Gegen das Globale

18. November 2011, 17:30
51 Postings

"Occupy Innsbruck" protestiert im Zelt bei Minusgraden

Innsbruck - Am Rudolfsbrunnen am Bozner Platz steht schmutziges Geschirr und wartet in einer rosa Plastikkiste darauf, gewaschen zu werden. Wie auf einem Campingplatz hängen Handtücher vor den Zelteingängen. Der Bozner Platz ist aber kein Campingplatz, sondern eine Sehenswürdigkeit. Seit einer Woche campieren hier Mitglieder der Bewegung Occupy Innsbruck Tag und Nacht. "Es ist echt kalt", sagt Robert und reibt sich die Hände trotz dicker Handschuhe, "wir haben uns das falsche Wetter ausgesucht, um hier zu campieren. Aber wir müssen einfach protestieren." Gegen das Globale. Und die Wirtschaft müsse wieder für die Menschen da sein. Ansonsten unterstütze Occupy Innsbruck die Forderungen der spanischen Bewegung. Welche genau? Das zu erklären dauere viel zu lange, meint Nicole: die Abschaffung der Zinswirtschaft auf jeden Fall, und das Bildungssystem müsse reformiert werden. Robert und Nicole stehen vor einer Tafel. Darauf notiert sind die Personen, die an verschiedenen Tagen über Nacht "zelteln".

Die verschwinden untertags aber alle, sagen sie. So kalt sei es gar nicht mit einen guten Schlafsack, sagt Nicole. Heute bleibe sie wieder über Nacht. Immer schaffe sie das nicht. Sie brauche ab und zu Abstand. Insgesamt bestehe die Gruppe aus 500 Personen. Die Mediengruppe schneide etwa Videos. Da aber so viele in der Mediengruppe seien, habe man sich noch nicht auf einen Homepage-Namen einigen können. Eine Facebook-Gruppe gebe es schon. Bis Mitte nächster Woche will die Gruppe ihre Forderungen präsentieren. Bis dahin werde man mit den neun Einzelzelten und dem Küchenzelt auch übersiedelt sein. Denn laut Parkordnung dürfe man hier eigentlich nicht campieren. Der Vizebürgermeister (Anm.: Franz Gruber, VP) sei aber sehr kooperativ. Die Gruppe müsse sich nur noch auf einen neuen Platz zum Protestieren einigen. (Verena Langegger, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19./20.11.2011)

Share if you care.