Spielabsage

Schiedsrichter mit Suizidversuch

19. November 2011, 17:11

Das Bundesligaspiel zwischen Köln und Mainz wurde kurz vor Anfpfiff abgesagt, nachdem sich FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati in einem Kölner Hotel das Leben nehmen wollte

Köln - Schock für den deutschen Fußball: Der renommierte Schiedsrichter Babak Rafati hat kurz vor seinem geplanten Einsatz beim Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 im Kölner Hyatt-Hotel einen Selbstmordversuch unternommen. Präsident Theo Zwanziger vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) bezeichnete den Zustand des mit aufgeschnittenen Pulsadern aufgefundenen Bankkaufmanns Rafati wenige Stunden nach dem Drama als "stabil" und bestätigte die Diagnose "außer Lebensgefahr".

Gefasst, aber spürbar bewegt schilderte Zwanziger die dramatischen Geschehnisse in der Kölner Nobelherberge: "Nachdem Babak nicht beim Frühstück gewesen und danach nicht wie sonst pünktlich zur Besprechung der Spielleitung gekommen war, ließen seine Assistenten die Tür zu seinem Zimmer öffnen. Sie fanden Babak in der Badewanne, und es war da auch viel Blut. So viel kann ich sagen, weitere Einzelheiten möge man mir bitte ersparen", sagte der Verbandsboss. Zwanziger war vor dem Frauen-Länderspiel in Wiesbaden von Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel informiert worden und daraufhin nach Köln geeilt. "Man muss sagen, dass die drei Assistenten Babak das Leben gerettet haben", sagte er.

DFB-Präsident fordert Umdenken

Zwanziger erläuterte weiter, dass der 41 Jahre alte Rafati womöglich in den nächsten Tagen die Intensivstation einer Kölner Klinik wieder verlassen können wird. "Klar ist aber auch, dass er dann weiter intensiver Behandlung bedarf", sagte der DFB-Präsident mit Blick auf die offenbar angeschlagene Psyche des Referees und forderte wie schon nach dem Selbstmord des früheren Nationaltorwarts Robert Enke vor zwei Jahren ein Umdenken im Leistungssport: "Man fragt sich, warum ein so junger Mensch nur noch die Ausweglosigkeit vor sich sieht. Ich kann es mir nur so erklären, dass unsere Schiedsrichter einem unheimlich großen Druck ausgesetzt sind und wir es nicht schaffen, das in die richtige Balance zu bringen."

Rafati hatte vor sechs Jahren beim Spiel des 1. FC Köln gegen den FSV Mainz 05 sein Bundesliga-Debüt gegeben. Die Neuauflage dieses Spiels sollte der iranischstämmige Hannoveraner am Samstagnachmittag leiten. Die Begegnung wurde angesichts der dramatischen Entwicklung abgesagt. Ein Nachholtermin steht noch nicht fest - die Partie wurde aus dem Spielkalender für diese Woche gestrichen.

Rafati ist seit 1997 DFB-Schiedsrichter, 2000 leitete er sein erstes Zweitligaspiel, fünf Jahre später sein erstes von bislang 84 Bundesligaspielen. Seit 2008 war er FIFA-Schiedsrichter, wurde allerdings im September 2011 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) nicht mehr für internationale Einsätze nominiert. Von den Bundesliga-Profis wurde er häufig kritisiert und im Fachmagazin kicker sogar mehrmals zum schlechtesten Referee der Bundesliga gewählt.

Rafati pfeift für den Bezirksligisten Niedersachsen Döhren, der mit Entsetzen auf die Botschaft reagierte. "Ich bin tief betroffen von dieser Nachricht", sagte der Erste Vereinsvorsitzende Herbert Ruppel dem SID: "Babak Rafati hat berufliche und private Angelegenheiten stets strikt getrennt. Ich kenne ihn nur als zugänglichen und sachlichen Menschen. Depressive Verhaltensverweisen sind mir von ihm nicht bekannt." Rafati war am Vorabend angereist und wie üblich von einem Schiedsrichterbetreuer in Empfang genommen worden und hatte die letzten Stunden des Tages laut Zwanziger "ganz normal" mit seinen Assistenten verbracht.

Nach Rafatis Selbstmordversuch waren zunächst Kölns Sportdirektor Volker Finke und der Mainzer Manager Christian Heidel vor die Presse getreten. Beide sprachen noch von einem "Unfall" und waren sich einig, dass die Begegnung zurecht abgesagt wurde. Zunächst sei noch versucht worden, ein Ersatz-Schiedsrichtergespann zu finden.

Auch in anderen Bundesliga-Stadien löste die Nachricht aus Köln Entsetzen aus. Alle Spiele wurden jedoch plangemäß um 15.30 Uhr angepfiffen. "Ich kenne ihn sehr gut, er ist Hannoveraner. Die Nachricht hat mich sehr geschockt", sagte Mirko Slomka, Trainer von Hannover 96, bei Sky. Schalke-Coach Huub Stevens erklärte: "Es ist kaum zu glauben, dass so etwas passiert. Dafür finde ich kaum Worte. Die Gesundheit ist immer das Allerwichtigste. Da ist Fußball nur Nebensache. Ich kann mir vorstellen, dass nach solch einer Nachricht niemand spielen will." (sid)

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1 2
the Uberist
00
21.11.2011, 15:45

als schiedsrichter muss man sich halt das wurschtikativ aneignen!

Silvio Lackner
10
20.11.2011, 22:41
Das "Schiedsrichterproblem"

ist ein Disziplinproblem von Trainern, Spielern und Medien. Nix aber schon gar wird sich ändern, wenn Schiris hinter Bildschirmen sitzen und Superzeitlupen studieren. Sie werden genauso empört mit Dreck beworfen werden. Dann sitzt halt am Nachmittag der Experte da und erklärt, warum sich der Screen-Schiri geirrt hat. Es wird einfach Autorität nicht akzeptiert, aus banalem Frust heraus. DAS ist das Schiriproblem! Und noch dazu fühlen sich diese Akteure berechtigt, den Frust wöchentlich in herabwürdigender Weise über Schiedsrichter abzuladen. In Österreich "keinen Dreck" besser.

forever52
21
20.11.2011, 14:01
Diese depperten Schiedsrichterkritiken in der Sportwoche-Zeitschrift...

...regt mich auch schon lange auf !!!
Was Schiedsrichter für einen Druck aushalten müssen vor Spieler, Beobachter, Medien...ist ja für uns Publikum gar nicht nachvollziehbar !
Kommt vielleicht noch ein private Kacke dazu, naja...
Ich glaube auch nicht, dass elektr. Hilfen etwas besseres bewirken,...eher das Umdenken der Leute !

Thomas Jandl
47
20.11.2011, 06:06

Dass er sich umbringen will als die Kollegen auf ihn warten deutet auf Appellsuizid hin. Haette er wirklich sterben wollen, dann haette er es wohl zu einem Zeitpunkt gemacht, zu dem ihn niemand erwartet.
Man kann davon ausgehen dass der Mann unter gut versteckten Depressionen leidet die er mit diesem Appell an die Oeffentlichkeit bringen will. Das hat mit Fussball natuerlich nichts zu tun -- ausser dass es typisch ist bei Appellsuiziden dass sie oeffentlichkeitswirksam sein sollen. Das ist der subtile Sinn.

Aguila
 
63
20.11.2011, 16:08

Und Sie müssen den Genannten ja seeehr genau gekannt haben,wenn Sie dessen Motive so gut kennen... Die menschliche Seele ist ein offenes Buch für Sie, stimmt's?

Thomas Jandl
11
20.11.2011, 21:34

Ein Krankenbild aus dem Fachbuch kann ich erkennen. Das Buch ist in der Tat offen.

solidarnosc
05
20.11.2011, 18:46

er hat aber recht - dazu brauchtr man den menschen nicht kennen sondern sich nur mit der materie befassen...

forever52
32
20.11.2011, 13:53
Du bist ja ein ganz...

...schlauer !!!

Thomas Jandl
43
20.11.2011, 05:58

Dass das mit seiner Schiedsrichterkarriere zu tun hatte ist schwer vorstellbar. Mit dem Pfeiffen kann man einfach aufhoeren -- ausserdem ist der Druck der Schirikarriere nie hintergruendig oder unterschwellig -- das ist immer im klar und leicht ersichtlich.
Ich gehe davon aus dass der proximate cause woanders zu suchen ist. Der ultimate cause ist ja ohnehin die Depression. Kein mental gesunder Mensch bringt sich wegen eines Karrerieproblems um.

gensfleischs_erbe
414
20.11.2011, 01:42
Ohne Schiedsrichter kein Fußball

Die Hintergründe des aktuellen Falls kenn ich nicht und von daher enthalte ich mich hier eines Kommentars. Aber ich möchte diesen traurigen Anlass nutzen, um für die Schiedsrichter eine Lanze zu brechen. Seid diesen Leuten dankbar. Sie sind umgeben von Spielern, die Millionen verdienen und ernten selbst meist nur Häme und Spott.
Natürlich rege ich mich auch über die eine oder andere Entscheidung auf, aber für mich gibt es kein Schieber oder schwarze Sau. Ich danke den Schiedsrichtern für ihre Arbeit.

Sankt Kröte
01
20.11.2011, 16:26

Wirklich ärgerlich ist, dass den Schiedrichtern nicht jene Möglichkeiten gegeben werden die krasse Fehlentscheidungen beinahe unmöglich machen. Bei einem Tempo die korrekte Entscheidungen extrem schwer machen. Und dann bleibt alles an ihnen hängen

Silvio Lackner
00
20.11.2011, 22:47
So oft werden "Fehlentscheidungen" moniert,

die gar keine sind, sondern einfach ENtscheidungen, die dem Monierer halt einfach nicht in den Kram passen.
ES GIBT KEIN OBJEKTIVE SICHT VON ZWEIKÄMPFEN. Das wird IMMER subjektiv sein, wenn der Kommentator noch so gscheiterlt! Da muss man halt die Disziplin haben, zu sagen: der SChwarze da, wie der das sieht, das soll gelten. Weil sonst streit ma nur noch, statt zu spielen. Wenn aber dann auch der Schwarze nur noch mit Dreck beworfen wird, dann soll man mit dem Sport aufhören.

Coeur De Pirate
00
20.11.2011, 12:27

schade daß ich nicht mehr grün geben kann

Wowo101
 
51
20.11.2011, 00:59

Wenn die Menschheit Lebenswichtiges hintanstellt und Dreck - Fußball - so viel Bedeutung beimisst.

flachzange
11
19.11.2011, 23:06

Hauptsache der Blatter spricht sich gegen den Einsatz von technischen Hilfsmittel bei Fußballspielen aus.

Meine Annahme: Er wird den Leistungsdruck nicht ausgehalten haben. Schiris sind ja echt immer die Deppen, egal was passiert.

Ein Zeichen, dass hier umgedacht werden muss. Gott sei Dank hat er es überlebt!

Der Kirk der jetzt eine Tochter hat
02
19.11.2011, 20:44

wer sagt denn, dass die tat mit seinem zweitjob als schiedsrichter zu tun hat. bankkaufmann in tagen wie diesen ist ja auch kein honiglecken und ein privatleben wird er ja auch noch gehabt haben.

al o'quent
11
19.11.2011, 19:48

ich finde es lustig, dass diejenigen, die ihn woche für woche aufs tiefste beleidigt haben heute von pietät sprechen. braucht es wirklich einen selbstmordversuch um plötzlich respekt vor jemanden zu haben?

btw: hätte ihn nicht das schiedsrichter gespann gefunden, und damit eine psychische ausnahmesituation durchlebt, wäre ich dafür gewesen, dass die partie stattfindet - von der absage profitiert niemand.

Kölle Allaaf
20
19.11.2011, 19:59

Was Sie finden ist nicht so wichtig, wenn die Spieler nicht aufs Feld wollen...

99Problems
00
19.11.2011, 20:09

Laut Finke bei der PK auf Sky hat die Entscheidung die DFL bzw. der DFB getroffen! Ändert nichts an der Richtigkeit der Entscheidung.

al o'quent
01
19.11.2011, 20:03

wenn die spieler nicht spielen wollten, warum hat sich finke dann beim DFB um einen ersatz-schiedsrichter bemüht? erst als kommuniziert wurde, dass das nicht möglich ist, haben sich DFB, DFL und die beteiligten teams auf die absage der partie geeinigt.

(das ist die offizielle variante aus der pressekonferenz, nachzulesen u.a. im kicker)

Thomas Jandl
00
20.11.2011, 06:00

Eigentlich aber eigenartig, denn es hat ja jedes Vierergespann einen Ersatzmann der voll qualifiziert ist, einzuspringen. Und nachdem im Artikel von DREI Assistenten die Rede ist, haette man da eigentlich keinen Ersatz gebraucht.

al o'quent
04
20.11.2011, 14:44

die 3 anderen mitglieder des gespanns waren es, die ihn in der badewanne liegend vorgefunden haben und die erstversorgung vorgenommen haben. dass die nach dieser psychischen ausnahmesituation nicht mehr pfeifen wollen/können sollte klar sein...

Thomas Jandl
01
20.11.2011, 21:38

Da haben Sie wohl recht.

Kölle Allaaf
00
19.11.2011, 20:43

PK ist ja auf Youtube - natürlich hat die DFL und der DFB entschieden aber nach Absprache mit den Teams. Es ist ja letztlich absolut egal - wünschen wir Ihm einfach alles Gute !

Kölle Allaaf
10
19.11.2011, 19:41

Können Sie freundlicherweise diese zynischen Postings löschen ?

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