Bauschadensforscher Balak

"Wer billig anbietet, muss schneller arbeiten"

Interview | Martin Putschögl, 22. November 2011, 06:15
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    foto: rainer sturm / pixelio.de

    Materialfehler kommen äußerst selten vor, meistens ist schlechte Verarbeitung Schuld an Baumängeln, sagt Bauschadensforscher Michael Balak.

    (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Bauschäden machen jährlich 180 Millionen Euro aus, sagt Experte Michael Balak - Zeit- und Preisdruck führen zu schlechter Verarbeitung

Michael Balak vom ofi-Institut für Bauschadensforschung fordert eine bessere Ausbildung der heimischen Bauarbeiter, insbesondere im Abdichtungsbereich, und spricht von einem "wahnsinnigen" Preis- und Zeitdruck im Hochbau. Die Fragen stellte Martin Putschögl.

***

derStandard.at: Auf 180 Millionen Euro belaufen sich alljährlich die Bauschäden in Österreich, und zwar nur am Hochbausektor. Wird das über die letzten Jahre betrachtet tendenziell mehr oder weniger?

Michael Balak: Das kann man schwer sagen. Aber gefühlsmäßig und aufgrund unserer Bauschadensgutachten, die wir laufend machen, würde ich sagen: Es bleibt zumindest gleich. Ich glaube nicht, dass sich da viel ändert.

derStandard.at: Woran liegen die hohen Kosten? Werden die Anforderungen an die Bauarbeiter immer mehr?

Balak: Erstens liegt das vor allem am Preisdruck. Es unterbieten sich immer mehr und mehr Anbieter, das ist schon jenseits der realen Preise. Das ist das Faktum, das beobachten wir immer wieder in der Praxis. Wenn einer billig anbietet, muss er natürlich schneller arbeiten. Das andere ist: Rund 50 Prozent dieser Summe betreffen die Abdichtungen, und zwar je zur Hälfte im erdberührten Bereich (Anm.: Keller) und im Dachbereich. Hauptsächlich führt die Abdichtungsproblematik zu Folgeschäden. Es liegt also hauptsächlich an Verarbeitungsmängeln, Materialfehler sind eigentlich ganz selten.

derStandard.at: Ihr Institut bietet laufend Schulungsveranstaltungen an, wie etwa den "10. Österreichischen Altbautag" in Salzburg. Da sind wohl auch zahlreiche Professionisten vertreten. Trotzdem ändert sich nichts an den schlechten Bauausführungen. Was müsste passieren?

Balak: Das Problem steht und fällt mit den Ausführenden. Natürlich ist auch zum Teil die örtliche Bauaufsicht schuld, die oft einfach nicht anwesend ist. Es wird ja überall gespart, das ist das Problem. Das Unterbieten der Planer und der örtlichen Bauaufsicht - das ist ein Wahnsinn. Früher hat's eine Gebührenordnung gegeben, die gibt es heute nicht mehr. Und die ist damals schon unterboten worden. Da hat man heute keine Zeit mehr, dass man auf die Ausführung wirklich genau schaut.

derStandard.at: Wer bleibt auf den Kosten sitzen?

Balak: In erster Linie die Baufirmen. Und natürlich oft auch die Planer, denn die 180 Millionen Euro jährlich betreffen ja nur die Gewährleistung. Versteckte Mängel treten dann erst später auf. Wenn die örtliche Bauaufsicht nicht vorhanden war, dann kommt die natürlich auch zum Handkuss.

derStandard.at: Wieviel Prozent der Schäden sind versichert?

Balak: Das kann ich nicht sagen, weil die Schäden als solches ja nicht versicherbar sind. Versichert sind nur die Folgeschäden, wenn also irgendwo Wasser eintritt und dadurch eine Wohnungseinrichtung zerstört wird. Das ist dann versichert. Aber nicht der Baumangel als solches, dafür müssen die Firmen selbst aufkommen.

derStandard.at: Was müsste passieren, um die Bauschäden einzudämmen?

Balak: Eine fundierte Ausbildung insbesondere im Abdichtungsbereich. Dieser ist heute ein freies Gewerbe. Wenn man heute also Koch oder Frisör ist, kann man schon morgen Abdichter werden. Das ist ein Problem. Es ist zwar immer wieder diskutiert worden, das Abdichtungsgewerbe zu einem konzessionierten Gewerbe zu machen, aber das ist bis dato nicht passiert.

derStandard.at: Ist derzeit auch nichts angedacht in dieser Richtung?

Balak: Angedacht schon. Aber bis das umgesetzt wird, wird es noch viele Feuchtigkeitsschäden geben.

derStandard.at: Ein gutes Stichwort: Die Stadt Wien hat kürzlich einen Online-Fragebogen erstellt, mit dem die Leute ihr "Schimmel-Risikopotenzial" eruieren können. Halten Sie so etwas für sinnvoll?

Balak: Ich kenne das jetzt nicht im Detail. Beim Schimmel ist das natürlich so eine Sache: Je dichter die Bauwerke werden, desto problematischer wird's. Denn wenn jemand berufstätig ist, kann man ja nicht verlangen, dass alle paar Stunden stoßgelüftet wird. Oft geht es halt nicht anders. Insbesondere im Winter kommt es natürlich auch darauf an, wie man lebt. Wenn in einer 40-Quadratmeter-Wohnung sieben Leute wohnen und dort auch noch Wäsche gewaschen wird, dann hat man eben eine andere Luftfeuchtigkeitsbelastung als anderswo.
Es ist auch etwas anderes, wenn sie einen Altbau mit alten Kastenfenstern und einem zweimaligen Luftwechsel pro Stunde haben, oder einen Neubau mit einem Luftwechsel pro Tag. Der Trend geht immer mehr in Richtung Energieminimierung, immer weniger Heizwärmebedarf, was ja grundsätzlich gut ist. Auf der anderen Seite ist die Luftdichtheit ein Problem.

derStandard.at: Wie ist das im Passivhaus, das ja zwingend eine Lüftungsanlage braucht?

Balak: Bei einem Passivhaus muss man dann eben aufpassen, dass die Lüftungsanlage regelmäßig und ordentlich gereinigt wird. Da drin kann sich auch Schimmel festsetzen, das muss dauernd gewartet und überprüft werden. (derStandard.at, 22.11.2011)

MICHAEL BALAK ist Leiter des Instituts für Bauschadensforschung (IBF) im Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik (ofi).

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Posting 1 bis 25 von 106
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Nirvanacharly
 
00
24.11.2011, 08:28
jetzt habe ich mir den gegoolgelt,

das ist doch tatsächlich der buben(ar)schwarm von gestern

Nirvanacharly
 
01
24.11.2011, 08:30
man soll nicht von einer

i-zeitung zur nächsten hüpfen, und dann auf der falschen posten zum falschen artikel posten, na ja, selerie wie die franzosen sagen

V995
00
23.11.2011, 09:20
oder sich halt bilige arbeitskräfte beschaffen

Blick Winkel
00
23.11.2011, 13:41

Was ist billiger als billig?

"bilige"

No Na
05
22.11.2011, 21:05
preisdruck, dass ich nicht lache

ich glaube, der hat noch nie ein haus gebaut
eigene erfahrung: sauteuer der ganze spass und dafür eine derart miese qualität, dass man sich immer nur völlig verwundert die augen reibt, das betrifft fast alle firmen, die an einer baustelle so tätig sind;
bis dato auch keinen anderen wirtschaftsbereich kennen gelernt, der derartig von halb- und ganzgaunern durchdrungen ist wie die baubranche

Renate Atzinger1
 
04
23.11.2011, 11:49
den oben beschriebenen Sachverhalt

hat man vor allem bei Groß- und Industriebauten.
Da gibts wirklich einen Preiskampf

bei Klein- und Kleinstbaustellen (Einfamilienhäuser) wird dafür draufgehaut was nur geht - da geb ich ihnen recht.

Blick Winkel
00
23.11.2011, 09:20
100% Zustimmung!

somussesnichtsein
00
22.11.2011, 17:44
der pfusch am bau ist allgegenwärtig

vor allem bei den vielen teuer angebotenen dachausbauten wird so mancher käufer noch seine blau-feuchten wunder erleben!

die qualität der ausführungen ist zum zeitpunkt wo diese wohnungen besichtigt werden können nicht mehr kontrollierbar.

einzige möglichkeit:
vor der errichtung mit entsprechendem vertrag kaufen und einen eigenen Bausachverständigen (der dann auch haftet) mit der kontrolle der ausführung beauftragen.
kostet ein vermögen, ist aber wahrscheinlich billiger wie alles andere.

Bürgerüberwachungs- und Totengräberindustrie
20
22.11.2011, 17:13
Noch so ein Lüftungsrohr ("Komfortlüftung") von innen:

http://www.google.at/imgres?q=... 9,r:0,s:42

(Mahlzeit!)

Raubmordkopierer
13
22.11.2011, 19:21
Ja und?

So ein Lüftungsrohr verstaubt recht schnell, das weiß eigentlich jeder. Aber das ist nur der normale Dreck in der Luft, der sich eben im Rohr absetzt, den haben sie überall sonst auch, nur eben nicht so sichtbar. Bei der Zuluft haben sie deshalb auch in der Regel einen Filter, dann ist ihre Raumluft sogar sauberer als bei der Fensterlüftung.

Stuff
02
23.11.2011, 01:03
Nein, _den_ Dreck hat man zwar im Haus aber nicht in der Luft

denn der setzt sich am Lurch fest. Filtert man aber grobe Stäube, bleibt Feinstaub und allerlei sonstige Nettigkeiten übrig und wird über das Entlüftungssystem auch fein verteilt.
Das beste Lüftungssystem in unseren Breiten ist dieses Rohr, mit dem Ofen unten dran…

Bürgerüberwachungs- und Totengräberindustrie
10
22.11.2011, 17:08
Apropos Schimmel. So schaut ein Lüftungsrohr einer "Komfortlüftung" (kontrollierten Wohnraumlüftung)nach ein paar Jahren von innen aus:

http://www.google.at/imgres?q=... x=54&ty=86

Nr.3645
00
9.12.2011, 11:34

ein grund mehr vernünftige rohrleitungssysteme zu verwenden und nicht diese kunststoffschläuchlein.
interessant wäre auch ob es im gebäude schimmelprobleme gibt (ich gehe davon aus), wie alt die anlage ist, ob sie überhaupt filter hat und wie hoch die strömungsgeschwindigkeit in den rohren ist.

warp.faktor
02
22.11.2011, 14:20
Sie Segnungen des Wettbewerbs!

Die Bauarbeiter bekommen Löhne von denen sie nicht leben können. (oft nichtmal das)

Die Bauherren bekommen günstige Preise, riesige Probleme und Zeitaufwand, astronomische Sanierungskosten und saftige Rechnungen für "Rechtsberatung".

Gesamt gesehen ein Erfolg: gleiche Arbeit, vielfache Kosten, viele Verlierer

verleih nix
00
23.11.2011, 12:08

wa schlagen sie stattdessen vor? preisfestsetzung durch den staat mittels 5jahresplan?

warp.faktor
01
23.11.2011, 13:46
Aus der Geschichte haben wir gelernt ...

... dass 5 Jahres-Pläne zu sehr ineffizienten Systemen führen können, aber auch, dass der deregulierte Wettbewerb zum Faustrecht und Massenvernichtung führt.

Ich denke, dass es in einer entwickelten Demokratie möglich sein muss, allen Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen.

verleih nix
01
23.11.2011, 15:30

mit der lösung für diese frage wären sie ein topkandidat für den nobelpreis.

warp.faktor
06
22.11.2011, 14:11
Das war die offizielle Version!

Inoffiziell treten Baumängel meist erst auf, wenn die ausführende Firma bzw. Subfirma schon längst unter einem anderen Namen arbeitet. Die EigentümerInnen bleiben dann zu 100% auf den Schäden und Sanierungskosten sitzen.

Tom_Bombadil
00
22.11.2011, 13:54
Die Summe erscheint reichlich wenig. Sogar nur für das, was so allgemein immer bekannt wird

Die Dunkelziffer hat mit höchster Wahrscheinlichkeit Eisbergverhältnisse.

Wie viele Bausünden können gar nicht in die Statistik aufgenommen werden weil sie entweder viel zu spät oder von unwissenden Auftraggebern gar nicht bemerkt werden?

Und wie viele Altbauten werden eingerissen weil eingeredet wird, ein Neubau (Ablaufdatum ca 1 Generation, bereits eingebaut) sei billiger?

Und wie viele Prozent von den öffentlichen Geldern wird bei jedem Neubau des Staates unbemerkt / vertuscht verschleudert? 30%?

Und: Nachhaltiges Bauen gibt es nicht mehr zu kaufen. Überall ist ein Ablaufdatum bereits eingebaut: siehe verwendete Baustoffe/Materialien/Kabel/Rohre/Strukturteile etc. etc.?

luke skywalker
21
22.11.2011, 12:40
Da lob ich mir halt den Pfuscher

bei ist es "Ehrensache" gute Qualität zu liefern, und das zum unschlagbaren Preis.

Und wenn sich der nicht sicher ist, kennt der wen, der wen kennt .... man kann reden über Varianten, vor/nachteile einer Lösung .....

Die Baufirmen fackeln da nicht lange - die machen ohne zu diskutieren eben irgendwas. Weil nachdenken kostet Geld.

warp.faktor
02
22.11.2011, 14:13
Ich stimme Ihnen selten zu ...

.. aber diesmal umso klarer!

Die Verbindlichkeit der Nachbarschaftshilfe ist mit keine Garantie der Welt auszugleichen.

natoll
23
22.11.2011, 13:47

ja, weil der werte pfuscher praktischerweise bei der bösen firma versichert ist, keine steuern zahlt, das halbe material ohnehin aus der firma karrt und nochmals praktischweise auch gleich die firmenmaschinen verwendet (die dort gekauft und gewartet werden).

und fliegt er dann vom gerüst ist das gejammer bezgl. versicherung auf einmal ein großes ....

und nochwas geb ich dir mit auf den weg: es ist erstaunlich wie manche pfuscher die unter der woche den verstand einer amöbe aufbringen beim pfusch auf einmal mitdenken können ....

Blick Winkel
01
23.11.2011, 11:53

Das ganze System ist mittlerweile untragbar.

Sie müssen 1 Monat arbeiten (bei netto 2.000 Euro), damit sich sich 4 Tage einen Maurer (50 €/Stunde bei 10 Stunden/Tag) leisten können.

Natürlich eine Milchmädchen Rechnung, weil das Material noch dazukommt und die Fixkosten vom Nettogehalt abgezogen werden müssen.

Real bedeutet das, dass man 1 Monat für 2 Maurertage arbeiten muss. Und das ist ein kranker Wert.

Kein Wunder, wenn der Pfusch so gut geht!

keywords
00
22.11.2011, 13:28

und wenns halt echt ein pfusch war, hat man erst noch die kosten für die richtigen spezialisten und alles war umsonst.

José Atento
01
22.11.2011, 12:28
Der dichte Bau ist Wahnsinn pur!

Die Isolierungen machen die Abdichtung (Dampfbremsen) von innen immer wichtiger.
Hier gibt es fast in jedem neuen Gebäude Bausünden, die später teuer saniert werden müssen.

Schimmel wird in Zukunft ein großes Problem sein, weil nicht genügend gelüftet werden kann.

Wer heute baut, dem bleibt nicht erspart die Qualitätssicherung striktest durchzuführen oder durchführen zu lassen, falls er selbst nichts davon versteht. Aber auch hier wird leider immer mehr gespart.
Am Schulss bleiben die Rechtsanwälte übrig, die nochmals viel Geld kosten.

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