"Gesundheitsgefährdende" Feinstaubwerte

  • Neben Autoabgasen sind vor allem der Hausbrand und die Emissionen der Industrie für die eklatant hohen Feinstaubwerte verantwortlich - die momentane Inversionswetterlage tut ihr Übriges.
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    Neben Autoabgasen sind vor allem der Hausbrand und die Emissionen der Industrie für die eklatant hohen Feinstaubwerte verantwortlich - die momentane Inversionswetterlage tut ihr Übriges.

  • Diese Auswirkungen kann Feinstaub  im Körper haben.
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    Diese Auswirkungen kann Feinstaub im Körper haben.

An 67 von 142 Mess-Stellen wurde der Grenzwert überschritten

Die Luft in Österreich ist zur Zeit mit einem gefährlichen Schadstoffcocktail angereichert. Bereits seit drei Wochen werden in manchen Ballungsgebieten - Wien, Grazer und Klagenfurter Becken, Donauraum, Region um Eisenstadt und Inntalregion - alarmierende Feinstaubkonzentrationen gemessen. Die Belastung ist täglich zum Teil drei Mal so hoch, wie die EU-Grenzwerte erlauben. Ein Mediziner und Schadstoffexperte spricht auf Ö1 davon, dass es sich bereits um gesundheitsgefährdenden Smog handle. Umweltschutzorganisationen appellieren an die Politik - der Umweltminister sei gefordert, Maßnahmen zu setzen und beispielsweise Umweltzonen in Städten einzuführen.

"Angst vor Wählern"

Umweltorganisationen wie Greenpeace fordern strengere Maßnahmen zur Senkung des Autoverkehrs. Nur, wenn insgesamt weniger Autos unterwegs seien, könne der Feinstaub gesenkt werden, meint etwa Jurien Westerhoff von Greenpeace. "Fahrverbote - örtlich, zeitlich - darüber wird man nachdenken müssen. Sonst wird es nicht gelingen, das Problem in den Griff zu bekommen", so Westerhof auf Ö1. Es gebe genügend gesetzliche Möglichkeiten, doch die Umsetzung der Maßnahmen funktioniere nicht. Westerhoff führt dies darauf zurück, dass die Politiker Angst davor hätten, Wähler zu vergraulen. "Warum sind Autofahrer wichtiger als die Gesundheit der Kinder, zum Beispiel?" 

Umweltzonen für Städte gefordert

Auch Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreichs fordert auf Ö1 mehr Taten von Seiten der Verantwortlichen: "In Deutschland gibt es bereits in 48 Städten sogenannte Umweltzonen, um die Feinstaubbelastung, die durch den Verkehr verursacht wird, zu verringern. In Österreich gibt es in keiner einzigen Stadt eine Umweltzone."

In einer Umweltzone dürften etwa Fahrzeuge, die besonders viele Schadstoffe ausstoßen, nicht fahren. Diese Regelung könnte etwa mit einem Ampelsystem umgesetzt werden, so Gratzer: "Rot sind jene Fahrzeuge markiert, die besonders viele Schadstoffe verursachen, das sind die alten Fahrzeuge. Grün sind jene Fahrzeuge, die neu sind und geringe Schadstoffemissionen verursachen. Gelb/Orange sind jene Fahrzeuge, die genau dazwischen liegen. Und je nachdem ob eine Phase ist, wo die Luftbelastung, die Feinstoffbelastung sehr hoch ist, dürfen dann beispielsweise nur Fahrzeuge der besten Emissionsklassen in die Umweltzonen einfahren.

Leibnitz als Spitzenreiter

An 32 Messstellen in Österreich wurde auch der EU-Grenzwert (maximal 35 Tage mit zu hoher Feinstaubbelastung) übertroffen. Rekordhalter ist die Messstelle Lastenstraße in der steirischen Stadt Leibnitz: Dort wurde bereits an 63 Tagen eine zu hohe Feinstaubkonzentration gemessen. "Die Grenzwerte wurden heuer insbesondere zwischen Jänner und März und seit Ende Oktober überschritten", sagte Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt (UBA).

Verantwortlich für die hohe Feinstaubkonzentration sei neben dem Straßenverkehr, dem Hausbrand und den Abgasen aus der Industrie auch die Wetterlage "Die anhaltende Hochdruckwetterlage mit einer flachen Inversionsschicht und niedrigen Windgeschwindigkeiten erhöht die Feinstaubkonzentration in der Luft", erklärt Schneider, Programmleiter Wirtschaft und Wirkung im UBA.

"Gesundheitsgefährdender Smog"

Als Gradmesser gilt der sogenannte "PM10 Wert", mit welchem die Feinstaubkonzentration in der Luft gemessen wird. Obwohl dieser Wert pro Tag 50 Mikrogramm/Kubikmeter nicht überschreiten darf, gibt es derzeit etwa in Wien eine Schadstoffbelastung von 150 Mikrogramm/Kubikmeter. Heuer wurde bereits bei 67 von 142 Messstellen der österreichische Jahresgrenzwerte (maximal 25 Tage mit zu hoher Feinstaubbelastung) überschritten.

Aufgrund dieser Messwerte spricht Hans Peter Hutter, Umweltmediziner von der Medizin-Universität Wien, bereits von "gesundheitsgefährdendem Smog". Laut Hutter könnten die momentan hohen Konzentrationen große Probleme für die Lunge (Bronchitis und Asthmaanfälle) als auch das Herz-Kreislauf-System (Herzinfarkt) bedeuten. Zusätzlich würden sich die Feinstaubpartikel im Gewebe des Körpers (vor allem in Leber, Niere und auch Gehirn) festsetzen.

Autofreie Tage und weniger Heizen

Was man als Einzelner tun könne, beschreibt Umweltmediziner Hutter folgendermaßen: Weniger heizen und eine Raumtemperatur 22 Grad nicht überschreiten; nur Autofahren, wenn es wirklich sinnvoll und zweckmäßig ist. Zudem sollte man in der Wohnung möglichst wenige Kerzen, Räucherstäbchen oder Zigaretten anzünden. Auch Back- und Bratvorgänge könnten eine Feinstaubquelle darstellen. Abhilfe schaffe etwa häufiges Feuchtwischen.

Einen Appell richtet Hutter aber auch an die Politiker, dass sie Rückgrat zeigen und auch unbequeme Maßnahmen fordern sollen, wie etwa Tempolimits oder autofreie Tage. Auch wenn niemand solche Aktionen wolle, seien sie sinnvoll, so der Umweltmediziner - denn: "Es ist definitiv eine Signalwirkung, dass auch die Politik sagt: 'Hier haben wir ein Problem und wir tun etwas.'" (red/APA, derStandard.at, 22.11.2011)

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Posting 1 bis 25 von 962
Die wahre Quelle des Feinstaubes sind

doch die Haushalte. Oder hat schon mal jemand einen Filter auf einem Kamin eines Holzofens entdeckt?

Nochmal zum mitschreiben:

Es wird über die Umweltzonen gesagt, sie hätten die Tage mit über 50 µg/m³ nicht verringert. Daher ist der Autoverkehr unschuldig. Nun: fool me once!

Hauptsächlich bestimmte Wetterlagen lassen die Werte explodieren. Meist werden Fahrverbote ausgesprochen, wenn man auf dem Weg nach oben in den Werten ist.

Wenn man nun also bei realem 66% Anteil des Verkehrs
bei 75 µg/m³ 25% der Stinker draussen lässt passiert was? Die Werte sind niedriger als sie gewesen wären, aber nicht unter 50 µg/m³. Sehr pfiffig, weil angeblich kein Effekt.

Die neuen Autos sind im Realbetrieb auch alles andere als wirklich sauber. Und die LkW und Busse mit Ausnahmegenehmigung?

Also Leute, es tut mir leid, aber weniger Autos an 20-30 Tagen im Jahr ist einfach besser

Die Wirkungslosigkeit der Umweltzonen wurde in Deutschland längst entlarvt.!

London hat sich seines berühmten Smogs ja auch nur dadurch dauerhaft entledigt in dem man alle Feststoffheizungen verboten hat und nicht in dem man den Individualverkehr behinderte.
js

Geben Sie doch bitte Ihr Unwissen bei der nächsten Volkshochschule ab!

1) der Londoner Smog hat nichts mit der derzeitigen Feinstaubdiskussion zu tun. Tödlich waren hier die hohen SO2 Werte in der Luft. Die Partikelgrößen waren andere und die Konzentration viel höher. Auserdem reden wir nicht von 5000 akuten Toten.

2) Trotzdem hat London eine teure City-Maut. Ich schließe mich ihnen an: machen wirs wie die Londoner.

3) Wenn der Verkehr 66% der Emissionen ausmachen würde, sie aber nur 30% der Autos stillegen, dann können Sie bei 150 µg/m³ und Zielwert 50 keinen Erfolg erzielen. Es wurde nur gesagt: es ging nicht unter die 50µg/m³, nicht "es ging nicht runter".

Sie müssten den Verkehr zu 80% stillegen, um etwas zu erreichen.

Und da sollten wir jetzt mal anfangen. Die Umweltzonen sind gemacht um zu scheitern.

Tja aus lauter Unwissenheit waren das aber die Feinstäube der

Feststoffheizungen, welche damals genauso wenig spurlos verschwunden sind wie heute in Graz oder Wien.

Ich bin sowieso fürs totale Fahrverbot.

Denn wenn sich das Wetter nicht ändert, entlarvt es die falschen Behauptungen ganz hervorragend und schnell.
js

Wenn ich an früher denk, als nach der Vorbeifahrt des "Schwarzen" die Zähne knirschten,
wenn ich ans Büro denk, wo jahre- und jahrzehntelang Kopierer und Drucker Ozon erzeugten oder in der Anfangsphase Ammoniak in der Luft lag, wenn ich an die Winter denk, als der Schnee nach ein paar Tagen in Wien mit Sicherheit erstens noch lag und zweitens grau war,

dann gehts mir wie der Wiener Städtischen: Ihre Probleme möcht ich haben!

Natürlich ist Heizperiode und Inversionswetterlage, dazu kaum Wind ein unguter Mix. Aber auf die einfachste Lösung kommt wieder einmal niemand: Alle fordern, die Regierung möge diese oder jenes tun. Dabei bräucht sie es nur endlich wieder einmal regnen zu lassen.
Der letzte Niederschlag: 23.10.2011, 0,3mm

Lang lebe die Feinstaublüge......

jedes Jahr werden wir im Durschnitt älter, der Feinstaub war dank Einzelöfen füher exorbitant höher...
aber wie Radioaktivität, sieht man nicht, hört und riecht man nicht, - was gibts bessres für Hysterie ???

Mögen Sie bitte etwas Atmosphärenphysik pauken unduns dann den Unterschied zwischen Kohlen-Hausbrand und Feinstaub erklären!

Oder soll ich das für Sie machen?

Es ist Unsnn, was Sie da schreiben.

Unsicherheit in der Schreibweise?

Sie konnten sich wohl nicht entscheiden ob man den Nachnamen des Greenpeaceexperten mit einem, oder mit zwei f schreibt. Ich kann Ihnen bestätigen, Herrn Westerhof schreibt man mit einem "f".

ich fänds gut wenn die ANDEREN nicht mehr heizen damit ich mit meinem auto weiterhin zum billa fahren kann.. bin doch nicht dumm und und geh bei -2° zu fuss meine milch fürn kaffee kaufen...
wie gesagt heizverbot für find ich ok, müssen sich die anderen halt mehr anziehen...

Jaja - tolles Bild - die sprühen den Dreck aber auch unterhalb der 10,5km

man muss bei argumenten und massnahmen halt ehrlich und authentisch bleiben (ein großes wort gelassen ausgesprochen) und nicht steuern anheben und fahrverbote für ältere modelle erlassen, die nur der erdölindustrie und dem autohandel helfen. wer sind wirklich die produzenten des gefährlichen ultrafeinstaubes? man hört da immer wieder, dass das eben nicht die alten, sondern die neueren dieselfahrzeuge sind. (?)

z.b. darf man halt in zukunft an einem oder besser zwei tagen pro woche nicht mehr mit dem auto fahren, wie in den 70ern. diese maßnahme würde tatsächlich die abgase reduzieren und alle gleichermaßen treffen, egal wie wohlhabend.

eine weitere erhöhung des dieselpreises kurbelt nur die inflation an.

huhu

Ihr seids doch alle solche Schaaaafe...
Das Bild zeigt auf Fluuugzeuge

Irgendwie habe ich das Gefühl

nachdem ich fast die gesamten Kommentare gelesen habe, dass neben wenigen die sachlich und mit Ruhe argumentieren, dazu noch Fakten liefern, andere einfach nur wild draufhauen auf Raucher, Autofahrer, Bobos etc.

Mir haben ein Teil dieser Kommentare ein recht schönes Kabarett-Feeling beschert. Herzlichen Dank an dieser Stelle für all die sachlichen, lustigen, ironischen, sarkastischen, emotionalen, sinnvollen, sinnentleerten, unhöflichen, rüden und beschimpfenden Beiträge.

BTW natürlich sind ausschliesslich Autofahrer und Raucher schuld an der ganzen Misere. :-)

und bobos!

Diesel höher besteuern.

Ganz einfach. Weiß eh keiner, warum der trotz höherer Energiedichte und viel höherer Feinstaubproduktion als Benzin immer noch steuerlich begünstigt wird. Ist um einiges einfacher durchzusetzen und VIEL effizienter als IGL-Hunderter und dergleichen Blödsinn. Dieselstinker sind sicher für 80-90% des vom Verkehr verursachten Feinstaubs verantwortlich.

Maßnahme

Alle, die an einer Feinstaubphobie leiden, mögen sich selbst ein Autofahrverbot auferlegen und die Heizung drosseln. Vielleicht nützt das ein wenig.

Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo andere in Mitleidenschaft gezogen werden. In diesem Sinne: bleiben Sie zu Hause!

Liebe Standard-Redaktion!

Die ersten ca. 750 Postings, die hier stehen, gehören zu einem anderen Artikel, der ganz zufällig (?) im Laufe des Vormittags verschwunden ist. Warum?!

Bevor man über Maßnahmen diskutiert, sollte man einmal richtig messen

Den besonders gefährliche Ultrafeinstaub aus Verbrennungsprozeßen kann man mit PM-10 nicht vernünftig messen. Daher sollte man einmal auch die Partikelanzahl messen und dann entsprechende Maßnahmen ergreifen. Vor allem der Flugverkehr aber auch moderne Dieselmotoren, die besonders feine Partikel produzieren, dürften die Hauptquellen für Ultrafeinstaub sein und dort gehört dann auch angesetzt.

Alte Benzinautos mit Fahrverboten zu belegen scheint jedenfalls unsinnig.

man kann jeden Grenzwerte ins Absurde senken

und damit probleme erzeugen die man sonst nicht hätte.

Die Luft ist so sauber wie noch nie seit Menschengedenken.

No na.....

aber die Ökofaschisten in Absurdistan....

und seit wann denken Menschen?

kann noch nich sehr lange hersein wenn die Luft noch nie so sauber war

Die Luftqualität hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte deutlich verbessert, und wird es auch weiterhin. Umweltschutzmassnahmen funktionieren offenbar, von manchen Dingen hört man deswegen überhaupt nichts mehr - siehe saurer Regen und Waldsterben.

Grenzwerte sind immer Richtwerte, an denen man sich orientieren muss. Aber wenn ein paar mal diese Werte überschritten werden, ist das noch kein Grund zur Panik. Die langfristige Entwicklung zählt.

Ein paar Tips für diejenigen, die um ihre Gesundheit besorgt sind: Nicht rauchen und Lokale meiden, in denen viel geraucht wird. Dort ist die Luftverschmutzung deutlich höher als jetzt im Freien.

Posting 1 bis 25 von 962

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