"Occupy Innsbruck" protestiert im Zelt bei Minusgraden
Innsbruck - Am Rudolfsbrunnen am Bozner Platz steht schmutziges Geschirr
und wartet in einer rosa Plastikkiste darauf, gewaschen zu werden. Wie
auf einem Campingplatz hängen Handtücher vor den Zelteingängen. Der
Bozner Platz ist aber kein Campingplatz, sondern eine Sehenswürdigkeit.
Seit einer Woche campieren hier Mitglieder der Bewegung Occupy Innsbruck
Tag und Nacht. "Es ist echt kalt", sagt Robert und reibt sich die Hände
trotz dicker Handschuhe, "wir haben uns das falsche Wetter ausgesucht,
um hier zu campieren. Aber wir müssen einfach protestieren." Gegen das
Globale. Und die Wirtschaft müsse wieder für die Menschen da sein.
Ansonsten unterstütze Occupy Innsbruck die Forderungen der spanischen
Bewegung. Welche genau? Das zu erklären dauere viel zu lange, meint
Nicole: die Abschaffung der Zinswirtschaft auf jeden Fall, und das
Bildungssystem müsse reformiert werden. Robert und Nicole stehen vor
einer Tafel. Darauf notiert sind die Personen, die an verschiedenen
Tagen über Nacht "zelteln".
Die verschwinden untertags aber alle, sagen sie. So kalt sei es gar
nicht mit einen guten Schlafsack, sagt Nicole. Heute bleibe sie wieder
über Nacht. Immer schaffe sie das nicht. Sie brauche ab und zu Abstand.
Insgesamt bestehe die Gruppe aus 500 Personen. Die Mediengruppe schneide
etwa Videos. Da aber so viele in der Mediengruppe seien, habe man sich
noch nicht auf einen Homepage-Namen einigen können. Eine
Facebook-Gruppe gebe es schon. Bis Mitte nächster Woche will die Gruppe
ihre Forderungen präsentieren. Bis dahin werde man mit den neun
Einzelzelten und dem Küchenzelt auch übersiedelt sein. Denn laut
Parkordnung dürfe man hier eigentlich nicht campieren. Der
Vizebürgermeister (Anm.: Franz Gruber, VP) sei aber sehr kooperativ. Die
Gruppe müsse sich nur noch auf einen neuen Platz zum Protestieren
einigen. (Verena Langegger, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19./20.11.2011)