Budget Wien

Brauner bekennt sich zu "überschaubarem" Schuldenstand

21. November 2011, 11:16

Voranschlag 2012 sieht 400 Mio. Euro Neuverschuldung vor - Bekenntnis zur Schuldenbremse - FP-Misstrauensantrag gegen Vassilakou angekündigt

Wien - Es ist alljährliche Routine: Mit einer dreiviertelstündigen Rede von Finanzstadträtin Renate Brauner (S) hat am Montagvormittag der zweitägige Debattenmarathon im Wiener Gemeinderat zum Budgetvoranschlag 2012 begonnen. Die Ressortchefin bekannte sich dabei zur veranschlagten Neuverschuldung von rund 400 Mio. Euro. Man müsse in Krisenzeiten private Investitionsausfälle mit zusätzlich aufgenommenem Geld kompensieren. Aber man halte nach wie vor an dem Ziel fest, ab 2016 wieder Schulden zurückzuzahlen: "Wir gehen den Weg der Investitionen und der Konsolidierungen".

Die prognostizierte Neuverschuldung für das kommende Jahr ergibt sich aus der Differenz von Einnahmen in der Höhe von 11,43 Mrd. Euro und Ausgaben im Ausmaß von 11,83 Mrd. Euro. Das Maastricht-Saldo wird 2012 bei einem Defizitwert von 372,46 Mio. Euro liegen. Ende 2011 wird der städtische Schuldenberg auf knapp vier Mrd. Euro angewachsen sein. Brauner verglich die Situation mit einem österreichischen Haushalt, der bei einem angenommenen Jahresbudget von 30.000 Euro auf 10.000 Euro Schulden käme - "also überschaubar". Sie argumentierte zudem damit, dass die Bundeshauptstadt neben Tirol die geringste Pro-Kopf-Verschuldung in Österreich aufweise.

Misstrauensantrag gegen Vassilakou

Die Finanzstadträtin versicherte außerdem, dass sich Wien zur Schuldenbremse bekenne: "Sie darf aber nicht dazu führen, dass die Länder nicht mehr handlungsfähig sind." Man werde aber seinen Beitrag leisten.

Das Zahlenwerk für 2012 habe keinen roten und keinen grünen Teil. "Das ist ein gemeinsames Budget", so Brauner. Sie gestand ein, dass Gebührenerhöhungen - Stichwort Wasser, Kurzparkgebühren, Müll und Kanal - niemand Freude machten, "aber das Geld fließt nicht in private Taschen, während die Versorgung verrottet". Jeder Euro werde in die Sicherung der Daseinsvorsorge investiert. Das sieht die Opposition offensichtlich anders. Die FPÖ will im Zuge der heutigen Debatte nämlich einen Misstrauensantrag gegen Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (G) einbringen, kündigten die Blauen in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz an. Die Rücktrittsforderung wurde vor allem mit der Erhöhung der Kurzparktarife argumentiert.

Budget-Schwerpunkte

Brauner nannte Gesundheit und Soziales, Bildung und Kinderbetreuung sowie Wohnen und Arbeit als Schwerpunkte des kommenden Budgets. Der größte Brocken davon entfällt mit knapp drei Mrd. Euro auf den ersteren Bereich. Die nachfragewirksamen Ausgaben, darunter fallen etwa U-Bahn-Ausbau oder Mittel für den Hauptbahnhof, schlagen mit 4,42 Mrd. Euro zu Buche. Die Gesamtinvestitionen der Stadt und ihrer Betriebe und Unternehmungen schlagen mit 2,68 Mrd. Euro zu Buche.

"Wien spart strukturell und nicht kosmetisch", versicherte die Ressortchefin. Als Beispiele nannte sie die Wiener Spitalreform, die bis 2030 abgeschlossen sein soll, das Aussetzungen der Erhöhung von Politikerbezügen im nächsten Jahr oder den Ausbau von E-Government. "Unser Ziel ist das papierlose Büro", wünschte sich Brauner für das Rathaus. Gekürzt wird außerdem bei der Wirtschaftsförderung und beim Garagenbau. "Ich kann den Wienerinnen und Wienern garantieren, dass Wien wirtschaftlich auf gesunden Beinen steht", so Brauners Conclusio nach rund 45 Minuten Redezeit. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 54
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junjunjun
00
7.12.2011, 22:48
fpö+mariahü

ja, die fpö...mitlerweile weiß man ja, wie die ticken.

bin schon gespannt auf deren reaktion auf die umgestaltung zur mariahilferstraße. man wird solange warten, bis die gegner lauter werden. und dann kommen parolen wie "gestaltungswahn und autohetze der grüninnen".

aber auch schön, dass die blauen im 6 und 7. bezirk kaum was zu melden haben.

weana beinhart
00
23.11.2011, 19:52
wer zahlts?

CH und BV kassieren ab!

http://www.flickr.com/photos/32... /lightbox/

Henry44
13
22.11.2011, 19:01
Wie wäre es, Frau Stadträtin?

.. wenn die Beamten der Stadt Wien das gleiche Pensionsrecht hätten wie jene des Bundes?

Das wäre immer noch unvergleichlich besser, als jenes der ASVG Versicherten, würde aber das Budget der Stadt deutlich entlasten.

Davon hört man nichts und Ihr Herr Bürgermeister hat ja schon gesagt, dass er keinen Grund sähe, da etwas zu tun.

So erhöht man einfach die Gebühren exorbitant und schon kann man weitermachen wie bisher.

orkney
 
01
22.11.2011, 11:03
Es ist ja ein Kampf gegen Windmühlen, sich über die sprachliche Verdummung (oder um es mit Hildebrandt zu sagen: Entklugung) in der Politik zu ärgern, aber ...

ich gehe eigentlich schon davon aus, dass eine Finanzstadträtin - so unfähig sie auch sein mag - die Finanzen "überschauen" kann. Wiedermal ein wunderschönes Beispiel dafür, wie man den Bürger mit dummer Propagandasprache für blöd verkaufen will (Bsp. "Kartoffel aus KONTROLLIERTEM Anbau" - im Gegensatz zu den allseits bekannten "Wildwuchskartoffel" im Supermarkt)

bully bullson
00
22.11.2011, 09:50
...wenn man für Dinge wie...

...den Pratervorplatz,
...Hauptfeuerwehrwache
oder super geniale Frankenkredite Steuergeld "verbrennt", dann ist es logisch, dass man Gebühren erhöhen muss und dennoch 400 Mio Minus übrigen bleiben...

..und mit den Mehreinnahmen muss auch nicht in die Infrastruktur investiert werden...weil es ist ja ohnehin schon alles geleast....:-)

aiuto
00
22.11.2011, 09:06
also Wien hat Courage !

In Zeiten wie diesen, zusätzlich 400 Mill. Schulden zu machen, da gehört schon eine gewisse Unverfrorenheit dazu.... und die Grünen tragen das mit ! ... da wird sich die Galwischnig aber freuen !?

lästermaul
00
22.11.2011, 08:32
wie wäre es

die kolossalen gewinne bei den energiepreisen für die schuldentilgung zu verwenden?
sparen sollte auch am rathausplatz anfangen: rote kamerilla-"entspielt" ihn bitte wieder! kein eislaufen, keine sonstigen hütteligen volksbelustigungen, maximal der schon uralt eingesessene christkindelmarkt!

Stadtmann
00
22.11.2011, 08:14
Bitte

kann denn niemand endlich die Verwaltung straffen? Da gibt es welche die schleichen mit einem Kaffeebecher und einer Mappe ewig in den Stockwerken rum. Ok, den Kaffebecher muss man holen, die Mappe könnte man auch digital versenden. Das geht aber nicht, weil der Kopierer grad beim Automaten steht. Man will ja effizient sein.

Toto Wien
14
21.11.2011, 19:54
Die FPÖ hat Österreich jahrelang mit einem korrupten Netzwerk

überzogen und geniert sich heute nicht einmal mehr dafür. Jetzt stellt man einen Misstrauensantrag gegen eine Grüne wegen einer Parkgebührenerhöhung??? Ich glaub der Strache hat im Schneesturm zuviel Hirn verloren...

lästermaul
00
22.11.2011, 08:35

misstrauenantrag der FPÖ: die autofahrerlobbyisten sind eher für vergiftung des fußgehenden plebs!

diktatur des boulevards
01
21.11.2011, 19:31

auf einem a4 blatt ist eine zahl mit neun nullen durchaus überschaubar

CrangerMan
43
21.11.2011, 16:05
Lehrstunde

Der Staat ist dazu da, um in Maßen Schulden zu machen und die Wirtschaft voranzubringen. Das geht laut Keynes natürlich nur bei nachhaltigen, sinnvollen Investitionen.

Die FPÖ braucht sich gar nicht so aufspielen, Wien hat eine niedrigere Verschuldung als Kärnten, wo die Freiheitlichen regieren.

Heartbreak Hotel
11
22.11.2011, 08:55

Natürlich versucht man, in Maßen Schulden zu machen, doch das funktioniert nicht, wie man an den europäischen Staaten sehen kann. Keynes würde das jetzt auch nicht mehr sagen. Kreisky hat mit seinem Sager, daß ihm Schulden lieber sind als Arbeitslose, den Selbstbedienungsladen gesellschaftsfähig gemacht. Jetzt werden wir Schulden UND Arbeitslose haben.

maggo22
00
21.11.2011, 19:12

Wenn das dann so läuft daß sich die FA Bombardier erdreistet der Stadt auszurichten daß man jetzt einen Auftrag über 24 neue Garnituren für die U6 bräuchte da ansonsten so und so viele Menschen kündigt werden könnten erinnert mich das sehr an die miese SGP Zeit. Gleichzeitig ist für die Wartung der U Bahn Strecken kein Geld da... So kann man natürlich auch antizyklisch investieren.

die naive
02
21.11.2011, 16:46

Es wird wohl die Wiener FPÖ einen Misstrauensantrag gegen Vassilakou einbringen.......

Der Busfahrer
11
21.11.2011, 16:37
danke für die lehrstunde,

aber ich hätte da noch eine frage:
wofür hat die ausgegliederte firma "wiener wohnen" ca. 2.400 Millionen Euro Schulden angehäuft? das ist ja bald fast so viel wie wien hat (bzw. noch vor drei oder vier jahren hatte!), dabei ist deren aufgabe lediglich der betrieb und die errichtung von gemeindewohnungen?
zweikommaviermilliarden....
hat man im rathaus eigentlich noch eine übersicht, wie ihre ausgegliederten töchter wirtschaften und wie hoch die gesamtverschuldung inkl. der versteckten/nicht maastrichtrelevanten milliarden ist?

maggo22
11
21.11.2011, 19:05

Ohne diese Schulden schönreden zu wollen, beim Wohnbau steht diesen wenigsten eine Substanz gegenüber...

aiuto
01
22.11.2011, 09:07
Schulden bleiben Schulden !!!

Der Busfahrer
10
21.11.2011, 23:49
2.400 Millionen Euro, oder 33.000 Millionen ATS

und in diesem Fall sollten wir eigentlich sogar noch kronen anführen, denn die ältesten Gemeindebauten in Wien stammen aus der Zwischenkriegszeit.
das bedeutet, dass jede einzelne wohnung mit ATS 150tsd oder Eur 11tsd belastet ist, obwohl allein 65.000 Wohnungen noch aus der ersten republik stammen.
weiters gibt es ja aus vermietung laufende einnahmen.
also nochmals die frage: woher kommen diese horrenden schulden?

deiml
02
22.11.2011, 07:14

dass wohnungen aus der 1. republik stammen, heißt ja nicht, dass sie seither nicht schon x-mal renoviert wurden.

ich bin zwar auch nicht ganz firm, aber die mieten auf gemeindebauwohnungen sind wohl kaum kostendeckend.

und wie ein vorposter schon angemerkt hat, sind 11000 Euro auf eine Wohnung im städtischen Gebiet wirklich kein malheur. egal in welchem zustand sie sind, haben sie einen vielfach höheren marktwert.

01052004
01
21.11.2011, 15:20
sie "bekennt" sich

schuldenmachen als religion???

wo bleibt eine ernsthafte verwaltungsreform (zusammenlegung von magistratsabteilungen, abbau von magistratsbeamten, etc)

wenn die abgabenerhöhungsspirale so weitergeht, zieh ich aufs land: selbst mit den kosten für die wien-pendelei wohn ich dort sicher billiger (und ruhiger, und grüner)...

W s
34
21.11.2011, 13:59
Kurzparken um 66 % verteuert. Hundesteuer um 40% verteuert. Wasser & Co. deutlich teurer usw.

Das sind genau die Ursachen der Inflation mitten in der Stagnation!
Und gleichzeitig hört man nichts davon, dass in Wien irgendwo gespart würde. Etwa bei den exorbitanten Beamtengehältern, etwa bei den Korruptionsinseraten, etwa bei den Hunderten Millionen an Subventionen für die unzähligen feministischen, migrantistischen, antifaschistischen, antirassistischen, kulturaktivistischen Vorfeldorganisationen des rot-grünen Abkassierersumpfs, etwa bei überflüssigen Radfahrbeauftragten. Aber schuld sind nicht nur Rot und Grün. Schuld sind auch alle jene, die bei der Wiener Wahl gar nicht hingegangen sind, nur weil sie sich zwischen Blau, Schwarz und Orange nicht entscheiden konnten. Sie haben dieser miesen Partie das Abcashen leicht gemacht!

Oh my God !
02
21.11.2011, 15:42
Inflationstreiber Gebührenerhöhungen

natürlich heizen die Gebührenerhöhungen im 2stelligen %-Bereich die Inflation (zumindest in Wien) an und AK schläft.

lundgren
10
21.11.2011, 15:20
re

interessant, wie sehr man mit Halb- und auch Unwahrheiten um sich werfen kann - das entspricht der Meinungsfreiheit eines demokratischen Staates und ist per se auch gut so - allerdings wird dieses Statement nicht unter der Rubrik "Meinungsbildend" in Erinnerung bleiben, denn die Bürger dieser Stadt wissen besser Bescheid, als dass hiermit Erfolg beschieden wäre ....

sleepyc
00
21.11.2011, 15:00
st.rache, bist du es?

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