Europas Krise

Was die EU-Führung von Homer lernen könnte

Kommentar der anderen | 18. November 2011, 18:55

EU-Agora jetzt! Von Ulrike Lunacek

Für Homer, nicht Homer Simpson, sondern den Homer ohne Nachnamen, den ersten Dichter des Abendlandes, den Autor von Ilias und Odyssee, galt das Fehlen einer Agora 850 Jahre oder noch mehr vor unserer Zeitrechnung als Zeichen für Recht- und Gesetzlosigkeit.

Angesichts der aktuellen griechischen Turbulenzen, die den Euro-Raum und die EU als Ganzes erschüttern, bekommt Homers Analyse neue Berechtigung: Die Agora fehlt. Der Informationsmangel und das Demokratiedefizit führen in Griechenland zu sozialen Unruhen bis hin zu anarchistischen Zuständen, lassen den Ruf nach einer Volksabstimmung erschallen und wieder verhallen, stürzen Regierungschefs, chaotisieren die Gesellschaft - nicht nur in Griechenland.

Die Agora war im antiken Griechenland der zentrale Ort der Volks- und Gerichtsversammlungen und hatte eine herausragende Rolle für die Politik und das geordnete Zusammenleben der Gesellschaft. Ansprache, Aussprache, Dialog- leider damals noch unter Ausschluss der Frauen - prägten das System Agora. All das fehlt heute in Athen und den anderen Städten Griechenlands so wie der EU. Deswegen wiederhole ich meine schon vor Monaten geäußerte Forderung an die EU-Spitzen: EU-Agora jetzt!

Herr Kommissionspräsident Barroso, Herr Ratspräsident Van Rompuy, Herr Euro-Gruppen-Chef Juncker und warum nicht auch Frau Merkel und Herr Sarkozy - geht nach Griechenland, stellt euch dem griechischen Volk, den griechischen Abgeordneten, auf der Akropolis, im Parlament, wo auch immer ... und erklärt, warum die EU so agiert, wie sie agiert, warum uns die Euro-Rettungsschirme ohne Akzeptieren der Sparpakete in Griechenland um die Ohren fliegen. Und die EU-Spitze höre zu, wenn die Griechinnen und Griechen die EU für diese Sparpakete verdammen, weil sie einseitig die sozial Benachteiligten und den Mittelstand belasten, während gleichzeitig 150-200 Milliarden Euro unversteuertes Kapital griechischer Vermögen auch in europäischen Steueroasen liegen.

EU-Agora jetzt! Europa erklären - und bei den Griechen anfangen. Die sogenannte Agoraphobie, die Angst vor öffentlichen Plätzen, prägt schon zu lange die Kommissions- und Ratspolitik der EU. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2011)

ULRIKE LUNACEK ist Europaabgeordnete und stv. Klubobfrau der Grünen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
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methinks there is much reason in his sayings
01
20.11.2011, 19:17

dieser vergleich mit der agora hinkt nicht nur, er hat nur ein bein. das ist, als wollt man die abläufe auf einem flugzeuträger mit denen auf einem ausflugsdampfer am neusiedlersee vergleichen.

Karl Buschina
00
20.11.2011, 18:31
Ein weiterer Schildbürgerstreich der EU.,.

Eine neue Verordnung verbietet die Behauptung, dass das Trinken von Wasser gut gegen Dehydrierung ist.

http://poorrichards-blog.blogspot.com/2011/11/e... event.html

Ich vermute, dass die Offiziellen nur mehr Whisky trinken und Wasser als Gefahr für die Whisky-Industrie betrachten.

Zinsenfeger
13
20.11.2011, 15:40
Ach je, geehrte Frau Lunacek, den Homer haben Sie aber nicht gelesen.

Dort gibt es noch keine Agora. In der Ilias und der Odysee treffen wir auf die archaische Welt der Stadtstaaten und Kleinkönigreiche. Ein Anführer, der sagt wo es lang geht, sofern er nicht in Streit mit den anderen Anführern verstrickt ist...

Das klassische Griechenland der Agora finden Sie in einer späteren Periode. Nur leider noch nicht so gängig für Comics aufbereitet.

EUphoriker
01
20.11.2011, 17:58
wer im glashaus sitzt...

vielleicht lesen sie ja noch mal den kommentar. dann fällt ihnen vielleicht auf, dass niemand behauptet, die agora käme in der ilias oder der odysse vor. es ist lediglich ein zitat des autors, der nebenbei im >griechenland der agora< lebte.

Aung San Suu Tschi
 
00
20.11.2011, 18:11
oder ein Zitat aus dem 1. Absatz "Agora" in de.wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Agora

Bei Homer geht's in der Illias um die Troja belagernden Griechen, "Heldentum" und niedrige Motive (Achilles, Briseis...) und den Sieg durch List, das trojanische Pferd. Von Demokratie ist da wenig die Rede.

In der Odyssee wiederum geht's um das sich Durchschlagen des intelligenten Einzelnen, gegen Naturkatastrophen und verführende Frauen mithilfe & gegen die Götter, einen Unterweltspaziergang, die Treue der Penelope, die Sehnsucht des Sohnes und den Kampf gegen die vermögensvernichtenden Freier. Auch hier ist wenig von Demokratie die Rede, vielleicht ein bissl bei den Phäaken.

Jedenfalls sind die besungenen Gesellschaften 3000 Jahre alt & mit uns überhaupt nicht zu vergleichen.

Staatssekretär
01
20.11.2011, 15:02
Hätte mich auf Homer Simpson gefreut...

Der erkennt wenigstes, wenn er sich am falschen Weg befindet - sagt, NEIN (D'oh). Und probiert was Anderes...

Zinsenfeger
01
20.11.2011, 15:31

tut er nicht! Er ist derjenige, der immer wieder in die Steckdose greift, so viele Stromschläge er auch abkriegt...

Generation Internet
11
20.11.2011, 08:33
Rettet Europa - Weg mit der EU

Der Kommentar lebt noch in einem Wunschtraum - dem Traum von der demokratischen EU.

Leider zeigt sich immer mehr die Wahrheit des Projekt EU: Die EU wurde von den Regierungen des demokratischen Europa erfunden, um ohne lästige Einmischung durch das Volk regieren zu können. Sprich, die EU ist das genaue Gegenteil von Homers Agora.

Natürlich: Es gibt Gruppen, die Zutritt zu den Korridoren der Macht haben. Man muß nur schauen, wer von Sparpaketen, Standortförderung und Bankenrettung profitiert...

Dass Kommision und Ministerrat diesen Zustand freiwillig beenden, ist mehr als unwahrscheinlich. Egal wieviele Länder noch genauso wie Griechenland den Bach runtergehen.

daBart
00
20.11.2011, 11:44

"Egal wieviele Länder noch genauso wie Griechenland den Bach runtergehen."
Ne, weil wenns richtig knallt wirds auch einige da oben erwischen ... oder sogar alle. Welche Macht das entstehende Vakuum füllen wird ist noch nicht bekannt, das kann von einer friedlichen, besseren Kraft bis hin zu einem neuen totalitären System alles werden.

Generation Internet
00
20.11.2011, 12:40

Beim zweiten Teil stimme ich zu - was kommt wenns "richtig knallt" steht in den Sternen.

Nur: Man kann davon nicht ableiten, dass die herrschende Kaste in irgendeiner Art und Weise intelligent oder weitsichtig agiert. Ganz im Gegenteil ... siehe Griechenland.

site:°~+*-||!#.\>
04
20.11.2011, 02:10

Was die EU-Führung von Homer lernen könnte?

Gar nix.

Was die Bevölkerung aus diesem Kommentar lernen kann? Dass die EU mit solchen Abgeordneten zum Scheitern verurteilt ist – und dass die Grünen in dieser Krise eine erbärmliche Rolle spielen.

Bis heute gibt es von den Grünen keine einzige intelligente Aussage zur Lösung der Krise.

Ach ja, und der Rettungsschirm, den die Grünen so befürworten, ist auch schon gescheitert:

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/11/31834/

Und das Osteuropa Risiko?

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/11/32835/

Pierre d´Aubusson
00
20.11.2011, 00:31
Liebe Frau Lunacek!

Ich hab mir hier im Forum mit Ihrem aus Bruxelles abberufenen Kollegen (wie hieß der doch noch) Psots hin und hergeschrieben anno Lissabon, da wurde auf Teufel komm raus dieser Vertrag verteidigt. Schriebe ich jetzt "obwohl ich dagegen war..", ich würd mich zu wichtig nehmen, aber:

Wenns sogar mir auffällt, daß da ein Parlament als - und jetzt nehm ich auch was klassisch-griechisches - Feigenblatt dienen soll, weils bei sich selbst keinen Antrag stellen kann, was wollns jetzt mit der "Agona" oder "Agorie", die dort zwangsläufig herrscht?
Waren die Grünen ohne Wenn und Aber für Lissabon, dann bitte kümmerts euch bitte um Arigona und laßts das mit der Agora. Is ja genauso geworden, wie es gewollt war, odr?

Grußlos
Pierre

Mensch0815
00
19.11.2011, 19:38

Griechenland bestand in der Antike aus Stadt-Staaten, die Menge der Personen, die an der Volksversammlung (polis) teilnahm, war also überschaubar. Auch deshalb, weil nicht nur die Frauen ausgeschlossen waren, sondern der Großteil der Bevölkerung,nämlich die Sklaven. Griechenland in der Antike war niemals ein Staat wie das heutige Griechenland. Und noch ein kleiner Hinweis für alle, die von einer solchen Institionen träumen, empfehle ich eine Teilnahme an den durchwegs öffentlichen Gemeinderatssitzung. Da könnens sehen, was Einsamkeit bedeutet, denn es geht kaum jemand hin. Direkte Demokratie heute kann nicht "Agora" bedeuten, sondern bindende Volksabstimmungen. Schweiz ist Vorbild.

graeslein
 
02
19.11.2011, 17:47

Also ich für mich bin heilfroh,dass hierorts keine Homerischen Zustände - Agora hin oder her - herrschen, denn Zutritt zur Agora hatten ja nur männliche Bürger, die absolut die Minderheit der Einwohner darstellten (Volkszählung in Attika: 21.000 Bürger und 400.000 Sklaven), waren doch die überwiegende Zahl griechischer Einwohner Sklaven, die eben keine Bürger waren. Was hier beschworen wird, ist die Herrschaft einiger weniger - der Aristoi über alle anderen.

Informationen aus Politikermund halte ich generell für wenig erhellend, was insbesondere für diesen sinnentleerten Artikel gilt.

Benjamin Klein
10
19.11.2011, 20:50
mißverstanden ?

es geht nicht um die alten Zustände,

es geht darum, dass es keine "gelebte Mitte" gibt sonder zu viele Zentren, die gegeneinander stehen,

wir wollen ja auch keine altgriech. Demokratie und haben doch die Idee von dorther verstehen gelernt!

byron sully
00
19.11.2011, 16:09

richtig, aber nicht genug. auch die grünen sollten gegenüber den immer brutaler agierenden finanzmärkten viel widerständiger agieren, als sie es bislang tun.

daslebenistschön007
01
19.11.2011, 12:11
Orwell, das wäre die bessere Lektüre, Frau Lunacek!

"The rules of the Inner Party are held together by adherence to a common doctrine. In a Party member not even the smallest deviation of opinion on the most unimportant subject can be tolerated. But it is also necessary to remember that events happened in the desired manner. And if it is necessary to rearrange one's memories or to tamper with written records, then it is necessary to forget that one has done so. The trick of doing this can be learned like any other mental technique. It is learned by the majority of Party members, and certainly by all who are intelligent as well as orthodox. In Oldspeak it is called, quite frankly, "reality control." In Newspeak, it is called doublethink, though doublethink comprises much else as well."

Pierre d´Aubusson
10
20.11.2011, 00:39

"It is learned by the majority of Party members,.."
Schauns Ihnen die Standrad-Psots an: "reality control", bis dorthin sind die Korrektheitstaliban ja eh schon gekommen. Mit und ohne Orwell.

daslebenistschön007
11
19.11.2011, 12:04
SPIRIT OF DIALOGUE

"What is essential here is the presence of the spirit of dialogue, which is in short, the ability to hold many points of view in suspension, along with a primary interest in the creation of common meaning." - David Bohm

Vergleiche:

"Doublespeak is language that deliberately disguises, distorts, or reverses the meaning of words. Doublespeak may take the form of euphemisms (e.g., "downsizing" for layoffs), making the truth less unpleasant, without denying its nature. It may also be deployed as intentional ambiguity, or reversal of meaning (for example, naming a state of war "peace"). In such cases, doublespeak disguises the nature of the truth, producing a communication bypass." - http://en.wikipedia.org/wiki/Doublespeak

daslebenistschön007
12
19.11.2011, 11:54
Dialog fehlt, oh ja!

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich - - und sich im 21. Jhdt ungebrochen auf eine mythologische Figur und alte Mythen zu beziehen: das zeugt nicht gerade von geistiger Größe. Und die vorherrschenden politischen Tendenzen zu einer Entdemokratisierung als 'Agoraphobie' zu bezeichnen, mag 'witzig' sein, weiterhelfen tut's aber nicht.
Was aber gut getroffen ist, das ist das fast völlige Fehlen von Dialog, von öffentlichem Beraten öffentlicher Angelegenheiten. Politik ist heutzutage fast völlig zu Lobbying und PR-Arbeit verkommen. Leider machen die Grünen dabei auch keine Ausnahme - 'it's the system, idiot!'

freiheitdermeinung
03
19.11.2011, 11:16
Ich habe von Frau Lunacek nichts Anderes erwartet

und grundsaetzlich habe ich kein Problem damit, dass sich Politiker gegenueber Ihrem Wahlvolk rechtfertigen sollten. Deshalb geht der Apell erstmal and die Adresse griechischer Politiker und nicht z.B. an Frau Merkel oder Herrn Cameron. Und was Frau Lunacek den Griechen zubilligt sollte sie uns nicht verwehren: a) eine Volksabstimmung ob WIR eigentlich dafuer sind, dass unsere Geldmittel fuer Dritte - womoeglich ohne die von Frau L. schlecht geredeten Gegenleistungen - eingesetzt werden sollen und b) ob es nicht genauso "gerecht" waere die hoehen EU Herren und ein paar Parlamentarier wie Frau L. selbst wuerden sich auf den Heldenplatz stellen und uns erklaeren warum uns der Zustand der griechischen Oekonomie wichtiger sein muss als unserer

Benjamin Klein
20
19.11.2011, 20:52
der Euro-Raum ist ein eionziger Wirtschaftsraum

daher geht nix an Dritte,

das Geld geht an Dt. Frz. beld u. auch österr. Banken, weil die diese Dividende für sich und ihre Kinden brauchen ....

Aung San Suu Tschi
 
03
19.11.2011, 10:57
Das Parlament ist DIE moderne Agora

Dass eine Abgeordnete, die ja die Gelegenheit hat(te), sich im Parlament zu äußern & das politische Geschehen mit-zubestimmen, sich jetzt für eine Agora einsetzt, ist doch bemerkenswert.

Frau Lunacek vergisst überdies, dass die antike Agora nicht nur zur politischen Diskussion, sondern auch als MILITÄRISCHER Versammlungsplatz der landbesitzenden Männer genutzt wurde & dass die Agora sich dann zum MARKTplatz weiterentwickelte.

Europa ist voller feiger gewählter Politiker, die wie die Angsthasen in ihren Parlamenten & Institutionen hocken, dort selten den Mund aufmachen, ihre Aufgaben also nicht erledigen.

Kaum sind sie woanders od. in Pension, richten sie den Wählern aus, was zu machen (gewesen) wäre (s. Kommentar v. Hrn. Vytiska). Ungut!

Saurer Zivi
11
19.11.2011, 09:37
frau lunacek weiß hoffentlich, dass Homer (nicht der Simpson!) gemäß wiss. Thesen von R. Schrott eindeutig aus Kilikien stammt, wir somit einen "alten Türken" als "Obervater" der europäisch-westlichen Leitkultur anrufen?!

Angesichts der Entstehung von Odysee u Ilias in Form der Oral Poetry scheint jedoch eine Autorenschaft eines Mannes überhaupt zweifelhaft.

Daher ist es ein extrem schlechter Zug, Homer heraufzubeschwören u ihn als für heute noch gültig zu setzen.

Warum reicht das EUParlament u all die Ausschüsse u Kommissionen, wo Griechen ja als EUMitglieder vertreten sind, als Agora nicht aus?

Das sollte uns Frau Lunacek vorab ausführlichst beantworten.

Dass sozial Benachteiligte weiter u stärker benachteiligt werden, liegt einzig in der Hand des nationalen Gesetzgebers, nicht in der Hand der EU.

Bitte nicht verwechseln-wenn GR keine EU-hilfe haben will, niemand zwingt das Land u die demokratisch gewählten Politiker dazu, diese anzunehmen

JonBut
11
19.11.2011, 09:12
Zwangsbeglückung "Made in Germany"

Jeder weiss, dass auf dieser Welt nichts geschenkt wird.
Die Griechen haben sich seit der Aufnahme in die EU sprichwörtlich auf die faule Haut gelegt und sich in den Schlaf "beschenken" lassen.
Nun wo ihnen ein Bankrott droht werden sie zu Tode beschenkt.
Mittlerweile haben sie diesen Trieb in die Sklaverei aber verstanden und wollen zumindest darüber abstimmen dürfen, was ihnen aber verboten wird.
Diese unendliche Zwangsbeglückung wird sich aber bald rächen.
Zuerst mit Spanien, dann Italien etc.
Was da in de EU abgeht ist die Schlacht ums Kapital. Deutschland wird Zug um Zug zum Zuchtmeister, die Franzosen ihre Handlanger und die Briten stehen wieder dort wo sie vor gut einem JH waren. Nur mit denkbar schlechteren Karten in der Hand.

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