Nürnberg-Hooligan vor Zug gestoßen

20. November 2011, 15:02
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Junger Mann verlor einen Arm - Rostock gegen St. Pauli: Ratlosigkeit und acht verletzte Polizisten

Nürnberg/Rostock - Am Wochenende gab es im Umfeld des deutschen Fußballs erneut gewalttätige Vorfälle. Ein Nürnberger Hooligan verlor bei einer Schlägerei mit Mainzer Fans im Kölner Hauptbahnhof einen Arm. Nach ersten Zeugenaussagen wurde der 19-Jährige am Samstagabend von einem anderem Schläger vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Er wurde notoperiert, die Ärzte konnten den Arm jedoch nicht retten. Der junge Mann ist nach Angaben der Polizei vom Sonntag aber außer Lebensgefahr. Das Opfer war der Polizei selbst als sogenannter "Gewalttäter Sport" bekannt und zur Personenkontrolle ausgeschrieben.

Ärger gab es auch beim brisanten Duell zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli (1:3) in der zweiten deutschen Bundesliga. Insgesamt wurden am Samstag zehn Personen verletzt, darunter acht Polizisten. Gegen 33 Randalierer wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Während es vor dem Spiel noch relativ ruhig geblieben war, wüteten nach dem Abpfiff frustrierte Hansa-Anhänger. Ein Streifenwagen der Polizei sowie drei Shuttlebusse der Gästefans wurden mit Steinen beworfen, dabei verletzte sich ein Hamburger Anhänger leicht.

Trotz einer polizeilichen Verfügung, die die Mitnahme von pyrotechnischen Produkten und Glasflaschen verbot, war die Situation im Stadion eskaliert. Nach dem 1:0-Führungstreffer der Gäste hatten Pauli-Anhänger Rauchbomben gezündet und Knallkörper abgeschossen, daraufhin flogen von einer Rostocker Tribüne Leuchtraketen in den Gästeblock. Der Schiedsrichter unterbrach die Partie daraufhin in der 41. Minute für zehn Minuten. Die Spielunterbrechnung war aber auch unliebsamen Vorfällen bei der Einlasskontrolle zurückzuführen. Als die ersten Pauli-Fans das Stadion erreicht hatten, stürmten sie die Kontrollpunkte und überrannten die Ordner. Rund 100 Personen waren so unkontrolliert in den Gästeblock gekommen.

"Unbelehrbar"

Der Verein ist trotz aller Vorkehrungen nicht in der Lage, dem Einsatz von Pyrotechnik und der Gewalt vorzubeugen", musste Hansas Vorstandsvorsitzender Bernd Hofmann eingestehen. Der Aufsteiger, dem nun harte Sanktionen durch den DFB drohen, verurteilte einmal mehr das Verhalten der Hooligans und bat in einer Pressemitteilung um Unterstützung. "Wir bitten die Verbände, die Politik und die Judikative, uns Vereine mit diesem gesamtgesellschaftlichen Problem nicht alleine zu lassen." Hansa-Trainer Peter Vollmann glaubt nicht an Besserung: "Diese Menschen sind unbelehrbar." 

In der Nacht vor dem Spiel hatten mehrere Vermummte das Rostocker Polizeihauptrevier mit Pyrotechnik und Steinen angegriffen. Die Polizei vermutet einen Racheakt: Am Freitag war ein Gewalttäter der Rostocker Fanszene nach einer "richterlichen Entscheidung zur Verhinderung von Straftaten" in Gewahrsam genommen worden, hieß es in einer Mitteilung. Verletzt wurde bei dem Angriff niemand, es entstand aber ein Sachschaden in Höhe von 5000 Euro. (sid/APA/red)

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