Übergangsrat

Saif al-Islam festgenommen

19. November 2011, 20:56

Neue Machthaber kündigen "faires Verfahren" an - Westen fordert menschenwürdige Behandlung und Kooperation mit Internationalem Strafgericht

Zintan/Washington - Der libysche Übergangs-Ministerpräsident hat die Ergreifung von Festnahme des Gaddafi-Sohnes Saif al-Islam bestätigt. Abdul Raheem al-Keeb sagte auf einer Pressekonferenz in der westlichen Stadt Zintan am Samstag: "Wir versichern den Libyern und der Welt, dass Saif al-Islam ein faires Verfahren bekommt (...) im Rahmen eines fairen Rechtsprozesses - was unserem eigenen Volk in den letzten 40 Jahren vorenthalten wurde."

Gleichzeitig erteilte Keeb den Forderungen von Menschenrechtlern nach Auslieferung des Gaddafi-Sohns an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH bzw. ICC) eine Absage. "Wir respektieren die internationale Rechtsprechung, aber es ist das Recht unseres Volkes, ihn hier vor Gericht zu stellen." Saif al-Islam werde nach Lehre des Islam über fairen Umgang mit Kriegsverbrechern behandelt. Keeb sagte aber zugleich, die libysche Justiz werde gemeinsam mit dem IStGH prüfen, wo der Gesuchte am besten vor Gericht gestellt werden solle.

Internationaler Haftbefehl

Der IStGH in Den Haag hatte Ende Juni einen Haftbefehl gegen Saif al-Islam ausgestellt; die Anklage wirft dem 39-Jährigen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Vor Keeb hatte bereits Justizminister Mohammed al-Alagy (Allagui) eine Auslieferung des Gefangenen an den IStGH abgelehnt. Dessen Chefankläger Luis-Moreno-Ocampo wirft der alten libyschen Staatsführung, inklusive Saif al-Islam, Morde an Hunderten Zivilisten, Folterungen, militärische Gewalt gegen unbewaffnete Demonstranten und gezielte Massenvergewaltigungen vor. Moreno-Ocampo wird in der kommenden Woche zu Gesprächen in Tripolis erwartet.

Unter Jubelrufen "Allahu Akbar" (Gott ist der Größte) nannte Keeb die Festnahme des prominentesten Gaddafi-Sohnes die "Krönung" des Volksaufstandes. Der seit Wochen flüchtige Saif al-Islam und mehrere Leibwächter waren in der Nacht auf Samstag von Kämpfern in der südlichen Wüste in Libyen gefasst worden.

Die USA forderten die neue libysche Führung auf, dem Gaddafi-Sohn einen fairen Prozess zu garantieren und ihn "menschenwürdig" zu behandeln. Das Außenamt in Washington erklärte, mit der Festnahme und dem nun bevorstehenden Prozess komme das libysche Volk "der friedlichen und demokratischen Zukunft" näher, die es verdiene. Auch der britische Premierminister David Cameron forderte einen fairen Prozess nach internationalen Standards. Die Europäische Union drängte die libysche Übergangsregierung dazu, für eine Prozess in voller Kooperation mit dem ICC zu sorgen. Die NATO zeigte sich zuversichtlich, dass Libyen zusammen mit dem ICC für ein gerechtes Verfahren sorgen kann. So könne ein neues Libyen auf den Säulen von Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenrechte aufgebaut werden.

Das Verfahren gilt als Test für eine neue Regierung in Libyen. Die Tötung des gestürzten Muammar Gaddafi in den Händen der Rebellen hatte die Übergangsregierung international in Bedrängnis gebracht. Der libysche Übergangs-Ministerpräsident Abdul Raheem al-Keeb hatte am Samstag gesagt, dem Gaddafi-Sohn solle ein "fairer Prozess" im Einklang mit internationalen Gesetzen gemacht werden. Die libysche Justiz werde mit dem Strafgerichtshof in Den Haag in Kontakt treten um zu bestimmen, wo Saif al-Islam der Prozess gemacht werden solle, so Keeb. Er ließ aber durchblicken, dass der 39-Jährige in seiner Heimat vor Gericht gestellt werden sollte.

Saif al-Islam habe um sein Leben gebangt, sagte einer der Männer, die ihn festnahmen. "Er dachte, dass wir ihn umbringen." Der 39-Jährige wurde später nach Zintan geflogen. An Bord des Flugzeugs sagte er auf die Frage einer Reuters-Journalistin, ob es im gutgehe: Ja. Verletzungen an einer Hand rührten von einem NATO-Luftangriff vor einem Monat, sagte er. Etwa zu dieser Zeit war sein entmachteter Vater gefasst und kurz darauf getötet worden. Saif al-Islam selbst galt noch vor einem Jahr als designierter Nachfolger Muammar Gaddafis.

Die aus Zintan stammenden Kämpfer, die ihn festgenommen haben, wollen ihn vorerst in ihrer Stadt festhalten - so lange, bis er an eine Regierung übergeben werden könne. Mit der Bildung einer neuen libyschen Regierung wird in den kommenden Tagen gerechnet.

Mit Hupkonzerten und Freudenschüssen wurde in ganz Libyen die Nachricht von der Ergreifung des Gaddafi-Sohnes gefeiert. Bei dessen Ankunft in Zintan versuchten einige Menschen, das Flugzeug zu stürmen. Sie wurden aber von den Kräften der Übergangsregierung zurückgehalten. Menschenmengen umringten das Flugzeug, so dass Gaddafi vorerst noch in der Maschine blieb. Er wirkte relativ ungezwungen und trug keine Handschellen. Sein bärtiges Gesicht war weitgehend von einem Tuch verhüllt, eine randlose Brille war zu sehen.

"Signal der Hoffnung"

Zur Ergreifung des Despotensohnes habe ein Hinweis auf einen hochrangigen Flüchtling geführt, sagte Ahmed Ammar, einer der 15 Kämpfer aus Zintan, die Saif al-Islam festnahmen. In der Wüste rund 70 Kilometer von der kleinen Ölstadt Obari entfernt hatten sie demnach versucht, zwei Autos zu stoppen. Nach Warnschüssen in die Luft seien die die Fahrzeuge stehengeblieben, ein Insasse habe sich als "Abdelsalam" ausgegeben - was "Friedensdiener" heißt. Doch die Kämpfer hätten schnell Saif al-Islam Gaddafi erkannt und ihn kampflos festgenommen. Saif al-Islam hatte zuvor stets angekündigt, bis zu seinem Tode zu kämpfen.

Der Gaddafi-Sohn willigte ein, nach Zintan 170 Kilometer südwestlich von Tripolis gebracht zu werden, wie Ammar weiter berichtete. Die Stadt in den Bergen südlich von Tripolis war eine Hochburg der Rebellen in ihrem Kampf gegen Muammar al-Gaddafi. Die Kämpfer gehen davon aus, dass Saif al-Islam sich in der Wüste zwischen Obari und der Stadt Bani Walid versteckt hatte, wo er letzten Monat zuletzt gesehen worden war. Nach ihrer Einschätzung habe er vorgehabt, die Grenze zum Niger zu überqueren. In den Autos wurden Gewehre und ein paar Tausend Dollar gefunden.

Der Experte Amer al-Bayati wertete die Festnahme als "Signal der Hoffnung", dass die Gaddafi-Ära endgültig vorbei ist und dass die Libyer die gewonnene Freiheit nun ausgestalten könnten. "Das bedeutet sehr viel." Offenbar sei Saif al-Islam noch von Stammesangehörigen geschützt worden, die aber letztlich begriffen hätten: "Das geht nicht mehr." Bayati hält ein Gerichtsverfahren mit Hilfe des IStGH in Libyen für die beste Lösung. Die libysche Justiz allein habe keine Erfahrung, andererseits sollte er auch nicht dem Ausland übergeben werden. Als Problem stuft der Experte die nach wie vor in Libyen im Umlauf befindlichen "Waffen auf den Straßen" ein. (APA/Reuters)

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steel
00
22.11.2011, 08:26
cooler bart

August Hoffmann
10
22.11.2011, 08:18

Das Grinsen in die Kamera, während im ganzen Land Zivilisten von Papas Soldaten abgeschlachtet werden, ist dem dreisten Diktatorensöhnchen wohl endgültig vergangen.

Cymbalist
60
20.11.2011, 23:21
Keine Laxheiten bei der Liquidierung der Gadafi-Familie!

Wie gut, dass dieser Täter vor ein libysches und nicht vor ein internationales Tribunal gestellt wird, denn nur ein libysches Tribunal kann ihn hängen lassen! Zu was hätten Sarkozy und Cameron sonst so massiv die Nato mit ihren Drohnen eingesetzt.

Darum hat ja auch GWB den Saddam aus der amerikanischen Gefangenenschaft an den Irak und nicht an den IStGH ausgeliefert, mit bestem Erfolg. In Den Haag würde der heute noch immer leben!

Herakleon
21
21.11.2011, 14:18

Selbiges gilt für Osama, da wurden aber gleich die US-Soldaten aktiv und sagten es war Notwehr.

Naja, faire Justiz halt :-)

Die Rotstrichler kapierens eh nimmer.

Weh mir
10
20.11.2011, 22:04
http://derstandard.at/131918327... misten-vor

na bravo was die nato nicht alles schafft

naval
00
21.11.2011, 20:04

Gestern kam es in der Nähe von Misrata zu einem Unfall mit einem Fahrradfahrer, der mit einem Kamel zusammengestoßen ist.

Na bravo, was die Nato nicht alles schafft.

Homer
33
20.11.2011, 20:30

Saif, Tyrannensohn! Widerstand hättest du leisten
sollen dem eigenen Vater - das freilich ist schwer,
Einhalt gebieten dem Irren von ,
der sich für Gott hielt und Allah, oder noch mehr.
Jetzt sitzt du tief in der Tinte und bangst um dein Leben
zu Recht - zu viele warns die zu früh
haben ins Gras gebissen wegen des Wüterichs, deines Alten, dem widerstehn du hättest sollen
statt zu kuschen und prassen mit seinem Geld
und alle Leut zu drangsalieren mit eurer Macht

Weh mir
13
20.11.2011, 22:04
homer eine zumutung

staberl wäre eher treffend

Homer
00
21.11.2011, 07:54
...sorry, war'n versuch

tut mir leid wenn's Ihnen nicht gefällt

Rose Bud
01
21.11.2011, 10:06
Ich fand's eigentlich ganz gut

War eine witzige Idee...

Theodor Storm
00
20.11.2011, 20:12
Saif hielt sich für künstlerisch begabt und verkehrte bei uns in Wiener Künstlerkreisen -

hat auch ausgestellt in Wien, Titel: "Die Wüste schweigt nicht".
Zeichnung von Gaddafi >> http://zeichenblogger.blogspot.com/search?up... -results=8

Rose Bud
00
21.11.2011, 10:08
Grauenhaft peinlich...

Was richtiges zum Fremdschämen...

peter schmidt
 
10
20.11.2011, 18:39
Da konnten es wohl ein paar nicht erwarten das er ein paar Kontonummern rausrückt.

Alder
 
35
20.11.2011, 16:14

Saif-al-Islam wurde natürlich nicht von NTC Leuten festgenommen, sondern von Einheiten der britischen SAS und Qatars.
http://inagist.com/TheTruthL... 524876802/

pipi pipifax
01
20.11.2011, 20:08

natuerlich ...

Marcus Maccabaeus
00
20.11.2011, 18:26
No na!

living reef
21
20.11.2011, 15:52
ein gerechtes urteil wäre

lebenslange verbannung in ein weit entferntes land wo er im bärental vor der urne jenes dessen weggang die sonne vom himmel fallen ließ über sein armseliges leben nachdenken muss ;-)

>t<
72
20.11.2011, 15:23
was will man von einen volk erwarten

die "gott ist gross" herumschreit... ?

wär ja so als wenn die övp gott in der verfassung drin haben will genauso lächerlich

Fidefududincul
01
20.11.2011, 17:52

sollte wohl eher heißen: "Gott ist grass"...

Christafaritos
12
20.11.2011, 16:08

zuerst einmal in so ein land fahren, sich alles ansehen, sich auf die menschen einlassen und danach kannst du schwachsinn schreiben

>t<
00
20.11.2011, 19:03
aha

schau mal der islam ist rückständig genauso wie der katholizismus oder what ever ismus... wer glaubt das gott dafür verantwortlich das das es zu einer revolution gekommen ist, ist entweder unglaublich fern dieser welt oder eben nicht besonders helle gell ?

gott gibt kraft aber übertreiben braucht man es nun auch wieder nicht... denn bitte verschont uns von den leuten die uns die relgion aufzwingen will ob islam oder der christliche glaube ... übrigens staat und relgion das passt einfach nicht zusammen ... und wenn nun in österreich der relgionswahnsinn durchgreift dann gute nacht... weg mit den relgionen betet mich an :)

August Hoffmann
00
22.11.2011, 08:38
"oder what ever ismus"

you mean "Athe-ismus"?

Peacefaktor
00
21.11.2011, 18:58
Gott und Religion haben leider nichts miteinander zu tun.

Religion benutzt Gott bestenfalls um Menschen zu unterwerfen und über sie zu bestimmen. Sie verwendet mißbräuchlich Gott, kann ihn ja nicht einmal erklären, sondern behilft sich mit Götzenbildern.
Die römisch kath. Kirche ist die Absurdeste überhaupt:
betet einen Juden an, (Jesus), der den jüdischen Glauben verbreitern wollte und die Tempel von Glückspielern befreien, sagt aber, sie selbst sind keine Juden. Jesus trat gegen die Institution Kirche auf, und daraufhin entwickelte sich die größte aller Kirchen. Die mitgeschriebenen Reden vom Jesus werden von der röm. kath. Kirche nicht anerkannt.
Religion, wie angewandt, ist leider eine Volksverdummung.

Heiner Müller
01
20.11.2011, 15:49
So lächerlich wie die ÖVP

das schafft niemand!!

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