Bitterer Punschgeschmack

Kommentar20. November 2011, 18:14
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Nach der Androhung von Protesten dürfen zumindest Augustin-Verkäufer nun doch auf dem Rathausplatz ihr Blatt anbieten

Unter verschiedenen Vorwänden wurde den Verkäufern nichtkommerzieller Straßenzeitungen also untersagt, auf Wiener Christkindlmärkten ihrer Tätigkeit nachzugehen. Nach der Androhung von Protesten dürfen zumindest Augustin-Verkäufer nun doch auf dem Rathausplatz und auf einigen anderen Adventmärkten ihr Blatt anbieten. Dass dieses Verbot in Teilen nach wie vor besteht und überhaupt darüber debattiert werden muss, ist aber eine Schande.

Es ist die kälteste Zeit des Jahres und für Menschen ohne Obdach die härteste Zeit. Jeder Euro für eine warme Mahlzeit ist von besonderem Wert. Doch offenbar erscheint es den Verantwortlichen wichtiger, durch das Aussperren Bedürftiger aus der Glitzerweihnachtswelt Konsumenten beim Geldausgeben nicht zu irritieren.

Gerade in der Zeit vor Weihnachten greift so mancher - mit welchem Motiv auch immer - beim Spenden etwas tiefer ins Börsel.Warum sollen Menschen, die auf diese Hilfe angewiesen sind, davon nicht ein wenig profitieren? Hinzu kommt, dass im innerstädtischen Wien "Fröhliche Weihnachten überall" mit Betonung auf "überall" gilt: kaum ein Platz, auf dem sich nicht Standl an Standl reiht. Bedürftigen dorthin den Zutritt zu verwehren ist - wenn die Wochen vor dem 24. Dezember auch noch für ein bisschen was anderes stehen als Konsum- und Punschrausch - alles andere als weihnachtlich. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.11.2011)

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