgekehrt. Einen absolut glaubwürdigen und witzigen Fall, wie die Polizei sogar einen, der den Dieb in flagranti erwischt hat - achselzuckend wegschickt, und dem Dieb zuschaut, wie er entkommt, findet man in der mittlerweile in einer Buchveröffentlichung bekannt gwordenen Geschichte "Das doppelt gestohlene Fahrrad".

Rodrigo Martínez
01
21.11.2011, 18:49
Diebstähle / 100K Einwohner

das ist natürlich grober unfug.
da müsste der Fahrradanteil zugrunde gelegt werden,
der in diesen städen höchst unterschiedlich ist.

also kein wunder dass münster auf platz eins liegt.
(gleiches gilt für salzburg, dort wird 4-5x soviel rad gefahren wie in wien.)

monoton
02
21.11.2011, 18:34

ach siehe an, die polizei argumentiert ihre geringe aufklärungsrate mir der schlechten sicherung der räder.
na bei solcher logik wundert mich die aufklärungsrate auch nicht mehr

°<°~~
01
22.11.2011, 10:47

Und um die verquere Denkstruktur noch deutlicher offenzulegen, wird dann noch die SINKENDE Aufklärungsquote durch die SINKENDE Zahl der Fahrraddiebstähle erklärt. Anderswo würde man meinen, dass man sich um die wenigen Fälle besser kümmern kann als um die vielen, und eine steigende Aufklärungsquote erwarten.
Die Salzburger Polizisten verausgaben sich wohl schon mit der Bewachung der Maybachs während der Festspiele voll und müssen dann das restliche Jahr rasten.

thinkonyourfeet
11
21.11.2011, 18:29
Mein Fahrrad wurde gestohlen

und ich habe es nicht der Polizei gemeldet. Macht nur Mühe und bringt ohnehin nichts.
So wie ich machen es bestimmt viele. Also ist die Dunkelziffer wahrscheinlich VIEL höher...

besorgteMutti
00
22.11.2011, 14:12

... was ist das: 12 Polizeiautos vor der Sonderschule?

Antwort: Elternsprechtag

Auch dieser Aufklärungsquote-Sager dürfte keine Leuchte im Rechnen gewesen sein

smotron
01
21.11.2011, 18:09

"Auch österreichweit habe es im selben Zeitraum einen Rückgang von 25.202 auf 20.929 gegeben. Daher sei es wenig überraschend, dass auch die Aufklärungsquote rückläufig sei, erklärte der Salzburger Polizeisprecher."

Wie bitte?

Ziegen Käse
03
21.11.2011, 18:03
Nette Anekdote von zwei Freunden

Vorweg, einem davon wurde kurz vor dieser Geschichte sein Rad geklaut, daher auch übersensibel gewesen.

Die Zwei waren von der Uni auf dem Heimweg, als einer von ihnen an einem Sommernachmittag bemerkte, dass beim Radstand jemand ein Radl klauen will. Der eine geht hinüber um ihn zu stellen, der andere rief bereits die Polizei. Der vermeintliche Dieb kann entwischen und die beiden folgten ihm. Daraufhin läuft einer mit der Polizei am Handy hinterher, während der andere versucht den Weg abzuschneiden. Die Verfolgungsjagd begann bei der Linken Wienzeile, ging über die MaHü bis irgendwo Richtung Josefstädter Straße. Letztendlich stellten 3 Polizeiwägen mit Blaulicht und quietschenden Reifen einen Fahrraddieb mitten im 8. am helligten Tag. :)

michel maik
01
21.11.2011, 17:34
Statistik versus Dunkelziffer.

Warum kann man nicht bei größeren offiziellen Fahrradabstellplätzen eine Videokamera anbringen?
Allein ihr Vorhandensein und die theoretische Möglichkeit, dass sie funktionieren und aufzeichnen könnte, würde vielleicht manchen Täter abhalten.
Mein Fahrrad - mit dicker Kette abgesperrt - wurde auf einem größeren Abstellplatz am Ring geklaut.
Ganz schön frech, diese Ferkel.

Ich meine übrigens, dass die meisten Leute solche Bagatellsachen (ein Fahrraddiebstahl, ein paar ausgeschlagene Zähne, ein gewöhnlicher Wohnungseinbruch ...) schon längst nicht mehr melden.
Aus Rücksicht auf die überforderte Justiz. Und weil's eh nix nützt. Reine Zeitverschwendung. Und Mikl-Leitner ist stolz auf die tolle Statistik und lässt sich feiern.

The_new_number_2
00
24.11.2011, 01:15

Unsinn. Es werden mehr Einbrüche gemeldet, als tatsächlich stattgefunden haben. Man Versicherungsbetrug.

Richard Ebner
00
21.11.2011, 17:33
Gibt es auch eine Statistik darüber, wieviele ...

... umgefallene Fahrräder wieder aufgestellt werden, heruntergebrochen nach Ländern?
Mich würde besonders China interessieren.

Cerberus303
03
21.11.2011, 17:22
hehe...

also mir wurde mein Rad mal im dritten Bezirk geklaut, abgesperrt aus dem Stiegenhaus... 2 Monate später hatte ich einen Anruf der Kripo, sie glauben, sie aben mein Rad, ich solls anschauen kommen und tatsächlich - es war mein Rad. Lustig war allerdings, wie sie es gefunden haben... Zwei Häuser weiter hatten sie eine Hausdurchsuchung bei einem Jugendlichen wegen Diebstahls von Videorekordern und so... Der hatte auch ein Rad - der Depp hat allerdings das durchgesägte Fahrradschloß in der Wohnung liegen :-) Danach saß er (wieder zwei Häuser weiter) in der Jugendhaftanstalt...

SMaRT Himself
00
21.11.2011, 16:35
Das ist auch nicht berauschend, liegt aber auch daran, dass die Menschen bei der Sicherung sehr nachlässig sind

Wenn jemand ein Fahrrad stehlen will, nutzt a Sicherung meinst auch nix. Mir selbst wurden auch schon 2 abgesperrte Radl geklaut.

Wenn die Aufklärungsquote nur bei 1-3 Prozent liegt, dann ist das wohl auf die Unfähigkeit der Polizei. Die Anzeige auf Annonym nach Fahrraddiebstahl ist sowieso für die Katz. Verschwindet in irgendeiner Schublade.
Wennst dein Fahhrad in Salzburg wieder finden willst, würd ich in da Salzach nachschauen, wenn der Wasserstand gering ist! ;o)

Para Dox
10
21.11.2011, 16:19
Interessant

Der Polizeisprecher von Salzburg ist also der Meinung, dass die Aufklärungsquote von der absoluten Zahl der Delikte abhängt?

Ich nehme an, dass die Aufklärungsquote mit "geklärte Delikte / begangene Delikte * 100" berechnet wird. Dürfte(!) ein ziemlicher Fauxpas des Polizeisprechers sein.

Aandreas
04
21.11.2011, 16:10
WTF?

"Das ist auch nicht berauschend, liegt aber auch daran, dass die Menschen bei der Sicherung sehr nachlässig sind."

1. schuld am fahrraddiebstahl ist nicht der, der ein schlechtes fahrradschloss hat, sondern der, der das rad stiehlt. klassische opfer-täter umkehr.

2. mit der aufklärungsquote hat das erst recht nichts zu tun. wenn das fahrrad nicht gestohlen wird, kann nämlich die polizei auch keinen diebstahl aufklären.

Reversi
 
00
21.11.2011, 15:59
Salzburgs Polizei demontiert Fahrräder

...hab ich da doch glatt gelesen!

pole sana ("|")
01
21.11.2011, 14:50

Diebstaehle pro einwohner macht ja wohl gar kein sinn.

besser diebstaehle pro rad oder pro radfahrer.

Para Dox
00
21.11.2011, 16:21

Stimmt, aber dazu gibt es vermutlich keine handfesten Zahlen.

Matjis
02
21.11.2011, 13:44
in Salzburg werden keine Räder gestohlen,

sonder gegenseitig hergeliehen.

Geoffrey of Monmouth
00
21.11.2011, 13:09

Liegt wohl auch daran, dass sich die Polizei nicht wirklich für Fahrraddiebstähle interessiert.

Wird einem der Autolack zerkratzz, kommen's mit Blaulicht angerauscht, um den üblen Verbrecher schnellstmöglich zu stellen, ist ja ein enormer Sachschaden.

Wird einem sein Fahrrad demoliert oder gestohlen, jo mei, war ja nur ein Fahrrad, auch wenn das Ding mehrere 1000 Euro gekostet hat.

Para Dox
00
21.11.2011, 16:13

Die Polizei macht weder im einen noch im anderen Fall etwas wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

IncontinentIceweasel
16
21.11.2011, 14:20
Unsinn.

Ob Auto oder Fahrrad ist egal: Schaden an Privateigentum ist den Uniformierten einfach grundsätzlich wurscht.

Der mit dem Wanz tolft
20
21.11.2011, 13:45
Ich möcht ja nicht wissen...

...was hier stehen würde, wenn die Polizei Rad-Diebe stellt und den Weg ihrer Beute aufdeckt.

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