Wiener Stadthalle

Das Leben braucht "Dup-di-dup"-Atmosphäre

18. November 2011, 18:03
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    foto: apa/georg hochmuth

    Musik und Licht befinden sich bei Konzerten von Jean Michel Jarre in einem stimmungsvollen Dialog.

Der elektronische Hexenmeister Jean Michel Jarre gastierte vor Freunden: Der französische Klassiker des Genres präsentierte eine erwartungsgemäß opulent visualisierte Musikshow.

Wien - Zu den eindringlichsten Kompositionen der Musikgeschichte zählen jene, die man als zehnjähriger Laie auf einem Tasteninstrument auf Anhieb nachspielen kann. Die Eltern erkennen das Lied - trotz falscher Töne - und freuen sich über die künstlerische Hochbegabung. Der Weg des Dieter Bohlen wird kein leichter sein.

Aber Kunst hat immer auch etwas Tragisches an sich. Titanen des Pop wie Richard Clayderman mit Ballade Pour Adeline, die leider etwas in Vergessenheit geratenen Einmannbands Hot Butter mit Popcorn und The RAH Band mit The Crunch oder auch Jean Michel Jarre mit Oxygène stehen hier für jene melodische Nachhaltigkeit, bei deren bloßer Erwähnung das innere Ohr für Tage von Würmern befallen wird.

Summen und Rauschen

Dup-di-dup-di-dup. Oxygen, Sauerstoff, Elementsymbol O, Ordnungszahl 8, der wahre Stoff: Während um das Jahr 1976 die deutschen Elektronikingenieure Kraftwerk gerade von der Autobahn zum Schienenverkehr im Trans Europa Express und von Verbrennungsmotoren zum Strom aus dem Atomkraftwerk wechselten, gelangte der französische Klangmagier Jean Michel Jarre zur Einsicht, dass komplizierte Technik zwar gut, die Anbetung der Mensch-Maschine aber nur den Blick auf das Wesentliche verstellt: das Summen und Rauschen und Brummen des Universums - und dort drin den Triumph der menschlichen Individualität.

Jarre ist in seinem Klanglabor seit dieser Zeit dem Ur-Swing auf der Spur. Es geht um die Syntax, den Bauplan, die Wos-woar-mei-Leistung der Gesamtheit aller Dinge. Noch vor dem Fressen und der Moral kommt an dieser Stelle die Luft zum Atmen ins Spiel. Leben, wie wir es kennen, braucht Atmosphäre. Zusammen ergibt das himmlische Musik, wie sie eines Luke Skywalkers und anderer Weltenwanderer würdig ist: Dup-di-dup-di-dup. Jean Michel Jarre präsentierte zuletzt 1997 in Wien im Rahmen von Wetten, dass..? vor dem Rathaus seine Forschungsergebnisse. Dieses Mal gab es der Mann, der mit diversen Besucherrekorden bei seinen Konzerten von einer Million Erdenbürger inklusive des Papstes aufwärts auch im Guinnessbuch der Rekorde zu finden ist, etwas billiger.

Mit der "Laser-Harfe"

Vor 5000 augenscheinlich schon seit Jahrzehnten gut in Publikationen wie Oxygène, Equinoxe oder Magnetic Fields eingearbeiteten männlichen Bewunderern präsentierte der elektronische Hexenmeister einen Überblick über sein Schaffen. Mit Ausnahme einer von Jarre beschwörend mit Handgesten gespielten futuristischen "Laser-Harfe", die bei gesellschaftlichen Anlässen auf dem Todesstern sicher für Aufsehen sorgen würde, waren auf der Bühne nur gute alte analoge Synthesizer aufgebaut.

Drei Helfer standen Jarre zur Seite. Oft wurde auch ein für mehr Nachdruck sorgendes Schlagwerk eingesetzt. Am frontal zum Publikum stehenden Hauptsynthesizer waren kleine Crashbecken angebracht, auf die der Meister fröhlich tanzend mit den Händen schlug. Sie sorgten für einen flott im Discobeat durch den Hyperraum fetzenden Sound: Dup-di-dup-di-dup. Zisch.

Man hatte es schon geahnt, als Jarre zu Beginn jovial durch das Publikum in den Saal marschierte und Hände schüttelte: Dies würde ein Abend unter Gleichgesinnten werden. Sogar mitgeklatscht durfte werden. Auf diese Einladung wird man bei Kraftwerk lange warten. Filmzuspielungen kündeten zwischendurch allerdings vom großen, alles gleichmachenden Bruder.

Gelassen bleiben

Dunkle Synthie-Wolken zogen auf. Angst machte sich breit. Jarre brach dessen Bedrohung durch einen spontanen Ausdruck seiner Individualität. Er spielte auf einer Empore ein langes, mutiges Solo auf einem Umhängekeyboard. Es klang wie Paganini, wenn er mit einer Gabel in den Toaster gefahren wäre.

Ruhig bleiben. Einatmen. Ausatmen. Oxygène. Wir werden es überleben. Dup-di-dup-di-dup. Zisch.  (Christian Schachinger  / DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.11.2011)

Nächstes Konzert: 19. 11., Münchner Olympiahalle, 20.00

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 75
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holzdieb
00
25.11.2011, 17:30

kein feuerwerk am ende? ich bin enttäuscht.

marty fink
00
25.11.2011, 12:45
Bin kein Jarre Fan aber

Warum geht's bei den Musik-, bzw. Konzertrezensionen im Standard eigentlich immer nur um den Schreiber?

Christof Volgger
23
20.11.2011, 23:47
Inkompetenz

Wieder ein schlechter Kulturartikel eines Standardmitarbeiters. Purer Zynismus. Diese Wörter wie Hexenmeister blah blah blah. Eine Frechheit.

Atheist von Gottes Gnaden
00
22.11.2011, 08:24

regts euch nicht auf, ist doch nur musikjournalismus. sowas liest man ja zur unterhaltung und nicht zur information. und unterhaltsam schreibt er ja, der schachinger. manchmal ein bisschen prätentiös. aber dafür versteht er was von musik, ohne einen besonders guten geschmack zu haben.

ausserdem kann man ja hier selbst ausgiebig in die tasten greifen und es besser machen. ich habe schon den einen oder anderen guten musiktipp dem standardforum entnommen.

Odette
00
20.11.2011, 17:25
mein exnachbar hatte offenbar genau EINE cd

über monate, täglich, auch sonntags, ab 7 uhr
ERBARMUNGSLOS
neinneinnein zu jarre

Long Dong Kong
02
20.11.2011, 20:56

Das würde auf jeden Künstler zutreffen wenn man EINE CD ständig hören würden.

Verklagen sie ihren Nachbarn wegen seelischer Grausamkei aber lassen sie J.M.Jarre damit in frieden,
dieser kann nix dafür.

So , Jetzt zieh ich mit Oxigene rein:-)

Herbert Prikopa1
02
19.11.2011, 21:01

Zwei Wahrnehmungsunterschiede:

- Das Publikum war gemischt: Männer, Frauen, Junge Alte...
- es waren nicht nur "gute alte analoge Synthesizer" aufgebaut, der vom Publikum aus gesehene frontal rechts stehende rote Synth ist eindeutig ein Clavia-Produkt, nicht unbedingt alt und nur dann analog, wenn man "virtuell analog" auch durchgehen lässt..

Mit den Solis konnte ich auch nicht wirklich viel anfangen, lag aber vielleicht daran, dass ich schon vorm Konzert Kopfweh hatte....
....ich bin zwar nicht paganini, hol aber ab und an steckengebliebenes Brot mit einer Gabel aus dem Toaster. Das klingt eigentlich gar nicht. Vielleicht mach ich aber auch was falsch...

Fried Locust
00
19.11.2011, 18:01

Mondbasis alpha 1 kommt mir gerade in den sinn.^^ Erstkontakt 76 mit jm jarre bei mir. ;)

santa fe
 
00
19.11.2011, 17:09

hinter der genial artikulierten "wos woa mei meinung" - attitude des sich entziehenden meisters verbirgt sich sein wissen um die letzten dinge.

masteriou
10
19.11.2011, 16:59
Zombie

Kann dem Verfasser des Artikels nur vollinhaltlich zustimmen:

http://ichwardabei.blogspot.com/2011/11/j... -wien.html

byron sully
04
19.11.2011, 15:51

ein musikalisch starkes erstes und letztes drittel des konzerts, dafür eine optisch/visuell sehr starke mitte (musikalisch vielleicht nicht ganz so stark). insgesamt ein toller abend. und ich freue mich schon auf den tag, an dem nervensäge schachinger endlich von wem anderen abgelöst wird.
wenn's was zu kritisieren gibt, dann vielleicht a) ein bis kurz vor schluß extrem braves publikum und b) die eine 1-cent-geschichte (mit 1 euro hätte die eine spendengeschichte schon etwas besser geklungen).

Inspektor Barnabys Ghoul
08
19.11.2011, 15:08

gratuliere wieder mal zur gelungenen inkompetenz.

hot butter war keine einmannband, sondern bestand aus: stan free, dave mullaney, john abbott, bill und steve Jerome sowie danny jordan.

Ronald Tekener
00
21.11.2011, 11:03

Alles kleiner als 10 ist eben 1. Passt zum Rest des Artikels...

TheUninvitedGuest
 
00
19.11.2011, 17:54

Aber knapp dran!

Kharma1
03
19.11.2011, 16:58
typisch schachinger halt

effekt vor inhalt

gwai loh
014
19.11.2011, 14:56
danke

schliesse mich den meisten anderen postern an. selten so ein wirres pseudo-fachliches gebrabbel gelesen. warum versuchen sie es nicht mit werbespots für katzenstreu?

trampolene
00
22.11.2011, 11:37

schachinger darf ja scheinbar nur mehr schreiben weil es dann soviele kommentare dazu gibt.das die meisten leserinnen mit seiner schreiberei nichts anfangen können scheint leider niemanden in der redaktion zu stören.

I love music
00
20.11.2011, 00:18
!!!!werbespots für katzenstreu!!!!

!!!Pruharhar!!!

Die Metapher des Tages!

haarspalter
00
20.11.2011, 16:37

was ist daran metaphorisch?

t. ricky
40
19.11.2011, 14:41
naja

schachinger halt, mit kritik hat das wenig zu tun, eher mit m*st*rbati*n an der tastatur. zu jarre fällt mir nur ein, dass ich letztes jahr einmal wieder die oxygen und noch irgend eine andere vinyl hervorgekramt habe. ich war echt verblüfft darüber, nicht einmal mehr erahnen zu können was mir damals daran gefallen hat. 70er sound halt. kraftwerk oder tangerine dream haben da auch heute noch meines erachtens mehr kraft und ausdruck, jarre ist einfach zu gefällig.

Günther Seehofer
02
19.11.2011, 14:58

Kraftwerk kann ich akzeptieren. Aber Tangerine Dream waren zwar mal gut, hatten aber nie wirklich Tiefgang und sind spätestens seit Mitte der 80er auf Bohlen-Niveau.

JMJ hingegen ist allein schon durch Zoolook über jeden Verdacht erhaben

t. ricky
00
19.11.2011, 21:23
ad tangerine dream

da haben sie schon recht, ich dachte auch nur an so grossartiges wie phaedra oder dieses live us album. aber sorry, bei jarre meinte ich auch die alten sachen heute gehört (unklar ausgedrückt mein posting) und nicht einmal die zünden bei mir mehr, damals aber schon. liegt wohl bei mir.

desteufelsbeitrag
10
19.11.2011, 14:24

Jedes Mal wenn ich eine Standard-Kultur-"Kritik" lese beschleicht mich das Gefühl ein intellektuelles Nackerbatzl zu sein.

Srsly, was wollen Sie damit sagen?
"Es war scheiße. Punkt."?
"Es war episch, aber die Mitklatscher hams verhaut."?
"Ich war nicht in der Stimmung für eine elektronische Reise."?
"Es war eh super, glaub ich, aber ich kenn vom JMJ leider nix außer Oxygène."?
"Dub-di-dudu-di-dup. So machts in meinem Kopf."?

An JMJ-Freunde: Schon mal "The Symphonic JMJ" angehört? Heißer Tipp.

Philip II
01
19.11.2011, 13:04

gibts eigentlich auch ne positive Kritik vom Schachinger zu irgendwas?

Ich Bins6
01
19.11.2011, 13:11

naja zu den Melvins einmal im Jahr, oder war das der fluch?

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