"Töchter" rein, "Brüder" raus

21. November 2011, 10:33
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Änderungen so gut wie fix: Antrag von Koalition und Grünen soll noch im Dezember beschlossen werden

Wien - Die "Töchter" haben es praktisch in die Bundeshymne geschafft. SPÖ und ÖVP haben sich am Freitag am Rande der Nationalratssitzung mit den Grünen auf einen gemeinsamen Antrag geeinigt, der noch im November im Verfassungsausschuss beraten wird und in einer der Plenarsitzungen im Dezember beschlossen werden soll. 

Es ist davon auszugehen, dass die ÖVP mehr oder weniger geschlossen zustimmen wird, denn unter den EinbringerInnen des Antrags finden sich auch mehrere männliche Mandatare. Als Befürworter genannt wurde zuletzt auch VP-Klubchef Karlheinz Kopf.

Demnach wird es künftig in der Bundeshymne heißen: "Heimat großer Töchter und Söhne". Ursprünglich war auch die Variante "Töchter, Söhne" ventiliert worden. Eine zweite Änderung gibt es in Strophe drei. Dort werden die "Bruderchöre" durch "Jubelchöre" ersetzt.

"Placebo" und Kritik an "Rückfall in Diktion der 30er Jahre"

Für die FPÖ handelt es sich bei den Änderungen um ein "Placebo", wie Frauensprecherin Carmen Gartelgruber am Samstag in einer Aussendung deponierte. Die Die IG Autorinnen Autoren kritisierte die neue Textzeile "Einig laß in Jubelchören, Vaterland, dir Treue schwören". Geschäftsführer Gerhard Ruiss sieht darin einen "schweren Rückfall in die politische Diktion der 30er Jahre": "Wie sieht ein solcher geschworener Jubel aus? Werden in Zukunft Rekruten bei ihrer Angelobung ihren Eid auf Österreich jubelnd vortragen?", fragte Ruiss.
Die IG fordert daher die Beiziehung von ExpertInnen seitens der Germanistik und der Historik auch für diesen zweiten Aspekt der Neuformulierung.

Sprache prägt Bewusstsein

In der Begründung des Antrags heißt es, dass sich in den 60 Jahren seit der Textung der Hymne durch Paula Preradovic der Sprachgebrauch geändert habe. Da Sprache wie kein anderes Medium Bewusstsein präge, plädiere man nun für die Aufnahme der Töchter in die Hymne.

Text und Melodie der Hymne sollen mit einem Gesetzesbeschluss des Nationalrats festgelegt werden. Die bisherige Version basierte auf einem Regierungsbeschluss.

Lange Vorlaufzeit

Die "Töchter"-Frage ist ein lange gehegter Wunsch von Grünen und SPÖ. Auch die frühere Frauenministerin Maria Rauch-Kallat hatte sich immer wieder für eine Umtextung stark gemacht, war aber in der ÖVP lange nicht durchgekommen. Erst ein an ihrem letzten Plenartag ohne Wissen der Klubspitze eingebrachter Antrag kurz vor dem Sommer brachte letztlich den Ball ins Rollen. (APA)

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