Ein Kanzler auf der Suche nach Freunden

Faceman Faymann und das Wurminger-Syndrom

21. November 2011, 10:07

Eine Jubel-Geschichte

Kapitel 1: Nicht dass etwas dagegen zu sagen wäre, wenn Facebook-User auf der seit dem Nationalfeiertag aktiven Facebook-Seite des Bundeskanzlers ihrer Begeisterung über dessen Politik freien Lauf lassen. Wenn diese Oden aber, wie das Magazin Datum in seiner jüngsten Online-Ausgabe recherchiert und dokumentiert hat, vielfach nach ein und demselben Textmuster gestrickt sind und ihre Absender sich hinter unüberprüfbaren Profilen verstecken, sind Zweifel an der Echtheit programmiert. Die von Datum befragte Geschäftsführerin der Social-Media-Agentur Digital Affairs spricht schlicht von "Marionetten-Accounts. Die im Sinne der Plattformbetreiber agieren" - was die für Faymanns Facebook-Auftritt Verantwortliche Angelika Feigl allerdings dezidiert bestreitet.

Kapitel 2: Nicht dass diese Art von Sendungsbewusstsein ein Novum wäre - auch die Beschickung der Leserbrief-Redaktion(en) mit Fake-affinen Jubelbriefen aus den Parteisekretariaten via GMX-Mailaccounts hat langjährige Tradition. Im vorliegenden Fall aber überschreitet die kompromisslose Mischung aus Plumpheit und Chuzpe der Bejubler bei der Vermarktung des zu Bejubelnden derart die geistige Schmerzgrenze, dass man dem Gesetzgeber für den Notwehrparagraphen dankbar sein muss. Wir greifen daher guten Gewissens zum Äußersten - und drucken, was die PR-Strategen aus dem Kanzleramt gedruckt zu sehen wünschen (ungekürzt und in Originalortografie):

Jubel 1: Als moderner Mensch der schon lange auf Facebook ist freue ich mich, dass Bundeskanzler Werner Faymann jetzt auch online ist. Die Facebook-Seite ist wirklich anschaulich gestaltet mit schönen und persönlichen Bildern. Außerdem können interessierte Menschen den Kanzler jederzeit zu Tagesaktuellen politische Fragen fragen. Ganz besonders toll finde ich, dass der Bundeskanzler über Facebook kurze Nachrichten zu den Vorgängen rund um die Euro-Krise schreibt um die Menschen am laufenden zu halten. Gerade dies ist in Zeiten wo sich stündlich berichte überschlagen sehr wichtig.
Werner Halser, Schelleingasse 6, 1040 Wien

Echt bürgernah!

Jubel 2: Faymann ist jetzt noch näher beim Menschen! Ich finde es Super, dass Bundekanzler Werner Faymann neuerdings auf Facebook ist. Jeder der bei Facebook ist kann jetzt direkt und ohne viel Aufwand mit dem Kanzler Kontakt aufnehmen. Antworten erhält man sehr schnell, entweder von ihm selber oder von seinem Team. Außerdem kann man unmittelbar bei seinen Umfragen auf seiner Seite teilnehmen. Das ist eine echte Bürgernähe wie es sich in einer Demokratie gehört.
Siegfried Wurminger, General-Keyes-Strasse 11, 5071 Salzburg

PS.: Dass der Name Halser auf der Klingeltafel der angegebenen Wohnadresse nicht aufscheint, will natürlich nichts besagen. Die mehrfache Präsenz des Verfassers auf der Leserbrief-Seite der Kronen Zeitung (unter so zukunftsweisenden Titeln wie: "Unser Kanzler wird modern" oder "Der richtige Weg") ist Existenznachweis genug. Und dass der Wurminger Siegfried in anderen einschlägigen, in unserer Sonderpostmappe "Rufe der Wildnis" sorgfältig archivierten Zusendungen fallweise zur "Siegrid" mutiert und/oder seinen/ihren Wohnsitz nach "5071 Wien" verlegt, soll die Unschuldsvermutung nicht trüben. Man wird sich doch noch vertippen dürfen. (Mischa Jäger, DER STANDARD Printausgabe, 18. November 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
1 2
radlfahrer
01
23.11.2011, 00:46
Idiocracy

Hätte nicht gedacht, dass wir uns dem so schnell nähern.

pox vobiscum
00
22.11.2011, 18:04

Wenn der alte Dichand sich selbst Leserbriefe schreiben durfte, dann wird man das einem Parteisekretäriat auch zugestehen müssen - und die Rechtschreibfehler sind sicher nur an die Pisa-Ergebnisse angepasste Tarnung.

Btw, gibt es eigentlich auch etwas Neues?

diktatur des boulevards
02
21.11.2011, 19:13

die definition von peinlich

J. Reichhart
01
21.11.2011, 18:43
die totale vertrottelung ist da!

heia feimann, heua schwindelegger, heila h.c. arschte!

die total idiotisierung ist perfekt.

demokratie auf österreichisch: über bürokratie zur idiokratie!

wozu noch wählen? einfach eine allparteienkoalition für alle zeiten festschreiben, die prozentsätze der einzelnen parteien werden ermittelt aus den facebookfreunden der parteivorsitzenden, aus der höhe der parteispenden für die parteien und aus der wurzel aus iq der mitarbeiter der parteizentralen.

aber keine angst. die realität holt uns bald ein. in form unbezahlbarer zinsen für die astronomischens staatsschulden.

die party ist vorbei, freunde!

so ist das
02
21.11.2011, 18:38
Ekn sinnvoller Nebenjob für unseren Kanzler

Weshalb stellt sich unser aller Kanzler nicht einfach in je einer Serviceseite seinen Lieblingsmedien KRONE. HEUTE und ÖSTERREICH zur Verfügung? Dort könnte er oder sein Avatar wenigstens sinnvoll Menschen helfen, welche ihm in seinem wirklichen Leben wohl völlig egal sind, weil sie nach Ansicht seiner SpinDoctores für die Werbung irrelevant sind.
Das wäre weniger kindisch und dabei würde es keine so große Rolle spielen, ob er etwas selbst machen würde oder es von seinen Helferleins ausführen ließe.

krxmftl
 
00
21.11.2011, 17:42
Werner Halser

der Werner Halser gibt es wirklich - zumindest auf Facebook, dort schreibt er allerdings dem Werner Failmann
.
Jedoch bezeichnet er sich auch dort als moderner Mensch...

so ist das
00
21.11.2011, 18:32

Das ist repräsentativ für den Zustand unserer heutigen angeblichen "Leistungsträger" in Politik und staatsnahem Unternehmen wie auch dem ORF. Dort wird gegenseitig beweihräuchert, während ihnen das Leben und die wirtschaftliche Gebarung wohl vollständig egal ist. Der ORF setzt zwei zusätzliche Programme dazu ein, altes Material bis zum Erbrechen zu wiederholen und neben FS1 nun auch einen zusätzlichen Kanal mit Sport zuzumüllen, ohne dass diesen "Herren" jemals die Idee käme, zugunsten der Gebührenzahler zu sparen und etwas Millionenabgänge für die "Freunde" in Sportarten wie Schilaufen, Formel 1 oder Champions League einzusparen.
Aber so schaut halt der Zustand im Jahr 2011 aus, und eine Besserung ist wohl nicht in Sicht.

Dr. Fu Man Chu
01
21.11.2011, 17:00
von F wie faymann bis F wie facebook

das abc der spö ...bundesgeschäftsführung

C.EDI
00
21.11.2011, 16:54

Wer diese Artikel liest ist selber schuld.

Wer diesen Artikeln glaubt, ist selber schuld.

Wem diese Artikel gefallen, gehört zum Arzt.

Wer dennoch SPÖ wählt, dem ist nicht zu helfen.

Post-vom-Poster
 
00
23.11.2011, 11:16
Wer dennoch SPÖ wählt, dem ist nicht zu helfen.

auch, wer immer noch die vor-vorgestrige ÖVP und die rechts(aussen)-Effen, incl irgend einer "Zukunft" wählt ...

finisterra
00
21.11.2011, 16:11
Von welchem Budget wird das alles bezahlt?

A: Vom Budget des Kanzleramtes?
B: Vom Budget des SPÖ?
C: Vom Budget einer 'befreundeten' Vereinigung à la Grasser?

francis79
 
00
21.11.2011, 15:50
Die Leserbriefe und Postings werden ...

nicht von wirklichen Lesern geschrieben?
WAS? NEIN! OOOHH.
Jetzt behauptet noch jemand, dass die vielen Leut die freundlicherweise der Krone ihre Meinung mitteilen auch nicht "echt" sind.

cipf
 
00
21.11.2011, 15:49

Wer im Gesichtsbuch einem Politiker den freundschaftlichen Link reicht hat sowieso eine an der Klatsche.

So betrachtet belobhudeln sich Klatscher und Beklatschte!

Wie hübsch :-))

Genießer
14
21.11.2011, 15:16
so viel Spaß hatte ich schon lange nicht

Wer meint, dass Faymann steif und distanziert sei, ist nun eines beeseren belehrt. Unser Bundeskanzler ist nun zu den Volkskomikern aufgestiegen und lässt uns täglich lachen. Da Lachen gesund ist, macht er auch gleich etwas für die Volksgesundheit.

Und alleine seine dreifache Freundin Cherelle Robinson lässt einen trüben Novembertag auch wirklich sonnig aussehen.

Danke Herr Bundeskanzler, dass kann H.C. noch lange nicht

Der Geist der Ahnung
 
14
21.11.2011, 14:19

Der Hals(er)wer(ner) nimmt seinen Job als Jubelperser ganz besonders ernst, so auch zB hier im Forum: http://derstandard.at/plink/131... 0/23725747

Wenn schon alle so garstig zu Ihnen sind, Herr Bundeskanzler: Wenigstens auf die imaginierten Freunde ist Verlass!

Ceterum Censeo2
17
21.11.2011, 13:02
So hat der Ceausescu auch angefangen .....

Nächste Stufe: Haus- und Hofdichter für Oden, Komponisten für Hymnen, Bildhauer für Denkmäler, Steinmetze für Gedenktafel: "An dieser Stelle holte am 11.11.2011 um 11:11 unser Hochverehrter Herr Bundeskanzler das Handy einer verzweifelten Mitbürgerin unter Einsatz seines Anzuges aus einem gefährlichen Pfuhl".
Wo ist die Straße, die nach ihm benannt werden soll? Solle mit der Adresse der Mietervereinigung koinzidieren!

W s
00
21.11.2011, 14:21
Und: Jubelperser!

Gerhard Müller
00
21.11.2011, 17:27
Kaisergeburtstagsdichter

hießen sie bis 1918.

callanish
01
21.11.2011, 12:32
Mitschuld hat die Zeitung, die das abdruckt.

Die wird doch nicht gar käuflich sein? ;)

Mein Name ist Nobody
11
21.11.2011, 11:58
das traurige an der ganzen Geschichte ist

dass wir vom Großteil der Politiker - quer durch die Bank, von links nach rechts - nur mehr total verarscht werden, und das wichtigste dabei ist: wir sollen ja nicht merken, dass wir verarscht werden!

Wieviel Demokratie ist es bitte?
04
21.11.2011, 13:54

Wir merken es aber und die dummdreisten Trickbetrüger hören trotzdem nicht damit auf.

Kann sein, daß in den Parteizentralen irgendwelche Studien herumliegen, die den Parteien plausibel machen, daß selbst bei extremer Provokation, die Bürger lethargisch und die Provokationen folgenlos bleiben.

Sogar mit Wählerstimmen rechnen die Trickbetrüger noch, statt mit Widerstand und nassen Fetzen.

Irgendwas macht die sicher, sich so perv verhalten zu können, ohne am nächsten Tag Angst haben zu müssen, ihr Häuschen zu verlassen, um in Ruhe weiter ihren Betrügereien nachgehen zu können.

Dabei ist es längst hohe Zeit, denen Benehmen und seriöse Arbeit beizubringen, bzw. sie aus dem politischen Panorama zu entfernen, wenn sie renitent bleiben.

omesco
01
21.11.2011, 11:53

..der Kanzler wird zur Belastung für die SPÖ!! Wo sind die hungrigen 40ger? Es ist Zeit für einen Generationenwechsel. Traut Euch heraus,die Anderen sind einen Dreck besser! Also meldet Euch!!

Ein weiteres hirnloses Posting:
04
21.11.2011, 11:50

Wenn der Fakebook-Ausflug von Faymann wirklich 200.000 Euronen gekostet hat, wäre der Auftrag dafür dann nicht sogar ausschreibungspflichtig gewesen?

Moneymaker
00
21.11.2011, 11:45
Wer bezahlt eigentlich die Social-Media-Kampagne Faymanns? Der Steuerzahler oder die SPÖ?

Eiserner
09
21.11.2011, 12:11

Über das Bundeskanzleramt direkt der Steuerzahler und über die Parteienförderung indirekt der Steuerzahler.

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