Sanader-Prozess nach Bombenalarm fortgesetzt

18. November 2011, 18:38
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Richter akzeptierten Video von Ex-Premier mit MOL-Chef als Beweis

Zagreb - Der Prozess gegen den kroatischen Ex-Premier Ivo Sanader wurde Freitagmittag fortgesetzt, nachdem das Landesgericht Zagreb zuvor wegen eines falschen Bombenalarms vorübergehend geräumt worden war. Sanader muss sich wegen Annahme von Schmiergeld - einmal von der Kärntner Bank Hypo Alpe Adria, das zweite Mal vom ungarischen Mineralölkonzern MOL - verantworten.

Das Gericht akzeptierte ein Video als Beweis, das Sanader und MOL-Chef Zsolt Hernadi bei einer Besprechung in einem Zagreber Nobelrestaurant zeigt. Das Material wurde am Freitag im Gerichtssaal vorgespielt. Es zeigt, wie Sanader seine Handy-Batterie aus seinem Mobiltelefon entfernt, Hernadi einen Zettel zuschiebt und dieser ihn nach längerem Überlegen mit einer Notiz versieht und zurückgibt.

Sanader soll von MOL zehn Millionen Euro an Schmiergeld erhalten haben. MOL erlangte im Gegenzug die Führung des kroatischen Ölunternehmen INA. Das Treffen hatte im Herbst 2009 stattgefunden, als Sanader nicht mehr Premier war. Die Anwälte des Politikers sprachen bei dem Video von einer Montage. Hauptbelastungszeuge in der Causa ist der kroatische Unternehmer Robert Jezic, auf dessen Schweizer Konto das Schmiergeld für Sanader eingezahlt worden sein soll.

"42 Regierungschefs getroffen"

In der Zwischenzeit reagierte auch die Pressabteilung von MOL. In einer Aussendung hieß es, dass das Treffen weder geheim gewesen sei, noch den kriminellen Charakter hatte, den ihm die Medien zuschreiben, und dass nichts verwerfliches daran sei, dass sich Hernadi mit einem ehemaligen Regierungschef getroffen habe. Hernadi habe "als Vorsitzender eines der größten Energieunternehmens Zentraleuropas in den letzten zehn Jahren mehr als 42 Regierungschefs getroffen", so MOL.

Im Fall Hypo, bei dem Sanader umgerechnet eine halbe Million Euro bekommen haben soll, sagte am Freitag Ex-Außenminister Mate Granic aus. Er erklärte, dass Sanader wegen seiner guten Deutschkenntnisse mit den Kreditverhandlungen beauftragt worden sei. Er selbst habe den damaligen österreichischen Außenminister Alois Mock (VP) regelmäßig über den Stand der Verhandlungen informiert - dieser habe die Kärntner Hypo empfohlen. Die Hypo gewährte dem Zagreber Außenministerium 1995 einen Kredit über 140 Millionen Euro für den Aufbau von Auslandsvertretungen des noch jungen Staates Kroatien.

Sanaders Verteidigung hatte schon am ersten Verhandlungstag darauf hingewiesen, dass der Kreditvertrag von Granic unterschrieben worden sei. Weil Sanader Provision dafür bekommen haben soll, muss er sich als Kriegsprofiteur verantworten. Der Prozess wird kommende Woche, Donnerstag, um 11.00 Uhr mit der Zeugenaussage Granics fortgesetzt. (APA)

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