Wirtschaftskrise

Spanien muss 36 Milliarden Euro sparen

19. November 2011, 10:50

Kindergeld, Arbeitslosenhilfe und Gehälter in Staatsbetrieben wurden bereits gekürzt

Madrid - Es sind keine guten Zeiten für einen Wahlkampf - denn das Bild, das Spanien bietet, könnte dunkler kaum sein. Die Arbeitslosenquote liegt längst bei über zehn Prozent. Das Wirtschaftswachstum liegt unter einem Prozent, das Defizit ist schwerer in den Griff zu bekommen als geplant. Die Märkte üben Druck aus. Die Zinsen für die Staatsanleihen stiegen nun auf über sechs Prozent. Sie liegen damit kurz vor dem "point of no return" .

Dennoch spielt die Wirtschaftskrise kaum eine Rolle auf den Wahlkampfveranstaltungen der beiden großen Parteien, des sozialistischen PSOE und des konservativen PP. Allen Umfragen zufolge kommt der nächste Premier vom PP und heißt Mariano Rajoy.

"Schließe dich dem Wandel an!" , heißt das Wahlmotto der Konservativen. Rajoy glänzt durch starke Worte. Er werde das Vertrauen der Wirtschaft wiederherstellen, das Land aus der Krise holen, den Haushalt sanieren. Mit welchen Maßnahmen er das erreichen will, dazu schweigt er.

Dabei ist eigentlich allen klar: Auf Spanien kommen weitere Kürzungen zu. Die regierenden Sozialisten haben Vorarbeit geleistet, doch ohne den gewünschten Erfolg. Kindergeld, die Hilfe für Langzeitarbeitslose wurden gestrichen, die Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst gekürzt, lukrative Staatsbetriebe privatisiert. Das Defizit sollte damit von 11,2 Prozent 2009 auf sechs Prozent per Jahresende gesenkt werden. Das wird wohl nicht gelingen. Mindestens 6,6 Prozent werden es sein und 2012 5,9 statt der vorgesehenen 4,4 und 2013 5,3 statt drei Prozent. Der zusätzliche Sparbedarf beläuft sich für die nächsten beiden Jahre auf mindestens 36 Milliarden Euro. Zapatero kürzte 2010 gerade einmal zehn Milliarden.

Warnung vorm Sparen

Rajoy kann sich zurücklehnen: Sein sozialistischer Kontrahent Pérez Rubalcaba trägt die Last dieser Krisenpolitik, die zu Generalstreiks und den Protesten der Empörten geführt hat. Auch wenn er jetzt davor warnt, Spanien könnte sich "totsparen" , und deshalb öffentliche Investitionen verspricht, um Arbeitsplätze zu schaffen, hört ihm kaum noch jemand zu. Sein PSOE dürfte mehr als ein Viertel der Mandate verlieren. Mit nur knapp 30 Prozent liegen die Sozialdemokraten rund 17 Punkte hinter dem PP, der wohl eine breite absolute Mehrheit erringen wird. Die Sozialisten werden damit für die Wirtschaftskrise abgestraft.

Kleine Parteien dürfen sich Hoffnung auf einen Teil der unzufriedenen Wähler aus dem sozialistischen Lager machen. Die postkommunistische Vereinigte Linke (IU) könnte nach dem 20. November mit acht statt bisher einem Abgeordneten im neuen Parlament vertreten sein. Und die Mitte-Partei Union für Fortschritt und Demokratie, die sich aus Dissidenten des PSOE und des PP speist, könnte ebenfalls von einem Vertreter auf zwei oder drei anwachsen.

Besonders spannend wird es für die Ökobewegung. Die neue grüne Partei Equo wurde von Spitzenkandidat Juan López de Uralde ins Leben gerufen. Der ehemalige Chef der spanischen Greenpeace-Sektion hat zahlreiche unabhängige Umweltaktivisten sowie 35 ökologische Gruppierungen um sich geschart. Equo selbst hofft auf drei bis fünf Abgeordnete. (rw/DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2011)

Maria Wagner4
01
19.11.2011, 17:32
Die Arbeitslosenquote liegt längst bei über zehn Prozent

Der Witz ist gut. So kann man das auch sagen. Es ist noch nicht einmal gelogen.
Über 10%!
Es sind genau 22% Arbeitslose und 45% arbeitslose Jugendliche. Dies ist die Bilanz, die Zapatero hinterlässt.
Und wenn Sie jetzt Zapatero loben wegen seinen Einsparungen, dürfen Sie nicht seine Ausgabenexzesse vergessen. Er übernahm 2004 die Regierung von Aznar mit 23 Milliarden € in der Kasse und vergleichen Sie damit die heutigen Schulden. Ausserdem sind die Einsparungen nicht auf seinem Mist gewachsen, sondern unter dem Druck von Merkozy. Ich bin gespannt, wieviel unbezahlte Rechnungen die neue Regierung noch finden wird.
Und schieben Sie die Schuld an der Immo-Blase nicht auf Aznar. Zapatero hatte Zeit seit 2004 um gegenzusteuern.

dr. kokos
 
00
24.11.2011, 21:32

aznar hat genauso schulden hinterlassen und kein plus. er hatte sie lediglich reduziert, durch verscherbeln des tafelsilbers wie repsol etc. bis auf ca. 46% des bip. diese möglichkeit hatte also zapatero dann nicht mehr. trotzdem hat der die verschuldung (vor der krise) dann noch auf nur mehr 36% gedrückt.

was aznar sonst noch geleistet hat war die kräftige ankurbelung der immobilienblase, deren platzen spanien nun zur ruinieren droht, indem millionen arbeitslos wurden.

im übrigen ist die schuldenquote spaniens aber z.b. immer noch um einiges niedriger als die z.b. österreichs!

Benno Berghammer1
01
20.11.2011, 14:15
Viva Espania... Morte Espania....

In Spanien herrscht bereits seit Jahrzehnen eine Arbeitslosigkeit von rund 18 %. Spanien hat die höchste Jugendarbeitslosigkeit von allen westlichen EU-Staaten.
Das Geld, dass man Spanien aus den EU-Töpfen seit dem Beitritt bezahlt hat, wurde in die Betonierung ehemals schöner Küstenabschnitte, den Bau von Autobahnen und Zugverbindungen, die extreme landwirtschaftliche Förderung (siehe Andalusien) und in die Konservierung bestehender ineffizienter Beamten- und Verwaltungsstrukturen gesteckt.

Spanien zahlt heute und in Zukunft den Preis dafür, dass sie seit fast 20 Jahren ihren Staat nicht reformiert haben. Der Konflikt im Baskenland und mit Katalonien zeigt, eine ähnliche Situation wie in Italien (Nord-Süd-Konflikt). Arme Spanier

kopfsalat
00
20.11.2011, 03:30
beide schuld

aber stimmt, der Witz war gut

Österreicher_im_Kriesengebiet
00
20.11.2011, 15:40
naja...

...beide Schuld ist so nicht korrekt.
Ich lebe hier in Spanien und kenne auch die Geschichte die WEITER zurück liegt.
Die Realität ist, dass Filippe Gonzalez seiner Zeit eine annähnernd ähnlich üble Bilanz an PP vererbt hat. Diese mussten reagieren und haben das nötige getan um in kurzer Zeit die Trendwende herbei zu führen - 4 Jahre ist eine kurze Zeitspanne für eine Regierung. Dann kam das Attentat 11-M, welches bis heute unter dem Zweifel steht von Personen der PSOE verfälscht worden zu sein, um den Effekt 1-2 Tage for der Wahl zu nutzen... denn PP hätte damals die Wahlen gewonnen und hätten weiter anpassen können... 8 Jahre Ausgaben... keine Verbesserungen... einfach dahingewurschtelt... und jetzt die Schuld auf Aznar schieben? NEIN.

kopfsalat
00
20.11.2011, 23:20
die immobilienblase koennen sich alle beide auf die fahnen schreiben.

ich wohne auch schon seit 10 jahren in spanien, damals regierte aznar und die immobilienblase wurde willentlich erzeugt und aufgeblasen. aznar suhlte sich in seinen ach so tollen wirtschaftszahlen, spanien ist so toll und so super und waechst mehr als deutschland, blablabla.
dass die blase bald platzen musste war absehbar, und dass es die spanische wirtschaft hinunterreissen wird, da diese eben auf der blase aufbaute, ebenso.
also was tat zapatero, als er den laden uebernahm? er blies die immoblase einfach weiter auf. bis sie geplatzt ist.
beide schuld.

haxX0r Jim Duggan
01
19.11.2011, 11:21

Wo kommt eigentlich der Bedeutungswandel des Wortes "sparen" her? Ich dachte bislang ja immer, wenn man 36 Milliarden Euro "spart", hat man danach auch 36 Milliarden Euro auf dem Konto ...

flotter denker
00
20.11.2011, 08:11
sparen und einsparen ist halt nicht das Gleiche

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