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Lila Ausreißer in einer Stadt, die ansonsten Grün trägt.
Im Café in der Altstadt Bremens sitzt ein Werder-Fan und schimpft fürchterlich. "0:5, das habe ich mir nicht verdient. Seit 15 Jahren gehe ich zu Spielen. Ein richtige Klatsche". Er fuchtelt mit dem "Kurier am Sonntag" herum und zeigt auf das Bild des Jammers, mit dem das Lokalblatt an diesem Tag die Seite 1 schmückt: Werder-Trainer Thomas Schaaf, der sein Gesicht in seinen Händen vergräbt. "Klatsche", sagt er immer wieder. Das soll auch der Trainer gesagt haben.
So etwas nennt man Trauerarbeit. Inmitten von Familien, die nach Sonntagsausflügen schnell einen Kaffee oder besser gesagt etwas, was als solches bezeichnet wird, trinken, wirkt der Leidende zwar skurril, aber man lässt den Mann in Ruhe. Die Bremer sind tolerant, was Fußball betrifft. Über die andere große Niederlage in diesen Tagen, den lange Zeit recht lockeren Umgang Deutschlands mit Neonazi-Terror, will der Fan lieber nicht sprechen: "Hör mir mit dem auf! Das ist ja nur mehr peinlich!"
Irgendwie ist Bremen an diesem Sonntag trotzdem recht normal. Dramatische Fußball-Niederlagen können, wie man als gelernter Österreicher ja weiß, überall passieren. Neonazis gibt es leider auch in vielen Ländern. Und die Bremer Stadtmusikanten stehen auch immer noch dort, wo sie immer standen - mitten in der Altstadt. Kinder wollen raufklettern, Touristen fotografieren die Skulptur, kaufen Ansichtskarten und essen Pommes mit Mayo. Dazwischen bauen gerade Weihnachtsstand-Besitzer ihre Buden auf.
Eh alles keine Überraschung. Der österreichische Wissenschaftsjournalist wollte ja auch nur wissen, wie die Stadt im Norden Deutschlands ausschaut, ehe er ab morgen die achte Ausgabe der "Wissenswerte" besucht und von in der Früh bis spätabends in Workshops sitzt. Auf dieser Konferenz zum Thema "Wissenschaftskommunikation" wird es sicher viele kluge Vorträge von klugen Menschen geben, möglicherweise wird auch Blabla darunter sein, aber im Großen und Ganzen sollten die Teilnehmer danach schon mehr wissen und ein paar Antworten auf bestimmte Fragen geben können: Wie vermittelt man Themen zu Forschung und Innovation? Welche Sprache muss man dabei sprechen? Was muss man wissen, wenn man sich eines Wissenschaftsthemas annimmt? Heißt Wissenschaftsjournalismus nur schreiben, was Forscher in Fachmagazinen wie "Science", "Nature" oder "Cell" publizieren, wie es im deutschsprachigen Raum relativ häufig passiert, oder darf es doch ein bisschen mehr sein? Für das Verständnis einer Arbeit kann es doch ziemlich nützlich sein, wenn man weiß, wie sie zustande kommt und wer sie finanziert hat. Man denke nur an die Pharma-Branche.
In Deutschland zu einer Wissenschaftsjournalismus-Tagung zu gehen, heißt aber zunächst auch: die Zeitungen und Zeitschriften des Landes, die man bei der Arbeit nicht jeden Tag vor sich hat, durchblättern und nach Wissenschaftsberichten suchen. Die "Welt am Sonntag" analysiert etwa, warum "Deutsch in der Wissenschaft" ausgedient hat, warum nur mehr "Wert hat, was in Englisch verfasst wird" (weil es logischerweise die weltweite Wissenschaftssprache ist). Viel interessanter ist noch, warum Forschungsergebnisse kaum noch in einer Alltagssprache diskutiert werden. "Das hängt weite Teile der Gesellschaft ab", schreibt die "Welt am Sonntag". Recht hat sie. Wie man diese Situation ändern kann, darüber berichtet die Zeitung nicht konkret. Wohl aber zitiert sie zwei Herren, die mit ihren Aussagen wohl recht haben: "Die Gesellschaft trägt die Wissenschaft und erwartet zu Recht, deren Ergebnisse versstehen zu können", soll der deutsche Bundespräsident Christian Wulff bei einem Kongress mit dem Titel "Deutsch in den Wissenschaften" gesagt haben. Und das zweite Zitat: Guy Deutscher, Sprachwissenschafter in Manchester, soll Respekt vor der Sprache als Erkenntniswerkzeug gefordert haben.
In diesem Sinn geht es wohl nicht um Englisch oder Deutsch als Wissenschaftssprache, sondern eher um die Fähigkeit von Wissenschaftern, sich in einer klaren Sprache gegenüber den Journalisten auszudrücken, und um die Fähigkeit der Journalisten, das korrekt und in einer für den Leser verständlichen Sprache weiter zu geben. Das ist, wie man weiß, nicht immer einfach.
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die klare sprache können die wissenschaftsjournalisten schon kriegen, aber sie wollen ja nicht nur klar, sondern auch kurz. das geht allerdings nur sehr selten. als wissenschaflter muss man einsehen: man kann viele dinge nicht so erklären, dass sie jeder journalist und jeder medienkonsument versteht. man kann sie nur so erklären, dass sie glauben, sie hätten es verstanden. die große kunst besteht darin, vorherzusehen, was ein journalist aus einem interview oder einer gemailten zusammenfassung machen kann und dann sein statement so zu formulieren, dass fuer den journalisten weder anreiz noch möglichkeit besteht, daran viel zu ändern oder zu kürzen. kurz: am besten ist es, man formuliert so gut, dass sie es fast 1:1 übernehmen können.
Finde ich gut, dass ihr das macht. Dann liest man hier in Zukunft vielleicht weniger der mehr als Werbung gedachten, von einschlägigen Formen finanzierten Studien.
In diesem Sinne würde ich einen freundlichen Krieg der Wissenschaftsressortsleute gegen die von "Gesundheit" begrüßen...der Artikel zur neuesten Actimelstudie war schon mehr als peinlich.
hätten's ja auch selber auf den Essener Kongress vorletzte Woche gehen können: http://www.goethe.de/lhr/prj/d... eindex.htm
Es waren u.a. Leute aus Kanada, Indien, Brasilien und Australien dort - von Wien aus wär' sich das auch noch ausgegangen, Herr Iletschko.
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