Comtel Air Gründer erhebt Vorwürfe gegen Neo-Chefs

20. November 2011, 16:06
14 Postings

Werner Frantsits: "Die Herrschaften haben in elf Monaten zunichte gemacht, was wir in 20 Jahren aufgebaut haben"

Wien - Sanochemia-Vorstandschef Werner Frantsits, der die in Turbulenzen befindliche Comtel Air mit aus der Taufe gehoben hat, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Haupteigentümer und den jetzigen Chef der Fluggesellschaft. "Die Herrschaften haben in elf Monaten zunichte gemacht, was wir in 20 Jahren aufgebaut haben", sagte Frantsits zur "Wiener Zeitung". Am Freitag ließ sich Frantsits als Mitgesellschafter aus dem Firmenbuch löschen. In Wien-Schwechat mussten Comtel-Air-Passagiere kürzlich bei einem Zwischenstopp direkt in der Maschine für den Weiterflug bar bezahlen. Das Geld war aber laut "Bloomberg" für eine ganz andere Maschine.

Er sei "von der Geschichte völlig überrascht" worden, sagte Frantsits zu der Zeitung. Er habe im Dezember die Mehrheit an Comtel an die indisch-österreichische Golden Air abgegeben, "die mussten dafür eine Kapitalerhöhung zeichnen". Auch habe er seine restlichen 25 Prozent an den jetzigen Comtel-Geschäftsführer Richard Fluck abgetreten. Laut aktuellen Angaben des Firmen-Compass war Frantsits selbst von 11. Jänner 1997 bis 18. November 2011 als Geschäftsführer des im Dezember 1996 gegründeten Bedarfsflugunternehmens Comtel eingetragen. Fluck scheint ab 14.12.2010 als Geschäftsführer auf.

"Offensichtlich aufs Kreuz gelegt"

Mit den Indern habe es eine Vereinbarung gegeben, dass sie noch 1,6 Mio. Euro in das Unternehmen einbringen, sagte Frantsits der Zeitung. Dieser Einschuss sei offenbar nicht erfolgt, obwohl das die Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der Indien-Linie gewesen wäre. "Fluck hat trotzdem die Flüge aufgenommen. Er hat den Fehler gemacht, dass er deren Zusicherung vertraut hat, und die haben ihn offensichtlich aufs Kreuz gelegt", sagt der frühere Comtel-Eigentümer. "Der Herr Fluck hat das vergeigt."

Comtel war Carrier für die britische Astonbury Ltd mit Sitz Ilford, Essex, die als "Skyjet" bzw. "Skyjet Travel" Tickets von Birmingham via Wien nach Amritsar (Indien) verkaufte. Kunden waren vor allem Sikhs, von denen rund 230.000 in Großbritannien leben. In Amritsar steht der Goldenen Tempel, eines der Heiligtümer der Sikh-Religion. Auf der Annahme, dass die Sikhs zumindest einmal im Jahr den Tempel besuchen, dürfte das Comtel-Modell aufgebaut gewesen sein, so die Zeitung.

Laut Frantsits sollten die Inder auch die Subleasingraten für zwei Boeing 575-200 der Mint Air begleichen. Unterm Strich blieb der Geschäftspartner Comtel aber 800.000 Euro schuldig. Von den britischen Indern dürfte kein Geld mehr kommen. Laut britischer Zivilluftfahrtbehörde CAA hat Astonbury/Skyjet das Geschäft eingestellt. Bei der CAA können Kunden ihre Forderungen anmelden.

Von den geschäftsführenden Gesellschaftern des Comtel-Haupteigentümers Golden Air GmbH (Wien) residiert Jeffrey John Wheeler (90 Prozent) auf der britischen Canvey Island (Essex), Kandra Bhupinder (10 Prozent) in Wien-Wieden in der Rainergasse. Bhupinder hat laut Firmen-Compass schon mehrere Firmen hinterlassen, die wegen Vermögenslosigkeit amtswegig gelöscht wurden oder in die Insolvenz schlitterten, wobei ein Konkurs mangels Vermögens abgewiesen wurde. (APA)

  • Comtel Air kommt nicht aus den Turbulenzen.
    foto: comtel air

    Comtel Air kommt nicht aus den Turbulenzen.

Share if you care.