Der Schnee von gestern

Die Neuigkeit, dass Wiens Radwege schneefrei werden, ist garnicht so neu

Am 8. November fand sich Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima in allen Blättern zitiert: Heuer, so die SP-Politikerin, würden Wiens Radwege schneefrei. "Erstmals", betonte auch die APA: Sima präsentierte das "Winterradwegenetz". 255 Kilometer Radweg würden nun "täglich gesäubert".

Vor Freude vergaßen da sogar Wiens Radlobbyisten den Gegencheck. Denn im Archiv - etwa auf der Homepage der IG Fahrrad - war schon im Jänner 2011 Ähnliches erklärt worden. Ulli Sima lobte da die Radweg-Schneeräumung: "Der Winterdienst der MA 48 (...) betreut auch die zentralen Radwege", so der Kernsatz. Anlass war die Präsentation eines Planes jener Radwege, die "prioritär" geräumt würden. Dass das kurz nach einem geharnischten Schneeräumfrust-Kommentar im STANDARD geschehen war? Zufall. Bestimmt.

Ebenso zufällig ist der nun - im November - präsentierte "neue" Winterradwegplan ident mit dem vom Jänner: Damals fehlende Routen, etwa die Margaretenstraße, fehlen weiterhin.

Doch immerhin steht da "prioritär". Aber Obacht: Wichtige Winterradwege listet die MA 48 in sogenannten R-Plänen. R-Plan-Radwege haben Priorität - gegenüber anderen Radrouten. Verkehrsflächen, die tatsächlich Priorität haben, stehen anderswo: in "A-Plänen".

Macht nichts. Denn Winter-Biken ist eh kein Problem: "Bei den Strecken des (...) Rad-Winterbasisnetzes ist die verlässliche tägliche Räumung sichergestellt", hält der zuständige MA-48-Abteilungsleiter Josef Thon gegenüber der IG Fahrrad fest. Schriftlich. Online abrufbar. Der Brief stammt vom 27. Jänner 2011. (Thomas Rottenberg/DER STANDARD/Automobil/18.11.2011)

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