Starkes Flutlicht

Kommentar20. November 2011, 17:49
7 Postings

In vergleichsweise kurzer Zeit haben sich die EU-Institutionen auf neue Vorschriften für den Großhandel von Strom und Gas geeinigt

Beim Fußball wird geholzt und gebolzt. Auf ein elegantes Dribbling folgt nicht selten eine ungustiöse Handlung. Das ist freilich Teil des Spiels. Die eine Aktion wird bejubelt, das andere Verhalten bestraft. Dass ein Foul nicht gesehen wird, weil die Sicht schlecht ist, kommt eigentlich kaum noch vor: Bei diffusem Licht wird Flutlicht zugeschaltet, und das leuchtet das ganze Spielfeld aus.

Was im Fußball Teil des Spiels ist, wird im Energiebereich noch nicht praktiziert. Der Großteil des Handels findet im Finstern statt. Manches Verhalten, das im Fußball ein klares Foul wäre, wird nicht sanktioniert. So kann etwa ein Kraftwerksbetreiber in Deutschland einen Stromhändler anrufen und sagen, wir haben ein technisches Problem, morgen fällt ein Kraftwerk aus, kauf heute noch ordentlich Strom zu. Und wenn der Strompreis tatsächlich steigt, weil das Angebot an dem folgenden Tag niedriger ist, lässt sich mit dem Verkauf von Strom ein schönes Extrageld verdienen. Diesem Treiben, das die Verbraucher teuer zu stehen kommt, wird nun endlich ein Riegel vorgeschoben.

In vergleichsweise kurzer Zeit haben sich die EU-Institutionen auf neue Vorschriften für den Großhandel von Strom und Gas geeinigt. Dies wohl auch aus der Erkenntnis heraus, dass der freie Markt nicht alles optimal regelt. Es gibt immer und überall Akteure, die nicht das Gemeinwohl im Auge haben, sondern allein ihre Brieftasche. Deshalb müssen Leitplanken her - und eine starke Flutlichtanlage. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.11.2011)

Share if you care.