Durch Spielen entzaubern

Mathematik ohne Angst

20. November 2011, 17:56
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    foto: apa/leonhardt

    In Österreich fehlt es an Mathelehrern. Das Angstfach der Schüler soll jetzt mithilfe von Spielen entzaubert werden.

     

Für jeden dritten Volksschüler ist Mathe ein Problem - Das Angstfach der Schüler soll jetzt mithilfe von Spielen entzaubert werden

Innsbruck - Eine Gruppe Volksschüler aus Tulfes sitzt um einen Tisch. Mathematikstudent Michael versucht im Lärm zu erklären, worum es geht. Grüne und blaue Fünfeck-Elemente aus Plastik sollen zusammengebaut werden. Nico hört nichts davon. Er brüllt: "Ich baue eine Hütte! Ich brauch noch mehr Teile!" Die zehnjährige Leonie behauptet, Mathe eigentlich nicht schlimm zu finden. Besonders toll findet sie es aber auch nicht. Für Fünfeck-Elemente interessiert sie sich allerdings überhaupt nicht. Warum sie hier ist, weiß sie auch nicht.

Aufsichtsstudent Michael versucht es weiter: "Man kann verschiedene geometrische Körper bauen ..." Nico hat mittlerweile seine Hütte vollendet und will einen Kartonwürfel mit seinem Kopf zerstören. Es wird weit in die Zukunft gedacht, in der Aula der Handelsakademie (HAK). Denn es braucht künftig mehr Mathematiklehrer, vor allem für die Neue Mittelschule (NMS). Und gefragt sind mehr Absolventen technischer Studien, vor allem weibliche. Deshalb gibt es noch eine Woche lang die Aktion "Mathe Cool": Das Angstfach Mathematik soll entzaubert werden. Täglich sind im Eineinhalb-Stunden-Takt mindestes acht Volksschulklassen zu Besuch in der HAK-Aula und testen Mathe "haptisch", erklärt die Direktorin Karin Peter. An den vier Stationen werden Legespiele geübt, sogenannte platonische Körper gebaut oder Scheiben umgeschichtet. Besonders begabte Kinder spielen Imaginary am Bildschirm mit Touchscreen.

"Vor Mathematik muss man keine Angst zu haben", beruhigt die Landesschulinspektorin für Allgemeinbildende Höhere Schulen (AHS), Adolfine Gschliesser: Man brauche Mathe doch überall. Die Angst scheint nicht unbegründet, gilt doch jeder dritte Zehnjährige laut dem Volksschulleistungstest (TIMMS 2007) als Mathematik- Risiko-Schüler, sagt Gschliesser.

Der ehemalige Leiter des Instituts für Mathematik an der Uni Innsbruck und Projektleiter von "Mathe Cool" ist kleinlaut. Das System sei mit schuld, dass Mathe so ein Angstfach sei. Da werde nur mit Zahlen jongliert. Durch Ausstellungen wie diese könne er in der Pension etwas "wiedergutmachen". Damit Mathematik kein Angstfach bleibt. (ver, DER STANDARD, Printausgabe, 21.11.2011)

Kommentar posten
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f.j.neffe
 
00
22.1.2012, 15:37
Wachsen, um dem Leben gewachsen zu sein

MATHEMATIKE war bei den alten Griechen die LERNBEGIERDE. "Chairete o mathaetai" grüßte unser Griechischlehrer "Freut Euch, o Lernbegierige!"
ANGST kommt von lat. "angustum = ENG". Eng wird es durch DRUCK. Spiele mildern den Druck zeigen aber, dass das KERNproblem noch nicht erkannt ist.
Die neue Ich-kann-Schule geht deshalb den Weg der SOG-Wirkung. Unter Druck wächst nämlich nichts. Sog richtet auf, macht wachsen, löst und man kann mit ihm die Kräfte punktgenau lenken. Wenn der Mensch WÄCHST, wächst er auch über die Angst hinaus.
Drum gilt in der Ich-kann-Schule: Persönlichkeitswachstum vor Sachaufgabe! Wenn man der Aufgabe GEWACHSEN IST und SICH GEWACHSEN FÜHLT, schwindet die Angst.
Freundlich grüßt
Franz Josef Neffe

Barbara G
01
7.12.2011, 21:25
... versucht mit dem Kopf eine Schachtel zu zerstören...

na danke, das erklärt doch warum die Kinder immer weniger können.... Man müsste doch wirklich mehr die Eltern in die Pflicht nehmen, ihre Kinder auf die Schule (Benehmen!!!) vorzubereiten! Hut ab vor den bemühten Lehrern, die da sogar noch neue Unterrichtsformen wie im obigen Artikel ausprobieren wollen - ich hätte längst das Weite gesucht!

stall
01
23.11.2011, 06:14
die nächste generation

wird keine orbit mehr bekommen, wenn sie nichts mehr kann außer handy bedienen.

Orbit Ohne Zucker
01
22.11.2011, 21:07
ich bin bei "Adolfine" hängen geblieben...

... ;-) ja, sorry.

ich finde der weg über die praktische anwendung führt nicht unbedingt zum ziel. denn tatsächlich "braucht" man nicht viel mathematik im normalen leben (+,-,*,/ und % decken ca. 99% ab)

wozu "brauche" ich ein gedicht, schöne musik oder ein bild?

Mathe ist für mich mehr eine Kulturtechnik, die wir uns über viele Jahrhunderte erschaffen haben. Da gehts um Abstraktion und um das Schaffen von Gedankenwelten, die in sich schlüssig sind - ums Lösen von Problemen. Manche davon sind lebenspraktisch und viele nicht.
Es ist einfach eine bestimmte Art zu denken, die man lernen und trainieren kann.
Und besser denken können ist einfach immer von Vorteil :-)

F.A.H.
00
22.11.2011, 15:35
Mathematik mögen lernen...

Bis vor einigen Jahren mochte ich Math. auch nicht besonders. Doch während der Oberstufenzeit hatte ich das Glück, sehr kompetente Lehrer in den Fächern Mathe, Chemie, Physik zu haben, welche mir sehr eindrucksvoll und prägend den wahren Wert und Nutzen des Faches Math lehrten.
Sei es in der Physik, wo einem math. Verständnis zu neuen Forschungsergebnissen bringt, oder in ganz alltäglichen Dingen, wie bsp. Sparbücher und Schulden. Wer z. B. nie verstanden hat, wie exponentielles Wachstums funktioniert, wird auch nie verstehen, wie unsere 'Zinseszinssytem' abläuft...

Mann muss kein Mathe-Genie sein, man sollte wenigstens versuchen es zu 'lernen' zu wollen, dann klappt es auch.

mikromalist
 
00
22.11.2011, 13:49
Es ist schon toll, wie wir Mathematiker

es geschafft haben, den Mythos, Mathematik sei schwierig, über hunderte von Jahren aufrecht zu erhalten.
Es wurde hier schon angesprochen: ich war in Math immer schlecht ...

Dazu eine kleine wahre Geschichte: Ein Experiment von Dan Ariely - http://danariely.com/

Asiaten sind "bekanntlich" gut in Math. Und Frauen schlecht, oder?
Eine grössere Anzahl asiatischer Frauen in 2 Gruppen geteilt.
Die eine am Vormittag mit asiatischen Fragen bombardiert. Die andere mit Frauenfragen.
Am Nachmittag: Prüfung mit Mathematikfragen.

Wer hat besser abgeschnitten?
Trommelwirbel - Richtig, jene deren Gehirn asiatisch verankert wurde.

Übrigens, Computer können heute Math besser als viele M

http://www.wolframalpha.com/input/?i=... 2B+y+%3D+0

eva tretter
00
22.11.2011, 10:00
mathe

mathe ist genau so wichtig die erwerb der sprache. also es ist wichtig dass die kids gezielt in der kiga mit mathe arbeiten. mich hat zahlenland und entenland von prof.preiß total begeistert. hoffe, dass es mir gelingt die projekte in österreich umzusetzen.

3dGeist
00
21.11.2011, 19:48

Das größte Hindernis für Mathe ist die österreichische Gesellschaft.
Wer behauptet in Mathe immer schon schlecht gewesen zu sein erntet Anerkennung und Zustimmung.
Kinder die nicht Mathe lernen wollen werden von Eltern und Großeltern darin unterstützt indem sie ihnen sagen dass man das im richtigen Leben eh nie braucht.
Diejenigen die etwas können in Mathe werden als Streber beschimpft.

Dabei ist Mathe eigentlich das einfachste Fach: Wenn man es einmal richtig verstanden hat ist es sehr leicht und hilfreich. Man muss nur ausreichend üben.
Aber das wollen viele nicht wahrhaben.

Rosa Stahl
00
22.11.2011, 18:10

"Man muss nur ausreichend üben."

Das ist der eine Teil. Der andere besteht aus Lehrern, die bereit sind, mit ihren Schülern auch mal Beispiele zu rechnen,anstatt ihnen lediglich die Theorie an den Kopf zu knallen. Das betrifft schon so banala Dinge wie den Binomischen Lehrsatz udgl-

Wer nämlich keine kompetenten Eltern hat, oder solche mit genügend Geld, der kommt dann einfach bald nicht mehr mit.

Nadlehee
01
21.11.2011, 16:40

Ich erlaube mir an dieser Stelle auf ein österreichisches Lernspiel hinzuweisen:
www.nikisa.at

stall
11
21.11.2011, 15:35
wer schon als schüler

schwierigkeiten mit logik und abstraktion hat, hat auf einer höheren schule nichts zu suchen.

Barbara G
00
7.12.2011, 21:37
... Kinder zu nichts zwingen...

warum zwingen wir eigentlich so viele Kinder zum Besuch von höheren Schulen, die sie dann mit vielen Fünfern und total demotiviert wieder verlassen ... Es braucht wieder eine gute Alternative zur höheren Schule, in der sich "lernunwilligere" Kinder weiterentwickeln können ohne "Heulen" und "Burnout mit 16"!

Orbit Ohne Zucker
02
22.11.2011, 20:53
genau

weil schule ist ja nicht zum dazulernen da, sondern zum abprüfen des angeborenen wissens.
#kasperl

Damenräumlichkeit
11
21.11.2011, 15:53

wieviele kenn ich die wirkliche probleme in der schule hatten um durchzukommen und später im studium mit auszeichnung abschlossen.

solche aussagen sind unterste schublade!!!

Auge des Osiris
04
21.11.2011, 12:30

Unsere überraschende Erkenntnis in diesem Zusammenhang war, dass die Schüle gerade in Mathe die "ich habe das nicht verstanden"-Aussage schon in niedrigen Stufen hervorragend verwenden, um die Zeit des Unterrichts zu reduzieren. Im Zuge des Herdentriebes springen andere auch auf und in kurzer Zeit blöken alle, "das ist so schwer, das verstehen wir nicht".
Wenn man Unterstützung, Förderunterricht oder praktische Beispiele anbietet, haben es dann plötzlich alle verstanden und wollen davon nix wissen.
Dieses "ich habe da jetzt gar nix verstanden" funktioniert in anderen Fächern eben nicht so gut.

Grundsätzlich stimmt der Artikel aber - praktische Beispiele helfen dem Verständnis ungemein.

Karinkoller
16
21.11.2011, 11:12
Nützlicher Anschauungsunterricht anstatt reine Schikane

Als Kind dachte ich, Mathematik sei eine reine Schikane, die sich die Lehrer ausgedacht haben und die ich nie im Leben brauchen würde. Viele Leute denken akls Erwachsene noch so.
Das größte Problem ist, dass die Lehrer den Kindern nicht verständlich machen können, wofür das Rechnen (und andere Unterrichtsgegenstände) gut sein kann. In der Volksschule würde kleine praktische Beispiele Wunder bewirken. In einer höheren Schule die Verknüpfung von Mathematik und Naturwissenschaften.
Jede Verknüpfung von Unterrichsstoff und Lebensrealität der Kinder sorgt dafür, dass sich die Kinder mit dem Gelernten identifizieren und es sich auch merken können ( http://karinkoller.wordpress.com/2011/11/0... nupfung-2/ ).

euroschilling
01
21.11.2011, 13:10
Allerdings nicht ganz so simpel....

... denn die Verknüpfung von "Mathematik und Naturwissenschaften" erhöht manchmal die Probleme nur - denn dann müssen die SchülerInnen auch noch den naturwissenschaftlichen Teil verstehen / können. Eher benötigt wird differenzierter Zugang entsprechend den verschiedenen Persönlichkeiten der Schüler_innen -- schwierig, zugegeben.

Folgendes...
 
02
21.11.2011, 10:40
Es fehlen einfach die Spiele in der Schule...

Sehr empfehlenswert ist beispielsweise Tuxmath unter Linux. Das sieht ein bisschen aus wie Missile Command...

Von oben fallen Rechnungen runter - und bedrohen ein paar Tuxe. Man selbst steuert einen Tux, der am Kontrollpult die Lösung eingeben kann.

Schafft man genug Rechnungen - tanzt Tux.

Dieses simple Spielprinzip bewirkte, dass unser Kleiner über Tage mind. 1 Stunde pro Tag das Spiel spielen wollte... Und fleißigst übte :-D.

Alternativ: Unter "*" eine Applikation bauen, wo am Telephon Rechnungen gestellt werden, die man direkt am Telephon löst. Schafft man 5 fehlerfrei - steigt man in den nächsten Level. Sohnemann wollte über Stunden das Telephon nicht weggeben.

Warum werden in der Schule auch Gcompris und anderes nicht verwendet?

Plus Lucis
00
26.11.2011, 23:01

Gamification of life ist aber auch nicht ganz unproblematisch. Wenn das Kind dann später seinem eigenen Kind die Windeln wechseln muss, muss es sich zuerst ein Computerprogramm generieren, dass im Punkte für diese Tätigkeit gibt.

Knochenmann
00
22.11.2011, 11:05

Mein Dreijähriger kann "Katze" schreiben. Grund: Scribblenauts

metalwoman
00
21.11.2011, 17:27

Kenn ich, es gibt auch ein ähnliches Spiel zum Erlernen des 10-Finger-Systems.
Vielleicht sollte man nicht die ganze Mathestunde damit verbringen, aber für zuhause zum Üben ist es sicher geeignet. Nachdem nicht alle Eltern so findig sind, Lernspiele für ihr Kind zu suchen, sollte man sie als Lehrer jedenfalls darauf aufmerksam machen. Leider sind aber auch viele Lehrer nicht besonders PC-affin...

Halva von Flague
20
21.11.2011, 10:37
Problem Lehrer

Ganz sicher sind auch die Lehrer zum überwiegenden Teil schuld daran, dass Schüler soviele Defizite in Mathematik haben.

Das Problem der Lehrer liegt ja schon darin, dass sie nicht einmal begreifen, dass Mathematik nichts anderes ist als pure Logik und sie nicht einmal die Grundstruktur eines einfachen logischen Schlusses beschreiben können.

Bei aller Abstraktheit fehlt natürlich auch der Praxisbezug im Unterricht. Selbst 10-jährige fragen sich, wozu brauch ich das eigentlich. Wenn ein Lehrer den Sinn und praktischen Zweck nicht vermitteln kann, dann erzeugt er automatisch schlechte Mathematiker, weil das Interesse mangels persönlichen Zweckes unweigerlich auf ein Minimum reduziert wird.

Selbst PI wird ohne Zusammenhang eingeführt.

nina yankow
00
21.11.2011, 12:16

und selbst jene inhalte, deren anwendungsmöglichkeiten einem 8-Jährigen am A... vorbeigehen, können so präsentiert werden, dass sie spaß machen.

Gobi Todic
00
21.11.2011, 10:28
Bei mir zwar schon zu spät

denn Mathe hat mich bei der Matura doppelt beschäftigt und dann auf der FH gekickt.

Würde mir wünschen dass es den jetzt 6jährigen nicht so ergeht!

Shanajio
01
21.11.2011, 09:21

Dazu ein Artikel in der Kleinen: http://tinyurl.com/cn2deam

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