Nachwuchshoffnung

Kommentar20. November 2011, 18:22
6 Postings

Vielleicht bleibt Josef "Joschi" Ackerl noch etwas länger rote Nachwuchshoffnung

Lange hat man sich vonseiten der roten Parteispitze in Schweigen gehüllt. Keine Details zum Reformprojekt "morgen.rot", keine - sonst in der Politik so beliebte - Zwischenbilanz. Die rote Verschlossenheit als Spannungsgarant. Mit dem Ziel, den nach der Wahlschlappe 2009 verschnupften Genossen ein Gefühl zu vermitteln, als würde nach zwei Jahren Morgenrot in der Abenddämmerung Bruno Kreisky auferstehen - und alles wird gut.

Doch gut ist noch lange nichts, und Kreisky musste am Parteitag der SPÖ Oberösterreich in Wels lediglich als in Krisenzeiten gerne zitierter Übervater herhalten. Das Ziel ist parteiintern noch in weiter Ferne, landespolitisch jedoch gefährlich nah. 2015 muss die SPÖ die nächste Landtagswahl schlagen. Die Zeit drängt - aber allein über zwei Jahre hat es jetzt gedauert, wieder bei der Basis anzudocken. Und viele Genossen stehen auf dem Steg, im Boot sind sie noch lange nicht.

Um an der Wahlurne wie Phönix der Asche zu entsteigen, braucht es mehr als einen Parteitag mit flotter Inszenierung. Dafür sind ein neues Logo, eine SPÖ-App und ein inzwischen altersmilder Parteichef zu wenig. Erneuerung heißt vor allem neue Gesichter, ein Nachfolger ist aber nicht in Sicht. Ab 2013 ist der Chefsessel in der Partei frei. Aber vielleicht verliert der Agnostiker Josef "Joschi" Ackerl noch den Glauben an seine Politpension und bleibt noch etwas länger rote Nachwuchshoffnung. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.11.2011)

Share if you care.