Konflikt um Land mit Großgrundbesitzern - Mehrere Vermisste nach Angriff
Rio de Janeiro - In Brasilien sind Indigene erneut Opfer eines
brutalen Übergriffs geworden. Etwa 40 Maskierte überfielen in dem an Paraguay
angrenzenden Teilstaat Mato Grosso do Sul ein Lager der Kaiowa-Guarani
und erschossen den 59-jährigen Kaziken (Anführer) Nisio Gomes vor den Augen der
Gemeinschaft und des eigenen Sohnes, wie der Indigenen-Missionsrat (CIMI) am Freitag
mitteilte. Möglicherweise seien noch mehr Menschen getötet worden. Es gebe
Verletzte, vier Indigene würden noch vermisst.
Der Missionsrat ist mit der katholischen Bischofskonferenz in Brasilien
verbunden und steht in engem Kontakt zu den Indigenen-Gruppen. Der Anführer der etwa
60 Guarani sei mit mehreren Schüssen in den Kopf und die Brust
niedergestreckt worden. Sein Sohn habe die Tat noch verhindern wollen, sei aber
geschlagen und dann mit einem Gummigeschoss gestoppt worden. "Sie kamen, um
unseren Kaziken zu töten", zitierte CIMI einen der Indigenen.
Die Leiche sei auf der Ladefläche eines Pick-up weggeschafft worden, wie das
auch bei anderen "Massakern" gegen Guarani in Mato Grosso do Sul geschehen sei.
Auf den Überfall in dem Indigenen-Camp Tekoha Guaiviry zwischen den Orten Amambai
und Ponta Pora machte auch Survival International aufmerksam. Nach Angaben der
Hilfsorganisation waren die Indigenen Anfang November auf ihr angestammtes Land
zurückgekehrt, nachdem Viehzüchter sie von dort vertrieben hatten.
Die Guarani in Mato Grosso do Sul wurden in den vergangenen Jahren
immer wieder Opfer von Übergriffen und Mordanschlägen. 2003 wurde der 72-jährige
Kazike Marcos Veron bei einem Überfall auf ein Camp zu Tode geprügelt. Der Fall
sorgte international für Aufsehen. Einige Guarani-Gruppen, die von ihrem Land
vertrieben wurden, leben unter Zeltplanen am Rande stark befahrener Landstraßen.
In Brasilien gibt es schätzungsweise zwischen 43.000 und 46.000
Guarani. (APA)