Der Türke als Affe

Glosse18. November 2011, 17:06
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Rassismus in der Staatsoper

L'Italiana in Algeri ist zweifellos ein Dauerbrenner in der Staatsoper. Immerzu ausverkauft. Dominique Meyer, der neue Direktor, spielt eben wieder eine Serie. Auf der Homepage überschlägt man sich geradezu mit Superlativen: "Jean-Pierre Ponnelles meisterhafte Inszenierung dieser genialen Komödie Rossinis ist ein musikalisches und szenisches Erlebnis auf höchstem Niveau!"

Nun ja, ganz so stimmt das nicht. Die Produktion, einst wahrscheinlich progressiv, ist aus dem Jahre Schnee. Was man daher sieht, ist, so die Angabe am Besetzungszettel, "nach einer Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle". Und sie entspricht längst nicht mehr unserer Vorstellung davon, was politisch korrekt ist.

Keine Frage: Anfang des 19. Jahrhunderts, als Rossini die Oper schrieb, waren die Türken generell nicht hoch angesehen. Aber ungebrochen werden die Vorurteile auf der Bühne der Staatsoper tradiert, garniert mit Nationalstolz ("Wir Italiener sind klüger!") und jeder Menge Sexismus. Ildar Abdrazakov darf als Mustafà drei Stunden den Affen machen. Und das im Wortsinn: Hat er doch ein Trikot voller zotteliger Haarbüscheln zu tragen.

Sicher, Meyer kann nicht sofort jede Repertoireproduktion auffrischen. Aber die mitlaufende Übersetzung könnte zumindest von rassistischen Wörtern wie "Mohr" und "Muselmane" befreit werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.11.2011)

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