Österreich-Beschimpfung

20. November 2011, 20:00
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"Ihr Österreicher habt uns da mal einen rübergeschickt, der uns Ordnung beigebracht hat", sagte der Rapper bei einer ORF-Gala

Rapper Sido hat seine "große Chance" genutzt. Bei einer Veranstaltung der Werbewirtschaft ergriff der Rapper und Showjuror die Gelegenheit und stellte sein Talent unter Beweis: Wie lande ich eine kalkulierte Provokation, auf die der Boulevard am nächsten Tag Gift und Galle spuckt? "Ihr Österreicher habt uns da mal einen rübergeschickt, der uns Ordnung beigebracht hat." Zack, schon ward es geschehen, Applaus, Applaus!

Der Zeitpunkt dieses bescheuerten Sagers ist vermutlich nicht zufällig gewählt: Marketingprofi Sido bildet demnächst in einer Dokusoap Nachwuchsrapper aus, und vielleicht plagt ihn ein unguter Verdacht. Dass nämlich die Quotenerfolge des ORF mit Die große Chance zu einem Gutteil nicht auf seinem Mist gewachsen sind, sondern eher doch den Talenten zuzurechnen waren. Wie dem auch sei: Insofern ist Sido nicht Hitler-Verehrung vorzuwerfen, sondern höchstens hemmungslose Gier nach der Quote, und damit ist er nicht allein. Die Rechnung ging auf, der ORF darf sich auf Aufmerksamkeit zum Sendestart freuen.

Österreich-Beschimpfung kam noch nie gut an, wir erinnern an Alfons Haider, der Österreich als "verschissenes und verlogenes Land" bezeichnete und über den sich medial Pech und Schwefel ergossen. Die Österreich-Beschimpfung eines Deutschen über ein Land, das gewohnt ist, selbst Deutsche zu beschimpfen: Das geht aber nun doch zu weit! Noch dazu, da jetzt auch Töchter hymnisch besungen werden und sich beleidigt fühlen dürfen: Österreicherinnen und Österreicher: Empört euch!

Oder aber, um es mit Handke zu sagen: "Das Fette, an dem ich würge: Österreich." (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 21.11.2011)

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    Sido.

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