Schuldenkrise

Deutsche Regierung dringt auf schnelle Reform der Eurozone

19. November 2011, 18:38

Merkel: Verstöße gegen Stabilitäts- und Wachstumspakt ahnden - Finanzminister Schäuble fordert Fiskalunion der Euro-Länder

Berlin - Die deutsche Regierung dringt auf rasche Änderungen der EU-Verträge und will Strafen für Euro-Schuldensünder verankern. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Samstag, nur wenn sich Europa dazu durchringe, Verstöße gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt konsequent zu ahnden, könne verlorenes Vertrauen auf den Märkten zurückgewonnen werden.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble forderte Schritte hin zu einer raschen Fiskalunion der 17 Euro-Länder. Die Währungsunion solle möglichst schnell um Teile einer Fiskalunion ergänzt werden, sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur dpa.

In einer Fiskalunion könnten sich die europäischen Partner darauf verständigen, Rechte ihrer Haushaltspolitik an Brüssel abzugeben und sich den Vorgaben und Kontrolle bei der Ausgabenpolitik zu unterwerfen. Vor allem das Parlament hat bisher in der Euro-Schuldenkrise auf sein Königsrecht der Haushaltshoheit gepocht.

EZB soll sich nicht stärker engagieren

Schäuble wies Forderungen aus den Euro-Ländern nach einem stärkeren Engagement der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück: "Wenn wir die Vertrauenskrise überwinden wollen, schaffen wir das nicht dauerhaft, in dem wir die EZB in eine Rolle bringen, die in den Verträgen nicht vorgesehen ist."

Einige Ökonomen und Politiker hatten zuletzt gefordert, die Notenbank solle nicht wie bisher nur Staatsanleihen kaufen, die bereits im Umlauf sind, sondern auch aus erster Hand bei Schuldenstaaten wie Italien und Spanien zugreifen. Dafür müsste die EZB viel Geld in die Hand nehmen und voraussichtlich die Notenpresse anwerfen. Damit würde die Gefahr einer Geldentwertung steigen.

Selbst wenn es danach ein paar Monate ruhiger an den Märkten werden würde, bestünde dann die Gefahr, dass das Vertrauen in den Euro als stabile Währung untergraben würde und die Probleme nach kurzer Zeit wieder aufflackern würden, sagte Schäuble. "Die Notenbank ist nicht dafür da, Staatsschulden zu finanzieren. Wir haben vertragliche Regelungen. Wir haben eine unabhängige EZB. Punkt."

Fiskalunion

Der bessere Weg sei, jetzt eine Fiskalunion zu schaffen. "Das heißt aber nicht, dass wir kein Haushaltsrecht mehr haben", betonte Schäuble. Die Staats- und Regierungschefs sollten sich bei ihrem Treffen Anfang Dezember darauf verständigen, ein Verfahren zu Vertragsänderungen anzugehen. "Ein solcher Beschluss, mit einem klaren Ziel und Zeitplan würde dazu beitragen, die Finanzwelt und die Euro-Zone insgesamt zu beruhigen und zu stabilisieren."

Laut deutscher Bundesregierung könnte im Sommer ein Europa-Konvent einberufen werden, um bis Jahresende 2012 die Korrekturen an den EU-Verträgen unter Dach und Fach zu haben. Dann stünde noch die langwierige Ratifizierung in den 27 EU-Staaten aus.

Zu möglichen Strafen für Euro-Schuldensünder sagte Kanzlerin Angela Merkel auf einem Landesparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommerns in Levenhagen bei Greifswald, wer immer wieder die Stabilitätskriterien verletze, müsse auch vor dem Europäischen Gerichtshof zur Verantwortung gezogen werden können. Die EU müsse zeigen, dass sie auf neue Probleme neue Antworten finden könne. "Deshalb werde ich - und wird die Bundesregierung - auf begrenzte Vertragsänderungen hinarbeiten", bekräftigte Merkel.

Staatsanleihen

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bekräftigte seine Warnung vor einer weiteren Ausdehnung der Staatsanleihen-Käufe durch die EZB. "Ich glaube nicht, dass im Euroraum Vertrauen dadurch geschaffen werden kann, dass die Notenbank ihr Mandat überdehnt oder gar gegen die EU-Verträge verstößt", sagte Weidmann im Deutschlandradio Kultur. Aufgabe der EZB sei es, den Euro als stabile Währung zu erhalten.

Im Gegensatz zum Bundesbank-Präsidenten drängt etwa Wirtschaftsforscher Thomas Straubhaar zu einem verstärkten Einschreiten der EZB. Es bleibe nur noch die EZB als "Geld-Feuerwehr", um existenzielle Risiken für Stabilität zu verhindern, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagsausgabe). Der dramatische Substanzverlust in der Euro-Zone sei nicht mehr mit traditionellen Hausmitteln zu bekämpfen. In Italien, Spanien und jetzt auch in Frankreich und Österreich drohe der Kollaps, den nur die EZB noch verhindern könne, betonte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI).

Ähnlich äußerte sich Altkanzler Gerhard Schröder: Im Programm von MDR Info plädierte der SPD-Politiker dafür, der Europäischen Zentralbank notfalls einen unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen von Schuldnerländern zu erlauben. Es sei nötig, das dogmatische Verständnis der deutschen Politik in dieser Frage zu relativieren. "In letzter Konsequenz, wenn die Situation in Italien, Spanien und möglicherweise auch in Frankreich sich verschärft, wird die EZB deutlich machen, dass sie zur Verteidigung des Euros unbegrenzt intervenieren wird." (APA)

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CEEIT
00
21.11.2011, 08:45
Was alles ohne Volksbefragungen geht:

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/11/32894/

War das jemals ausgemacht?

Die Nationalstaaten schaffen sich ab.

Mostbluzza
00
21.11.2011, 10:37
zitat schäuble

seit 1945 ist deutschland nicht mehr souverän.

warum solls das dann heute sein?
jetzt schauns halt, dass sie sich ihre freiheit erkaufen, dann wirds interessant.

die briten ziehen ab, die anderen werden folgen, nach dem crash. sollte sich jemals wieder dt mit russland einig sein, wissen wir was bevorsteht.

aber davor, muss sich deutschland erstmal emanzipieren, das scheint ja gut zu laufen, man spricht wieder deutsch und alle sind verschuldet bei schland.

und die linken haben angst vor drei rechten terroristen. dabei sitzen die jungs alle in der regierung, den landesregierungen, den banken ....

millimetternich1
00
21.11.2011, 04:40
Geldpolitik und freier Kapitalverkehr

Deutschland will offensichtlich, dass die EZB kein Geld druckt um die Inflation niedrig zu halten.

Gleichzeitig drucken die Fed und die Bank of England wie verrueckt Geld. Was hindert Investoren aus diesen Laendern das frisch gedruckte Geld in Fremdwaehrung umzuwechseln? Wenn man sich die dortigen Wirtschaftsdaten anschaut, ist es hoechst ratsam in Fremdwaehrung zu investieren.

In welche FW koennten sie wohl investieren? China, Indien, Brasilien (und viele andere) haben Restriktionen - geht nicht besonders gut. Bei den grossen Waehrungen bleiben nur Euro + Yen (BoJ druckt auch Geld).

Daher kann die EZB Inflation ohnehin nicht verhindern. Sie hilft aber dankenswerter Weise, die Inflation in US/UK niedriger zu halten - sehr sinnvoll!

Horstl Schorschl
00
20.11.2011, 20:34
Diese Deutschen...

immer schnell schnell, einfach nur gehudelt.

Die sollten erstmal wieder zur Besinnung kommen, aus Afghanistan abziehen und sich zu Hause drum kümmern, das Rechtsextremisten innerhalb des Verfassungschutzes arbeiten.

Erst dann kann man dieses Land auch nur annähernd wieder ernst nehmen.

Mostbluzza
02
20.11.2011, 20:13
die maske ist gefallen

ein paar gustostückerl für jeden was dabei.
alles live von mr. schäuble himself, neulich beim grossen bankstertreffen.

viel spass und nicht ko**** wenns geht. über ein paar VT reden wir dann.

www.infokriegernews.de

obibiber
01
20.11.2011, 20:10

ent-liberalisierung des finanz-sektors

Jake Gittes
03
20.11.2011, 18:19

Mehr vom gleichen. Wird nichts nützen. Auch in Deutschland werden sie irgendwann aufwachen müssen.

wertbeständig
00
20.11.2011, 18:16

der Herr Straubhaar schwört auf die Führung der Finanzmeister der EZB. cool. echt cool.

was haben die denn für einen ethischen Grundsatz?

Peter_23
21
20.11.2011, 17:52
Änderungen der EU-Verträge -> Nach dem Versprechen von Hrn. Failmann bedeutet das eine Volksabstimmung in Österreich

Wissen das die Deutschen?

Nachdem der Failmann aber sicher gesehen hat, wie schnell sie auf EU-Ebene diesen Griechen weichgekocht haben, als der doch wirklich die Frechheit besessen hat und das Volk befragen wollte, wird der Failmann sicher sein Versprechen brechen. Nicht umsonst heisst er -> "failed".

Horstl Schorschl
00
20.11.2011, 20:36
Stimmt Strache oder Spindlegger wären natürlich besser....

da wärs dann "no na Part of the game" sich für eine stattliche Summe kaufen zu lassen und das ist ihrer Meinung dann besser !?

cookieberlin
23
20.11.2011, 20:15

Was für Sie jetzt ein wenig überraschend sein mag: Im europäischen Währungsgebiet gibt es nur repräsentative! Demokratien.
Mit diesem Begriff sollte sich auseinandersetzen, wer Demokratie mit einer absurd/naiven Version von Volksbefragung verbindet.
Und wenn: Eine "Volksabstimmung" in Deutschland wäre angesichts der riesigen deutschen finanziellen Lasten ähnlich eindeutig wie in Österreich...aber, sehr gelinde gesagt, wohl für den Euro das allein entscheidende Fiasko.
Deutschland und Österreich verbindet ein starkes gemeinsames wirtschaftliches und finanzielles Interesse.
Ob es hilfreich ist, mit dem Zeigefinger immer nur auf den Nachbarn zu zeigen und selbst frei von jeder Peilung zu sein...das sollte jeder sich selbst hinterfragen.

so so ....
12
21.11.2011, 01:11

Österreich verbindet mit jedem Euro-Mitglied das Bestreben, einen Kollaps zu vermeiden und Vermögenswerte nach Tunlichkeit nicht zu zerstören.

Weidmann, Merkel, Dobrindt ua. hingegen sind auf Droge und wollen in Europa die Friedman-Doktrin der 70er Jahre durchsetzen. Auf Teufel komm raus und zu deren eigenem Schaden.

Ausser Chile unter Pinochet hat das sonst niemand gemacht. Soviel zur Peilung einiger virtueller Gäste hier ...

Mostbluzza
00
21.11.2011, 10:32
na sie werfen ja mit schweren geschützen

herum und unterstellen den herrschaften neo-liberale gesinnungsversuche.

spitzenwitz zum tage. denken sie mal nach warum, nur weil internationalistische politik (auch noch durch die cdu, csu ist ja schon abgesprungen) und internat. bankwesen gemeinsam schuldig sind (somit komplizen des derzeitigen welt-finanzsystems und der somit der folgen) heisst das noch lange nicht, dass wir hier von (neo)liberalen ideen sprechen, die von der fdp verraten wurden (als lobbyingsekte).

wobei der unterschied der liberalen denkensweise (in seiner gesamtheit) und des opportunistischen ökon. liberalen tortenstücks des irren milton friedmans ja auch noch zu diskutieren wäre.

reste des liberalismus gibts noch in der ch und gb.
mehr gabs auch nie in der eu.

so so ....
00
21.11.2011, 11:05

genauso wie viele andere schwimmen Sie hier in Konzepten, Begriffen und Zielvorstellungen. Mag man niemand verübeln.

Die deutsche Bundesbank vertrat und vertritt eine monetaristische Ausrichtung nach der Doktrin Milton Friedmans. So wie Chile und Pinochet. Wenn sie dies Fakten jetzt überraschen dann empfehle ich Freund Google.

Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen, ausser, dass diese Doktrin augenblicklich wohl das schärste Gift ist, dass wir einnehmen könnten.

cookieberlin
00
21.11.2011, 09:10

Schildern Sie uns doch mal das "österreichische Bestreben" zur Vermeidung von Kollaps und Zerstörung von Vermögenswerten.
Was tut sich da aktuell?
Wo sind die Lösungsansätze, wer bietet die hervorragende personelle Alternative, wo ist der österreichische Retter, der Ihre selbstsicheren Ansprüche rechtfertigt?
Außerdem: Sie bringen einen Verbrecher wie Pinochet gegen lautere deutsche Demokraten in Stellung?
Kann schon ein wenig öffentliche Stimmungsmache in Verbindung mit eigenem Unwissen und krausen Gedanken so schnell ein Feindbild hochfahren?

so so ....
20
21.11.2011, 09:19

Sie könnten sich einiges an Fehlpostings sparen, wenn Sie zumindest meine Beiträge genauer lesen würden.

Zu kritisieren sind ja CDU/CSU/FDP sowie die BuBa. Sigmar Gabriel etwa würde ich argumentativ das Vertrauen nicht entziehen. Also lassen Sie Ihre nationalistische Sichtweise, das ist hier nicht angebracht.

(Und lassen Sie mal eine zeitlang das Wortfeld Unwissen/Peilung/... aussen vor damit sie sich nicht noch weiter lächerlich machen)

cookieberlin
00
21.11.2011, 10:31

In meinem "Fehlposting" habe ich Ihr merkwürdiges Anliegen gewürdigt, insbesondere, was Ihren abenteuerlichen Bezug von einem Massenmörder wie Pinochet zur deutschen Bundeskanzlerin betrifft.
Interessant, daß Sie in diesem Zusammenhang sich selbst in einer "falschen Peilung" sehen...ein Begriff, der in meinem Beitrag gar nicht vorkam.
Leider hinterließ Ihr etwas großvolumiges "österreichisches Bestreben" noch offene Fragen, auf die Sie wohl aus gutem Grund nicht weiter eingehen wollen/können.
Bitte machen Sie sich weiterhin keine großen Sorgen um eventuell unglückliche Formulierungen Ihrer Mitstreiter...solange Sie selbst nur heiße Luft produzieren.

arcademius
00
20.11.2011, 16:05

Unruhen an den Märkten?

Ich weiß nicht. Beim Hofer ist es normal, wie immer.
Wenn er von den Börsen spricht. Tja. Entweder ein Abführmittel, oder die Lebenserhaltungsmaschine andrehen.

walter fürst
 
23
20.11.2011, 14:36

Fiskalunion ja, aber dann konsequent bis hin zur Reduktion der unnötigen Nationalstaaten auf bessere Bundesländer.

Bei den geforderten Strafen für Dezitsünder sollte nicht vergessen werden, dass, zumindest meiner Erinnerung nach, gerade Deutschland als eines der ersten Länder die im Stabiltspakt vorgesehenen Grenzen überschritt. In der Folge wurden eiligst diverse Gründe geltend gemacht warum die eigentlich fälligen Strafen nicht angewandt wurden worauf natürlich jede moralische Autorität zur Durchsetzung des Pakts bei den sonst üblichen Verdächtigen den Bach runter war.

so so ....
12
20.11.2011, 13:46

man kann nur hoffen, dass Merkel und Weidmann viel klüger sind als wir ahnen und das spiel böser cop und ganz böser cop mit den investoren spielen.

nach dem motto: wir demonstrieren uneinigkeit und lassen uns anspekulieren. während sich die spekulanten die hände reiben vernichtet draghi dann ihr geld.

ich bezweifel es aber. viel eher glaube ich, dass die deutschen kasse machen wollen. das war schon vor einem jahr offensichtlich. euro -> germano

[bitte jetzt keine repliken, was die germanen nicht alles geholfen hätten, wäre gerade sehr schlecht]

Hirntot
00
20.11.2011, 16:17

Wieso? Deutschland hätte doch am meisten zu verlieren. Nach der undemokratischen Gewichtung im Europäischen Parlament würden doch insbesondere kleinere Staaten von einer solchen Budgetunterwerfung profitieren.

Andreas Prucha
00
20.11.2011, 21:31

Wer sagt, dass die Fiskal-Union dem EU-Parlament unterstellt würde? So eine gute Lösung traue ich den nationalen Gockeln aller Länder leider nicht zu.

Hirntot
00
21.11.2011, 16:41

Ach so, das hab ich jetzt mal so unterstellt. War vielleicht ein wenig naiv zu glauben, dass das Parlament über das Budget entscheiden würde. Aber mei, man weiß ja nie...

JackBodegar
30
20.11.2011, 13:17
Vom 4 Reich hin bis zu den Diktatoren

in österreich geht merklich die angst um deutschland könnte auch sie regieren. als größte volkswirtschaft in europa, mit 82 millionen einwohnern wird es wohl noch gesattet sein vorschläge bezüglich europa zu machen. ob die dann gut oder schlecht sind, lass ich mal dahingestellt, nur sollte den österreichern klar sein, dass egal in welchen kremium man leute plaziert immer 10 mal so viel deutsche sitzen müssten als österreicher (gemessen an den einwohnern die ein land vertritt und dass deutschland in der eu keinen vorsitzenden hat (obwohl größter geldgeber) find ich auch ne frechheit.

aufgeklärtbisheiter
04
20.11.2011, 17:30

In einem Beitrag, der mit "4 Reich" und "Diktatoren" beginnt, ist "Kremium" eine durchaus "interessante" Wortschöpfung. ;-)

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