Emissionen sparen - nicht nur beim Fahren

21. November 2011, 16:56
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Autohersteller arbeiten an der Sparsamkeit der Motoren. Viele gehen aber schon weiter in Richtung Nachhaltigkeit. Einige Projekte stellen wir vor

Gerade in Europa kann es sich kein Autohersteller leisten, nicht irgendwo im Vordergrund das Wort Umweltschutz in seinem Programm zu führen. Die Richtlinien der EU werden immer strenger, sowohl was den Verbrauch der Fahrzeuge angeht, die Kohlendioxid-Emissionen wie auch die Wiederverwertbarkeit der Fahrzeuge.

Von Alfa Romeo bis zu VW bieten die Hersteller eine Stopp-Start-Automatik an, um den Verbrauch im Stopp-&-Go-Verkehr – aber auch im Normzyklus – zu senken. Neue Partikelfilter reduzieren den Schadstoffausstoß, mit Downsizing und Scavenging holen die Techniker mehr Leistung aus weniger Hubraum. Mazda geht mit der Änderung der Verdichtung bei Benzin- und Diesel-Motoren auf 1:14 einen ganz eigenen Weg. Schmälere Reifen mit weniger Rollwiderstand sind ein weiteres Zeichen der Fahrzeuge mit dem Eco-Logo. Gleichzeitig freut sich Fiat bereits zum vierten Mal in Folge, die Marke mit den niedrigsten Kohlendioxid-Emissionen für alle im Jahr 2011 verkauften Fahrzeuge in Europa zu sein. Kein Wunder, denn kleine Zweizylinder-Motoren sind eben sparsamer als großvolumige Sechs- und Acht-Zylinder-Bänke – solange nicht ausgiebige Autobahnetappen in Deutschland zum Hauptverkehrsweg des Autos gehören.

Elektro-Antriebe verlangen neue Konzepte

Neben Hybrid-Antrieben setzen Renault, Nissan, Ford, Mercedes, Opel, Mitsubishi, Peugeot, Citroen, BMW und Jaguar auf Elektromobilität und haben bereits Fahrzeuge im Programm oder bringen diese demnächst auf den Markt. Neben dem emissionsfreien Fahren setzen sich diese Unternehmen auch für die Nutzung regenerativer Energiequellen für die Fahrzeugaufladung ein und erarbeiten Mobilitätskonzepte für eine sauberere Zukunft.

Doch beim Thema Umweltschutz werden Autohersteller noch findiger und beschränken ihren Innovationsgeist nicht nur auf den Antrieb.

foto: vw

Bevor VW im Dezember 2001 in Dresden die "Gläserne Manufaktur" eröffnete, flossen Umweltaspekte in die Planung ein, die dann auch umgesetzt wurden. „350 Bäume wurden unter Aufwendung von mehr als 56.000 Euro gepflanzt; spezielle Natriumdampflampen im Außenbereich arbeiten in einem gelben Spektralbereich, der die Insekten aus dem nahen Botanischen Garten nicht stört.

foto: vw

Die Tiefe des Gebäudekomplexes wurde so ausgelegt, dass der Grundwasserhaushalt im Gleichgewicht bleibt; die versiegelte Fläche verringerte sich im Vergleich zum vorherigen Bebauungszustand des Geländes von 6,7 auf 4,8 Hektar; da sämtliche Teile, bis auf die Karosserien, per Güterstraßenbahn transportiert werden, hat der Lkw-Verkehr im Innenstadtbereich nicht nennenswert zugenommen", heißt es dazu aus dem VW-Konzern.

Leichtmetalle im Fokus von BMW

2010 stellte BMW seine Leichtmetallgießerei im BMW Werk Landshut um. „Wir betreiben damit weltweit die erste emissionsfreie Gießerei mit formgebenden Sandkernen", sagt Dr. Wolfgang Blümlhuber, Leiter der BMW Leichtmetallgießerei, welche die Fertigung von Sandkernen in der Kokillengießerei umstellt: „Statt herkömmlicher, organischer Bindemittel kommen künftig besonders umweltschonende, anorganische Bindemittel zum Einsatz. Diese geben nahezu keine umweltbelastenden Emissionen mehr ab. Mit dem Fertigungsverfahren erzielt die Leichtmetallgießerei eine Reduktion der Emissionen aus Verbrennungsrückständen um 98 Prozent." Die bislang zur Reinigung der Abluft notwendigen Anlagen konnten vollständig abgeschalten werden.

Honda wiederum betreibt in Deutschland ein Netz von Sammelstellen, in denen Stoßstangen angenommen, zerkleinert, gereinigt und zu Pellets verarbeitet werden. Diese Pellets werden dann wieder zur Verkleidung des neuen Civic, leben in CR-V-Modellen weiter oder werden zum Kernmaterial neuer Stoßstangen weiterverarbeitet. Derzeit arbeitet Honda daran, das Programm auf Kotflügel, Batteriekästen und den Spritzwasserschutz auszuweiten.

Mercedes erhält Umweltzertifikat des TÜV Süd für hohe Umweltverträglichkeit

Mit den Radlaufverkleidungen, Kabelkanälen oder der Verkleidung des Unterbodens sind bereits 37 Bauteile der neuen Mercedes M-Klasse für den Einsatz von hochwertigen Rezyklaten freigegeben. "Die Radlaufverkleidungen bestehen zum Beispiel aus aufgearbeiteten Fahrzeugkomponenten wie Gehäuse von Starterbatterien, Stoßfänger-Verkleidungen oder Produktionsabfällen aus der Cockpit-Fertigung", sagt Mercedes-Benz. "Insgesamt stieg das Gewicht dieser Recyclingteile im Vergleich zum Vorgänger um 29 Prozent. Auch dieses Konzept trägt dazu bei, dass die M-Klasse bereits heute die ab 2015 europaweit vorgeschriebene Verwertungs-Quote von 95 Prozent erfüllen kann.

Nachwachsende Rohstoffe finden sich in 15 Bauteilen der M-Klasse. Das Gesamtgewicht der unter Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen hergestellten Komponenten beträgt 13,1 Kilogramm und hat sich gegenüber dem Vorgängermodell um 153 Prozent erhöht." Nachwachsende Rohstoffe werden vor allem im Innenraum verbaut, aber auch der Aktivkohlefilter, der die Kohlenwasserstoff-Emissionen aus dem Tank absorbiert, besteht aus Oliven-Koks. Gleichzeitig kommt der über zwei Tonnen schwere Offroader ML 250 mit BlueTEC-Technologie und 4Matic laut Normverbrauch mit 6,0 Liter Diesel 100 Kilometer weit. Was könnte Mercedes-Benz mit dem gleichen Einsatz wohl bei einem kleinen Stadtflitzer ausrichten?

  • Leichtmetallgießerei im BMW Werk Landshut.
    foto: bmw

    Leichtmetallgießerei im BMW Werk Landshut.

  • 37 Bauteile der neuen Mercedes M-Klasse sind  für den Einsatz von hochwertigen Rezyklaten freigegeben.
    foto: mercedes

    37 Bauteile der neuen Mercedes M-Klasse sind  für den Einsatz von hochwertigen Rezyklaten freigegeben.

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