Kärntner Hypo rüstet sich für Prozesse

18. November 2011, 21:10
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Die Hypo Alpe Adria holt Ex-Staatsanwalt Erich Müller ins Team. Er soll große Fälle für die Justiz aufbereiten. Viel erhofft man sich auch vom Zeugen Heinrich Pecina

Wien - In der Hypo Alpe Adria geben einander Berater und Juristen die Klinke in die Hand. Die Bank unter Gottwald Kranebitter versucht seit der Notverstaatlichung vor zwei Jahren, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Besorgen soll das die CSI Hypo, die nun wieder ein neues Mitglied haben soll. Der pensionierte Wiener Staatsanwalt Erich Müller (Causa Lucona/Proksch), der heute als Anwalt arbeitet, soll große Fälle anklagefähig aufbereiten. Ziel: Bei etwaigen Verurteilungen winkt der Bank, die hunderte Millionen abschreiben musste, Schadenersatz.

Eine Causa, die demnächst vor Gericht verhandelt werden könnte: Die Kapitalerhöhungen, die die notorisch kapitalschwache Hypo ab 2004 durchführte. Die Crux: Die ersten Zeichner der Vorzugsaktien bekamen (günstige) Kredite der Bank; spätere die Zusicherung, die Aktien zu fixen Konditionen zurückgeben zu können. Somit hätte die Bank kein Eigenkapital geschaffen. Der Verdacht gegen die Ex-Banker, die selbigen bestreiten: Bilanzfälschung. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Das Geld holte sich die Hypo unter Wolfgang Kulterer von alten Geschäftsfreunden. Bei der Kapitalerhöhung 2004 war auch der langjährige Hypo-Kapitalmarktberater, Investmentbanker Heinrich Pecina von der VCP an Bord; via Privatstiftungen Annagasse (PSA; zehn Mio. Euro) und Collegia (CPS; fünf Mio.). Die PSA erwarb 2007 weitere Anteile (20 Mio.). Gerüchte, eine der Stiftungen sei Kulterer zuzurechnen, wies Pecina in seiner Einvernahme als wahrheitspflichtiger Zeuge am 1. April im Innenministerium zurück: "Der wirtschaftlich Berechtigte der PSA und CPS bin ich." Befreundet war er übrigens nicht mit Kulterer: "Es handelt sich um eine reine Geschäftsbeziehung."

Bei der Konstruktion des Vorzugsaktiendeals mit der VCP hatte offenbar Kulterer das Sagen. Laut Pecina ist die Kreditfinanzierung durch die Hypo Liechtenstein nämlich "auf Wunsch von Dr. Kulterer erfolgt" , eigentlich "hätte die VCP die Möglichkeit gehabt, die Finanzierung aus eigenem abzuwickeln." Kulterer habe aber "den Wunsch gehabt, ... das Kreditvolumen der Hypo Liechtenstein zu erhöhen" . Auch die Umwegkonstruktion - nicht die Stiftungen traten als Kreditnehmer auf, sondern zwischengeschaltete Gesellschaften wie die VCP-Steuerberatungsgesellschaft ABG des Stefan Malaschofsky - habe dem "Wunsch" Kulterers entsprochen. Und, so der VCP-Chef: "Das Investment war mit erheblichen Risiken verbunden."

Provisionsproblem

Auch für die Hypo, die ob der selbst finanzierten Kapitalerhöhung 2006 ins Visier der Aufsicht geriet. Sie kaufte also die Aktien zurück und platzierte sie neu, diesmal mit Rücknahmegarantie, was den neuen Aktionären sichere Geschäfte bescherte. Die verbliebenen auf Pump finanzierten Anteile wurden an den VCP-Geschäftspartner HSBC London verkauft. Eingefädelt hat diesen komplexen Deal (Projektname Hawk) die VCP, die dafür 1,13 Mio. Euro Provision bekam.

Eine anderes, für die Justiz unklares, Honorar für den Hypo-Consultants-Verkauf macht Pecina zur Zeit das Leben schwer. In dem Fall ist er Beschuldigter, er weist jeden Verdacht zurück. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19./20.11.2011)

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    Im Winter 2009 wurde die Bank verstaatlicht. Was davor geschah, wird mühsam rekonstruiert.

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