Ungarns Wirtschaftskrise

Spiel mit dem Feuer

Kommentar | Josef Kirchengast, 18. November 2011, 18:47

Ungarn war schon einmal, im Herbst 2008, fast bankrott, jetzt ist es offenbar wieder so weit

Seit seinem fulminanten Wahlsieg vor eineinhalb Jahren hat der ungarische Regierungschef Viktor Orbán vorgeführt, was man mit einer Zweidrittelmehrheit im Parlament alles machen kann, um den Machterhalt langfristig abzusichern, und wie schnell man es machen kann: neue Verfassung, Beschneidung der Rechte des Höchstgerichts, Einschüchterung der unabhängigen Medien durch eine mächtige Kontroll- und Sanktionierungsinstanz und noch einiges mehr. Mahnende Worte aus der EU, die ohnehin nur sehr verhalten geäußert wurden, schmetterte Orbán als unzulässige Bevormundung ab - immer unter Berufung auf sein Mandat durch die Wähler.

Mit gleicher Vehemenz ging der selbsternannte Volkstribun in der Wirtschaftspolitik vor: Sondersteuer für Banken, die implizit zu Schuldenböcken für die Budgetmisere gestempelt wurden; gesetzliche Verpflichtung für die Banken, einen Teil der Verluste bei den Fremdwährungskrediten abzudecken. Und, vor allem: Vom Internationen Währungsfonds werde sich Budapest nichts mehr diktieren lassen.

Jetzt hat das Diktat der leeren Kassen Orbán zu einem Canossagang zum IWF gezwungen. Aber in den Worten des Premiers klingt das so: "Niemand kann mehr die wirtschaftliche Eigenständigkeit Ungarns einschränken." Das sei "das erste Gesetz der Regierungsphilosophie".

Glaubt Orbán selbst, was er sagt, dann handelt es sich um Realitätsverweigerung in fortgeschrittenem Stadium. Will er es seinem Volk wider besseres Wissen weismachen, dann ist es ein Spiel mit dem Feuer. Mit ihrer unkontrollierten Ausgabenpolitik waren es alle früheren Regierungen seit der Wende 1989, einschließlich jener unter Orbán, die Ungarns wirtschaftliche Eigenständigkeit selbst aktiv unterminiert haben. Das Land war schon einmal, im Herbst 2008, fast bankrott. Jetzt ist es offenbar wieder so weit.

Der Unterschied liegt darin, dass Orbán diesmal die Verantwortung nicht abschieben kann. Zugleich aber kann er die enormen wirtschaftlichen Probleme nicht im Alleingang lösen - Zweidrittelmehrheit hin oder her. Darüber täuscht nationalistisches Imponiergehabe nur kurz hinweg. Es werden die Rechtsextremisten von der Jobbik-Partei sein, die Orbán als Erste und am lautesten mit der Kluft zwischen Rhetorik und Realität konfrontieren. In Umfragen liegt Jobbik schon auf Platz zwei. Der Volkstribun wird die Geister, die er rief, nicht mehr los. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
1 2
1116er
22
21.11.2011, 09:28
hilfe für ungarn nach dem griechischen vorbild:

rücktritt und politverzicht der aktuell hauptverantwortilichen.
neue unabhängige regierung.
in absehbarer zeit neuwahlen.
und eine oberinstanz durch eu-beauftragte.

wenn orban und seine nationalistischen affen das nicht wollen, sondern weiterhin ungarn ungehindert beherrschen wollen, dann darf es keine hilfe geben!

muppetbasher
21
20.11.2011, 18:26
In privaten ungarischen Kreisen (incl. Bankern) abgefragt:

Die Lage ist wirklich beschissen!
(Wo lebt sandokan? Er kann nicht Ungarn meinen, und wenn, dann folgt er Orban & Cie: Die anderen sind schuld! Kommt uns doch bekannt vor!?)

asd73
11
21.11.2011, 12:49
"Die Lage ist wirklich beschissen!"

wow, Nikolo gibt es auch nicht, oder?!

sandokan55
11
20.11.2011, 23:39
"Die Lage ist wirklich beschissen! "

Ja, Sie haben Recht, nachdem Ungarn schon im 2008 (vor der Krise) Zahlungsunfähig war
– dieses Faktum wird immer wieder vergessen -
kann es heute 2011 noch jede Menge Probleme geben
und die Situation in der EU ist auch nicht besser, sondern noch schlimmer geworden,

Lesen Sie mein Posting an Globetrottel von 17Uhr18
(Das erste Zitat ist von Pesterlloyd :-) )

also,
"Die Lage ist wirklich beschissen! "
aber nicht hoffnungslos
und es gilt auch für die EU:-)

-_-
01
20.11.2011, 15:48
nach Fidesz

kommt Jobik

das ist die wahre Tragödie

drKannibalFekter
 
00
17.1.2012, 08:53
Jobbik ist Fidesz!!!!

Vona war und ist ein Orbán Getreuer - mit dem Auftrag den rechten Abschaum zu organisieren das Land rechts aufzuwiegeln, insgesamt also den rechten Flügel zu stärken. Das Gesindel ist jetzt bei Jobbik die Fidesz steht national und international deshalb nicht im Scheinwerfer.
Allerdings sorgt Orbán´s Blödheit trotzdem dafür dass das Land sehr sehr negativ eingestuft wurde weil es sich rasant von der Demokratie entfernt.

peak oil
10
24.11.2011, 16:15
diese zwischenstufe könnte man ruhig auslassen

und gleich nach orbán die LMP mit 3/4-mehrheit regieren lassen. dann würde sich endlich was ändern.

Bagolyvár
00
16.1.2012, 23:18
Eine 2/3 Mehrheit wird sich nicht ganz ausgehen.

Die sind sich nicht ganz einig wohin der Karren gehen soll!

Janosch bacsi
00
1.12.2011, 22:49

LMP und 3/4 Mehrheit? Bruhaha. Sie Träumer. Nicht einmal die 10% werden sie schaffen.

Staatssekretär
31
20.11.2011, 14:56
Kaum zu glauben, was Schwarz-Blau damals für Reaktionen auslöste

Die Regierungschefs in der EU hatten wirklich noch die Zeit, sich über die politischen Entwicklungen in einzelnen Mitgliedsstaaten Gedanken zu machen.

Heute, ein Kaczynski-Polen, ein Berlusconi/Lega-Nord Italien später - findet es niemand der Mühe wert, auch nur ein paar Worte über Ungarn zu verlieren -das derzeit auf direktem Weg in den Faschismus unterwegs ist.

el peregrino
23
20.11.2011, 11:21
kommt einem bekannt vor: die erzkonservativen "christdemokraten" bereiten mit ihrem faschismus den weg für die neofaschisten

klingt verdammt nach den hiesigen 30ern...

Peter_23
01
20.11.2011, 11:20
Die Lage in Ungarn ist nicht gut

Aber man kann es auch positiver sehen: Zum Glück, und das war wirklich nur riesen Glück, hat es Ungarn vor 2007/8 nicht in den Euro geschafft. Die waren manchmal schon recht knappt davor.

Damit ist in Ungarn in den letzten drei Jahren vieles besser gelaufen, als es mit dem Euro in Ungarn gewesen wäre. Sie konten die Währung abwerten, eventuell ein wenig zu viel, sie konnten den Banken mehr zwicken und zumindest teilweise an den Schlamasel beteiligen. Das wäre mit Euro alles nicht mehr so einfach gegangen, es wäre für Ungarn in den letzten 3 Jahren viel schlechter gelaufen.

PS:- Damit agumentiere ich im Kontra mal so wie die EU-Euphoriker auf EU-Linie, die einfach nur behaupten wie schlimm es ohne Euro in Österreich wäre ;-)

Bagolyvár
00
16.1.2012, 23:22
Ungarn knapp vor der Einführung des Euro?

Ja, aber zur Zeiten des Orban I. Kabinetts! Damals waren sie Musterknaben und dann kamen die SzDSz und Sozis.

Arpad Jakab
14
20.11.2011, 00:45
Der Westen

mit seinen Zusagen und Versprechungen sowie mit den für die Kolonialisierung aufgekauften Quislingen ist schuld an Ungarns Misere.
Es soll doch keiner denken, dass 10 millionen Ungarn mit 1/3 des Realeinkommens der Superman-Österreicher blöd und ohne Hirn und zwei arbeitsame Hände sind.
Forschet doch ausserhalb Ungarn und Orban für Gründe, die die Welt, Europa, EU, Ungarn und vielleicht mit Zeit auch Ö.Reich in die Enge treiben.

Helmut Hagen Plakolmer
23
19.11.2011, 19:12
ungarn hat zwar .....

einen berlusconiepigonen, aber leider keinen staatspraesidenten wie napolitano.
mal sehen wie lage es dauern wird, bis die feurigen magyaren begreifen, dass man mit faschistoiden methoden kerzengerade im untergang endet.

piroschka d.
11
20.11.2011, 12:05

das werden die (übrigens gar nicht sehr feurigen) magyaren erst während des untergangs begreifen.

ungarn ist ruiniert.

##V+##
21
20.11.2011, 07:14
Leider richtig! Die Orbán Handpuppe in der Budapester Burg ist leider zu gar nichts zu gebrauchen

Bagolyvár
00
17.1.2012, 10:18
Überlegen Sie was Sie schreiben!

Ibsen hat uns kein Link geliefert:
http://hirszerzo.hu/nyuzsi/20... szt_GLBRXH
Von „Liberalen“ ist die Rede und wie wir es von omar chamara wissen ist es ein Synonym für Juden, was auch dadurch belegt wird, dass G.Soros als Beispiel namentlich erwähnt wird!
Omar ist schon in sich gegangen und überlegt leicht irritiert wen er nun als Rassist, Antisemit usw. bezeichnen soll. Wollen Sie als Zielpunkt dienen?

##V+##
00
20.11.2011, 07:13
K

sandokan55
00
19.11.2011, 18:58

und mein Posting an oblomow II?

sandokan55
42
19.11.2011, 18:31
"Das Land war schon einmal, im Herbst 2008, fast bankrott. Jetzt ist es offenbar wieder so weit..."

Was für ein Blödsinn!

drKannibalFekter
 
26
19.11.2011, 20:30
Apukám te beteg vagy!

Bagolyvár
00
16.1.2012, 23:28

"Väterchen, Du bist krank" ein starkes Argument!

Sie werden es natürlich bald leugnen und mich als Verückt bezeichnen, denn ihre Unverschämtheit kennt keine Grenzen. Wahrlich ein geistiger Kanibale.

Janosch bacsi
31
21.11.2011, 10:29

Ihrem Vater gute Besserung, seggfejkém.

sandokan55
10
20.11.2011, 16:57

es gut gelungenes Selbstbildnis, gratuliere!

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