"Die Iraner wollen ihr Regime loswerden"

Blog20. November 2011, 20:54
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Der israelische Journalist Menashe Amir spricht übers Radio zu den Menschen in seiner zweiten Heimat, dem Iran

In Israel hält man tendenziell wenig vom Iran und seinem Regime. Das war nicht immer so. Und das weiß der israelische Journalist Menashe Amir, der seit drei Jahrzehnten übers Radio zu Hörern im Iran spricht. „Der Iran hat vor der Revolution von Israel profitiert. Heute sind die beiden Länder Erzfeinde", sagt Amir, der schon seit 55 Jahren als Journalist arbeitet.
Sein Programm am staatlichen Sender Kol Israel sendet in Farsi und erreicht auch heute noch viele Menschen im Iran.

Der Sender wird zwar zunehmend durch BBC World und andere ausländische Programme die in iranischer Landessprache senden verdrängt, soll aber in den 80er Jahren während des Iran-Irak Krieges die wichtigste Informationsquelle für Iraner gewesen sein. „Als Saddam Hussein im Iran einmarschierte, haben Iraner Kol Israel gehört, wenn sie wissen wollten, ob sie noch einen Tag in ihrem Haus bleiben können, oder schon bald die Raketen einschlagen", erzählt Amir. Von Funkstille will er noch nichts wissen, auch wenn er nicht mehr wie früher Direktor des persisch-sprachigen Programms ist, sondern ein aktiver Rentner.

Abgesehen vom Radio sei jeglicher Kontakt zum Iran unmöglich geworden. „Würde ich in den Iran einreisen, käme ich wohl nur im Sarg wieder zurück", meint Amir. Außerdem steht auch in Israel Strafe auf Reisen ins Feindesland.

Immerhin leben heute zwischen 150 und 200 Tausend persische Juden in Israel. Sich hier auch als Iraner zu fühlen, das sei nicht immer leicht. „Die aktuelle Lage macht mich traurig. Israel ist mein zu Hause, aber genauso der Iran. Beide sind wie Mutter und Vater für mich", erklärt Amir nach einer Abendsendung in seinem Studio, das ein bisschen wie ein Museum anmutet: An der Wand hängen alte Bilder, die den damals 17-jährigen Menashe im Gespräch mit französischen Models zeigen. Schon damals war er Journalist und Charmeur.

Dass es bald zu einem israelischen Angriff auf den Iran kommen könnte, stimmt den geborenen Iraner traurig. Und er hält die Militäroption für unzulänglich. Wenn schon angreifen, dann zumindest nicht allein, sondern mit Unterstützung von USA und EU, erklärt er. Aber gibt es aus der Sicht Israels eine Alternative? „Ja", sagt Amir, „zwei gewaltlose Alternativen gibt es, die jedoch nur im Zusammenspiel Veränderung bringen." Die erste sei eine Vertiefung der Sanktionen. „Das würde das Regime schwächen, aber nicht lähmen." Doch wenn gleichzeitig die USA die iranische Opposition in einem Aufstand unterstützen würden, könnte diese im richtigen Moment auf die Straße zurückkehren. Eine grüne Revolution auf Wunsch der CIA also?

„Die Iraner wollen dieses Regime loswerden", sagt Amir selbstsicher. Nur die Rahmenbedingungen seien noch nicht so weit. Wird Bashar al-Assad in Syrien gestürzt, könnte letztlich auch die iranische Bevölkerung wieder aufwachen. „Die Menschen hassen Präsident Ahmadinedschad. Er ist ein großer Lügner. Und die Leute wissen, dass seinen kindischen Aussagen die wahren Argumente fehlen", meint Amir, der zum letzten Mal vor der iranischen Revolution in der seiner zweiten Heimat war.

Wenn sich zwei Regime hassen, muss sich nicht automatisch auch die Bevölkerung hassen. Amir bleibt optimistisch: die Iraner seien selbst nach 33 Jahren anti-israelischer Propaganda nicht zu automatisierten Feinden Israels geworden. Auch in Israel vergisst man schnell, dass sich hinter dem iranischen Vorhang auch Menschen verstecken, mit denen Israel Jahrzehntelang Kontakt pflegte. Menashe Amir ist sich seiner besonderen Rolle als Stimme zweier getrennter Welten bewusst, und erzählt zum Schluss, worin er seine Verantwortung sieht: „Immer wenn ich Fernsehauftritte habe, oder israelische Politiker treffe, sage ich eines: ihr müsst das Regime und die Menschen auseinanderhalten."

  • Menashe Amir bei der Arbeit im Kol Israel Studio in Jerusalem.
    foto: hackl

    Menashe Amir bei der Arbeit im Kol Israel Studio in Jerusalem.

  • Artikelbild
    foto: hackl
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