"Ist nicht eine Aktion von ein paar Tagen"

20. November 2011, 17:08
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Die österreichische Speerspitze der Occupy-Bewegung befindet sich in Innsbruck: "Freundliche" Platzbesetzung mit Diskussion über gerechteres System

Innsbruck/Wien - So manchen Beobachter verwundert, dass die Occupy-Bewegung sich überall in Österreich in ein paar Demonstrationen erschöpfte - nur nicht in Innsbruck. Nach dem Beispiel New Yorks schlugen ein paar Tiroler auf dem Bozner Platz ihre Zelte auf und verharren seither trotz zunehmender Kälte.

"Der Kern der Gruppe hat schon früher über Dinge, die nach unserer Ansicht gesellschaftlich falsch-laufen, diskutiert", erläutert Georg Pleger, Sprecher von Occupy Innsbruck. Deshalb sei für die Innsbrucker von Anfang an klar gewesen: "Das ist nicht nur eine Aktion für ein paar Tage. Wir bleiben dran." Der Kern der Bewegung umfasst zwischen 15 und 23 Personen. Dazu kommen viele Sympathisanten, entweder via Facebook, oder sie spazieren vorbei.

Die Besetzung eines öffentlichen Raumes ist ein wichtiger Teil des Protests von Occupy, erläutert Pleger. "So wie sich Greenpeace an einen Schornstein gekettet hat, um gegen Umweltmissstände aufmerksam zu machen, ist die Besetzung eines Platzes ein wichtiges Zeichen."

Der Vorwurf, Occupy richte sich wenig konkret gegen "die da oben" oder "die Banker" und hätte keinen Forderungskatalog, geschweige denn ein fundiertes Theoriegebäude, lässt Pleger nicht gelten. "Der Prozess der Formulierung ist überall noch im Gang", erläutert er. Für den Austausch mit anderen Occupy-Gruppen, vor allem in Europa, nutzen die Aktivisten interaktive Web-2.0-Tools wie Twitter oder Wiki-Angebote, bei denen mehrere Personen an einem Text arbeiten können.

Mitte dieser Woche wollen die Innsbrucker einen Vier-Punkte-Katalog präsentieren. Die fertigen Forderungen anderer Occupy-Gruppen wie der Spanier oder der Deutschen werden gegebenfalls übersetzt und im Web publiziert (siehe Wissen bzw. Webtipps).

Ein Diskussionspunkt ist, wie groß die Distanz zu politischen Parteien sein soll. In Deutschland wurde bisher auf strikte Abgrenzung geachtet, sodass mancher arrivierte Politiker bereits erkannt hat, dass da Potenzial schlummert. Der frühere Linken-Chef Oskar Lafontaine ersuchte Occupy Frankfurt laut der Tageszeitung Die Welt, die Blockadehaltung gegenüber den Parteien aufzugeben. Pleger meint dazu, dass noch offen ist, ob "wir in die Parteien hineingehen oder ob die unsere Forderungen übernehmen".

Jedenfalls ist auf regionaler Ebene das Einvernehmen tadellos. Sowohl Polizei als auch Stadtpolitiker zeigten sich gegenüber dem kleinen Zeltlager auf dem Bozner Platz wohlwollend, selbst als die Bewilligung für die Besetzung auslief. Der Vorschlag, das Camp an den Stadtrand zu übersiedeln, wurde von den "Occupanten" der fehlenden öffentlichen Wahrnehmung wegen abgelehnt. Stattdessen übersiedeln sie am Montag in den Waltherpark im Zentrum am Inn. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.11.2011)

  • Was der Zuccotti-Park in New York war bisher der Bozner Platz in 
Innsbruck: Drehscheibe der Occupy-Aktivisten. Am Montag wird in den 
Waltherpark übersiedelt.
    foto: thomas ruzicka

    Was der Zuccotti-Park in New York war bisher der Bozner Platz in Innsbruck: Drehscheibe der Occupy-Aktivisten. Am Montag wird in den Waltherpark übersiedelt.

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