#Occupy Österreich

"Ist nicht eine Aktion von ein paar Tagen"

Johanna Ruzicka , 20. November 2011, 17:08
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    foto: thomas ruzicka

    Was der Zuccotti-Park in New York war bisher der Bozner Platz in Innsbruck: Drehscheibe der Occupy-Aktivisten. Am Montag wird in den Waltherpark übersiedelt.

Die österreichische Speerspitze der Occupy-Bewegung befindet sich in Innsbruck: "Freundliche" Platzbesetzung mit Diskussion über gerechteres System

Innsbruck/Wien - So manchen Beobachter verwundert, dass die Occupy-Bewegung sich überall in Österreich in ein paar Demonstrationen erschöpfte - nur nicht in Innsbruck. Nach dem Beispiel New Yorks schlugen ein paar Tiroler auf dem Bozner Platz ihre Zelte auf und verharren seither trotz zunehmender Kälte.

"Der Kern der Gruppe hat schon früher über Dinge, die nach unserer Ansicht gesellschaftlich falsch-laufen, diskutiert", erläutert Georg Pleger, Sprecher von Occupy Innsbruck. Deshalb sei für die Innsbrucker von Anfang an klar gewesen: "Das ist nicht nur eine Aktion für ein paar Tage. Wir bleiben dran." Der Kern der Bewegung umfasst zwischen 15 und 23 Personen. Dazu kommen viele Sympathisanten, entweder via Facebook, oder sie spazieren vorbei.

Die Besetzung eines öffentlichen Raumes ist ein wichtiger Teil des Protests von Occupy, erläutert Pleger. "So wie sich Greenpeace an einen Schornstein gekettet hat, um gegen Umweltmissstände aufmerksam zu machen, ist die Besetzung eines Platzes ein wichtiges Zeichen."

Der Vorwurf, Occupy richte sich wenig konkret gegen "die da oben" oder "die Banker" und hätte keinen Forderungskatalog, geschweige denn ein fundiertes Theoriegebäude, lässt Pleger nicht gelten. "Der Prozess der Formulierung ist überall noch im Gang", erläutert er. Für den Austausch mit anderen Occupy-Gruppen, vor allem in Europa, nutzen die Aktivisten interaktive Web-2.0-Tools wie Twitter oder Wiki-Angebote, bei denen mehrere Personen an einem Text arbeiten können.

Mitte dieser Woche wollen die Innsbrucker einen Vier-Punkte-Katalog präsentieren. Die fertigen Forderungen anderer Occupy-Gruppen wie der Spanier oder der Deutschen werden gegebenfalls übersetzt und im Web publiziert (siehe Wissen bzw. Webtipps).

Ein Diskussionspunkt ist, wie groß die Distanz zu politischen Parteien sein soll. In Deutschland wurde bisher auf strikte Abgrenzung geachtet, sodass mancher arrivierte Politiker bereits erkannt hat, dass da Potenzial schlummert. Der frühere Linken-Chef Oskar Lafontaine ersuchte Occupy Frankfurt laut der Tageszeitung Die Welt, die Blockadehaltung gegenüber den Parteien aufzugeben. Pleger meint dazu, dass noch offen ist, ob "wir in die Parteien hineingehen oder ob die unsere Forderungen übernehmen".

Jedenfalls ist auf regionaler Ebene das Einvernehmen tadellos. Sowohl Polizei als auch Stadtpolitiker zeigten sich gegenüber dem kleinen Zeltlager auf dem Bozner Platz wohlwollend, selbst als die Bewilligung für die Besetzung auslief. Der Vorschlag, das Camp an den Stadtrand zu übersiedeln, wurde von den "Occupanten" der fehlenden öffentlichen Wahrnehmung wegen abgelehnt. Stattdessen übersiedeln sie am Montag in den Waltherpark im Zentrum am Inn. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.11.2011)

Kommentar posten
23 Postings
Messknecht
 
10
21.11.2011, 09:16

Da stehen sie nun in ihren peak performance jacken, mit ihren macbooks in der hand und protestieren gegen die soziale ungerechtigkeit.

ich finds lustig, dass bei solchen aktionen niemals die menschen anwesend sind, die es eigentlich betrifft, wahrscheinlich weil sie arbeiten müssen oder sich gerade beim ams anstellen.

bedingungsloses grundeinkommen! damit sich jeder meiner bobo freunde eine wohnung in der innsbrucker innenstadt leisten kann!

Markierstift (gelb)
00
21.11.2011, 12:02

Ich verstehe natürlich, dass die Versuchung groß ist, sich über einen solcherart vorgetragenen Protest lustig zu machen, da es ja wirklich sehr ungerichtet und oft uninformiert ist.
Aber ich sehe es so: 1. niemand muss in Lumpen gehüllt, arm und hungrig sein, um auf Misstände aufmerksam zu machen. 2. "niemals die Menschen anwesend, die es betrifft"? - Sie kennen aber schon, die Zahlen zur Arbeitslosigkeit der Unter-25jährigen in Spanien, oder? Wenn 50% der Jungen arbeitslos sind, betrifft es bald jeden. In Österreich ist es noch nicht so schlimm, aber bei einer lang genugen Rezession und Sparmaßnahmen nimmt auch hier der Druck zu. Insofern demonstrieren hier schon die Richtigen.

sanjoaquin
 
21
21.11.2011, 07:31
Urkomisch, diese Occupysten

Und wenn mehr Demokratie umgesetzt und über einen Museumskubus, wie in Schruns, abgestimmt wird und das Ergebnis nicht den Erwartungen der Aktivisten entspricht, dann sind sie beleidigt und das Volk ist zu doof.

bAuminger
01
21.11.2011, 09:03
Du bist auch komisch :-)

Occupy Innsbruck
 
02
21.11.2011, 06:38
Die Brücke heißt ... ?

Guten Morgen!
Heute übersiedelt das Occupy Innsbruck Camp vom Bozner Platz in den Waltherpark beim Metropol-Kino. Vom Stadtzentrum kommend geht's über den Inn Richtung Norden. Wer weiß, wie die Brücke (demnächst) heißt?
Die Auflösung gibt's heute Abend :-)
Mit lieben Grüßen
Occupy Innsbruck - Wir sind die 99%

Occupy Innsbruck
 
01
21.11.2011, 17:30
Die Brücke heißt Inns`Brooklyn Bridge

In Solidarität mit Occupy Wall Street haben wir die Innbrücke kurzfristig umbenannt: Inns`Brooklyn Bridge.
Mehr dazu demnächst auf www.99prozent.info

Im Waltherpark sind wir gut angekommen :-)

Mit lieben Grüßen
Occupy Innsbruck - Wir sind die 99%

bAuminger
00
20.11.2011, 23:55
Diesmal

hat sich eine Journalistin die Mühe gemacht, den Pressesprecher zu kontaktieren und die Dinge etwas differenzierter zu betrachten.

Danke, Standard!

eknaDNovember
00
20.11.2011, 22:33
eknaDNovember
03
20.11.2011, 21:57
MM News

"Der Zerfall der herrschenden Ordnung und die Gefahr, die diese mit sich bringt sind jedoch nur Folgen einer unhinterfragten Gläubigkeit an ein Geld, das als eine verzinste Schuldanerkennung von den Banken aus dem Nichts geschaffen wird. Die Welt leidet an einem illusionären Paradigma und vermag deswegen nicht, die Krise zu lösen."
http://www.mmnews.de/index.php... ldillusion

Martin.H.
02
20.11.2011, 20:36
Eine sehr gute Zusammenfassung..

..der Zustände an den Weltbörsen:

http://pdf.zeit.de/2011/45/D... street.pdf

(etwas länger, aber auf jedenfall wert sich die Zeit dafür zu nehmen!)

Das können nur Leute zulassen, die entweder davon profitieren oder nicht begreifen, was für Konsequenzen dieses System hat.

Der Zweck der Börsen wurde vollkommen pervertiert. Die Finanzmärkte funktionieren nicht im Interesse der allgemeinen Bevölkerung. Das gehört endlich geändert und es frustriert, dass dies die Leute zu entscheiden haben, die vom jetzigen System profitieren.

santa fe
 
72
20.11.2011, 18:23

die 99%-bewegung muss sich auf überschaubare kernforderungen konzentrieren, auch wenn diese kontrovers sein sollten, um die öffentlichkeit in ihr anliegen zu involvieren.

demokratie-erneuerung ist nur möglich, wenn die menschen durch die beseitigung des lohnterrors ihre souveränität zurückerhalten, sonst wagt eben nur eine minderheit den widerstand.

BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN für alle,

finanziert von der FI, die sich damit demokratisiert und mit den 99% frieden macht statt sie weiter in ihr weltkriegsprojekt zu hetzen.

1% können nicht über 99% herrschen, wenn diese sich im widerstand einigen.

Voll in die Kaldaunen!
00
20.11.2011, 21:28
Schmeck'S!

Kaum gibt es eine parteiübergreifende Initiative, sehen die Parteien auch schon ein Wählerpotential und versuchen diese Initiative vor ihren Karren zu spannen ....

Stefan Maly
00
21.11.2011, 18:02

naja, das aufnehmen von sorgen, anliegen, vorschlägen, etc. gehört aber schon auch zu den aufgaben von parteien.

solange wir demokratisch organisiert sein wollen, muss dieser demokratische wille auch irgendwie gefunden werden - und dem dienen parteien (okay, sollten parteien dienen; dass der politische ist-zustand ein anderer ist, trifft zu)

Peter_23
86
20.11.2011, 17:25
Die nutzen "interaktive Web-2.0-Tools wie Twitter oder Wiki-Angebote", haben aber keine Vorstellung für was sie nun sind und was sie wollen.

Diese Occupy-Irgendwas haben schnell von den Managern gelernt: Es geht auch ohne Inhalte. Nur mit Geschwurbel.

Hauptsache viel Bla-Fasel und Selbstbeweihräucherung. Ziele? Vorstellungen? Ideen? Phaa, braucht doch keiner.

Occupy ist: "Wir besetzen halt mal dies, oder mal das, weil uns gerade nix bessere einfällt. Dazu ein wenig Tralala mit Tagträumen. Und dazwischen am Apple, ganz wichtig weil das so toll hype, ne bunte Web2.0-Klicki-Klicki und alles wird rosarot bunt."

Amüsant. Die 1960er-Hippies hätten ihre Freude daran. Mehr aber nicht.

bAuminger
00
21.11.2011, 09:08
Oje

Da ist wieder mal ein Zyniker schlecht gelaunt. Schade für dich!

oneoutofmany
04
20.11.2011, 18:29

Es gibt heute viele Maßnahmen, die von einer breiten Mehrheit getragen werden würden. Das zB gegen Steueroasen vorgegangen werden muss (inkl. Steuerflucht), Finanzmärkte reguliert werden müssen, Transaktionssteuer, Strafen für Grasser und Co, etc. Die Sache ist nur so, dass auch mit der besten Agenda diese ignoriert werden würde (von jeder Partei). Deshalb gehen die Leute auf die Straße. Außerdem frage ich mich bei derartigen Einwänden immer, wozu wir unsere Wirtschaftsexperten und Politiker bezahlen, wenn dann ohnehin vom Volk ein fertig ausgearbeitet Konzept kommen muss (das dann ignoriert werden würde). Aufzeigen wenn etwas falsch läuft ist schon gut so. Leider sehen das nicht alle so.

Erasmus von Mises
11
20.11.2011, 18:25
ironischerweise

nutzt Occupy genau jene Dinge, die durch das "System" erst geschaffen wurden, ziemlich exzessiv.

oneoutofmany
03
20.11.2011, 18:42

Ich würde mal sagen, die Sachen sind durch Arbeit geschaffen worden und nicht durch das System.

Erasmus von Mises
01
20.11.2011, 20:24
wie viel haben andere Systeme geschaffen?

in denen weitaus mehr gearbeitet wurde?

dumm gelaufen
02
20.11.2011, 18:21

Ich finde es eigentlich ehrlich von occupy dass sie ihre position erst gemeinsam erarbeiten. Es geht ja um kritik an komplexen systemen

LGM
00
20.11.2011, 18:26

Ehrlich mag es ja sein, aber so ist es purer Aktionismus, der im Nichts verpuffen wird und das Klima für eventuell später folgende echte Anliegen vergiftet, denn wer wird die Leute denn dann noch ernst nehmen?

Der Kluge
32
20.11.2011, 17:22

Oh, it's so amazing. Looks like the communist world revolution is coming!

Assassin's Creed
00
20.11.2011, 17:16
'Blueberry Pie Inschbruck!'

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