VW stellt sich auf härtere Zeiten ein

21. November 2011, 09:37
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Europas größter Autobauer Volkswagen rechnet im kommenden Jahr mit kräftigem Gegenwind durch die konjunkturelle Entwicklung

Frankfurt/Kanton - Europas größter Autobauer Volkswagen rechnet im kommenden Jahr mit kräftigem Gegenwind durch die konjunkturelle Entwicklung. "Keine Frage: 2012 wird wesentlich härter, vor allem in Europa und da speziell in den hoch verschuldeten Ländern wie Italien oder Spanien", sagte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn in einem am Montag veröffentlichten "Handelsblatt"-Interview. "Insgesamt rechnen wir in Europa mit einem Marktrückgang." Aber auch die Entwicklung in anderen Weltregionen gelte es genau zu beobachten. Derzeit wachse die Nachfrage in China und Amerika jedoch weiter.

In China hat der Konzern trotz der Abkühlung auf dem dortigen Automarkt in den ersten zehn Monaten des Jahres 1,9 Mio. Autos verkauft, um 14,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. . "Unser Marktanteil wächst und liegt bei knapp 19 Prozent", sagte VW-China-Chef Karl-Thomas Neumann am Montag zum Auftakt der internationalen Automesse in Kanton (Guangzhou) vor Journalisten. In diesem Jahr werde Volkswagen auf seinem wichtigsten Markt erstmals mehr als zwei Mio. Autos verkaufen.

Das rasante Wachstum auf dem weltgrößten Automarkt in den vergangenen zwei Jahren von mehr als 30 und 40 Prozent komme jetzt wieder auf ein "normales Niveau". Neumann rechnet im kommenden Jahr mit einem Wachstum des gesamten Personenwagenmarktes in China von rund acht bis zehn Prozent, wobei Minivans nicht mitgerechnet sind, wo die Verkäufe besonders stark eingebrochen sind. Volkswagen wolle auch im nächsten Jahr wieder schneller als der Markt wachsen.

An den Grenzen der Kapazität

"Wir sind nicht pessimistisch", sagte Neumann zu der Abkühlung. Durch das bisher starke Wachstum stoße Volkswagen an die Grenzen der Kapazität seiner bereits voll ausgelasteten Fabriken. "Für uns ist es viel besser, wenn es nicht 30 Prozent Wachstum sind", sagte der VW-China-Chef. Der chinesische Markt werde aber besonders in den mittleren und kleineren Städten Chinas weiter wachsen, wo immer mehr Menschen sich ein Auto leisten könnten. "Das wird unser wesentlicher Wachstumsbereich für eine ganze Reihe von Jahren sein."

VW-Konzernboss Winterkorn ist mit dem laufenden Jahr insgesamt zufrieden. "Operativ wird 2011 in jedem Fall ein sehr gutes Jahr." Davon würden auch die Mitarbeiter in Deutschland profitieren, an die der Konzern zehn Prozent des operativen Ergebnisses der Marke Volkswagen ausschüttet. "Dieser Erfolgsbonus wird für 2011 ein neues Rekordniveau erreichen." Mit Blick auf die Anfang kommenden Jahres startenden Tarifverhandlungen sagte der VW-Chef, der Konzern strebe mindestens einen Inflationsausgleich an und müsse dann sehen, "ob wir uns darüber hinaus noch etwas leisten können". Klar sei, dass Volkswagen auch 2012 eine hohe Auslastung fahren werde.

Mit Blick auf den Rosenkrieg mit dem japanischen Partner Suzuki bekräftigte Winterkorn, VW werde seinen Anteil in Höhe von 19,9 Prozent an Suzuki nicht verkaufen. Ein Treffen mit Vorstandschef Osamu Suzuki, um die Probleme zu beheben, sei derzeit nicht geplant. Die Wolfsburger wollen im Ringen mit den Japanern vielmehr einen langen Atem beweisen: "Wenn bei Suzuki die aktuelle Führungsmannschaft nicht mit uns zusammenarbeiten will, dann will es vielleicht die nächste Generation", sagte Winterkorn. Suzuki hatte die Zusammenarbeit mit VW am Freitag einseitig aufgekündigt und erklärt, binnen eines Jahres bis zu 20 Prozent seiner Aktien zurückkaufen zu wollen, die VW derzeit hält. Sollte VW die Anteile nicht an Suzuki oder eine dritte Partei abgeben, will der viertgrößte japanische Autobauer einen Schlichter anrufen. (APA)

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    Martin Winterkorn

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