Werner Faymann, der Grand Old Man von Europas Sozialdemokraten

Thomas Mayer, DER STANDARD, 18. November 2011, 16:54
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    foto: apa/wenzel

Neben Faymann werden mit der neuen dänischen Premierministerin Helle Thorning-Schmidt bald überhaupt nur zwei von 27 Regierungschefs aus der Sozialdemokratie kommen

Dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann steht beim nächsten EU-Gipfel am 9. Dezember in Brüssel eine Premiere der besonderen Art bevor: Der SPÖ-Chef wird dort als wichtigster Vertreter seiner europäischen Parteienfamilie und als Mann mit der meisten EU-Erfahrung bei den Staats- und Regierungschefs die Fahne der Sozialdemokratie hochhalten müssen.

Denn nach den Wahlen in Spanien am Wochenende kommt der Linken mit José Luiz Zapatero der letzte Premierminister abhanden, der schon vor 2009 im Europäischen Rat saß; der vor vier Jahren beispielsweise noch den jüngsten EU-Vertrag von Lissabon mitverhandelt hat oder die Maßnahmen zur Rettung der Finanzwirtschaft in der Union nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008. Faymann stieß im Frühjahr 2009 zum Klub der Mächtigen in Europa.

Zapateros Abgang ist der Schluss- und Höhepunkt einer Schwächephase, wie sie die europäische Sozialdemokratie noch nie erlebt hat: Vor dem Sommer wurde in Portugal der SP-Premier José Socrates aus dem Amt gewählt, im September stolperte in Slowenien Borut Pahor, vergangene Woche in Griechenland Giorgos Papandreou. In Großbritannien war Gordon Brown vergangenes Jahr gescheitert. Und das vor dem Hintergrund, dass die mächtigen EU-Staaten Deutschland und Frankreich konservativ regiert werden.

Neben Faymann werden mit der neuen dänischen Premierministerin Helle Thorning-Schmidt bald überhaupt nur zwei von 27 Regierungschefs aus der Sozialdemokratie kommen. Fast wäre Faymann der einzige gewesen: Denn Thorning-Schmidt hatte an sich ein schlechtes Ergebnis eingefahren, ihren liberalen Gegenspieler und Premier Lars Lokke Rasmussen aber knapp geschlagen.

Eine leichte Verbesserung könnte Belgien bringen, wenn der wallonische SP-Chef Elio di Rupo es schafft, eineinhalb Jahre nach den Wahlen endlich eine Regierung auf die Beine zu stellen. Aber sonst sieht’s traurig aus für die Linke: In Schweden, Irland, den baltischen Staaten, Polen, Ungarn, Tschechien, Rumänien, Bulgarien – überall sind konservative oder liberale Regierungschefs am Ruder. Italien ist mit dem unabhängigen Mario Monti jüngst die Ausnahme, und Zypern: Dort führt ein kommunistischer Präsident Dimitris Christofias die Regierung.

„Reden wir nicht davon, es sind das ganz traurige Zeiten“, sagte mir diese Woche ein Sozialist aus Belgien im Europaparlament in Straßburg, der lange dabei ist. „Unsere große Hoffnung ist jetzt Frankreich. Wenn Francois Hollande gegen Nicolas Sarkozy gewinnt, könnte es wieder aufwärts gehen.“ Aber auch das ist, trotz der Umfrageschwäche Sarkozys, keineswegs sicher: Hollandes Schwäche ist, dass er zwar lange SP-Chef war, aber noch nie ein Regierungsamt innehatte. Er war nicht einmal Staatssekretär. Ob die Franzosen ihn dann gleich zum Präsidenten machen? Wer weiß, und Sarkozy ist ein brutaler Wahlkämpfer.

Bleibt Deutschland: Dort wird erst 2013 gewählt. Der frühere SP-Finanzminister Peer Steinbrück tut im Moment alles, um sich mit der Unterstützung von Altkanzler Helmut Schmidt und einigen ihm zugeneigten Medien zum logischen Nachfolgers Angela Merkels hochzudiskutieren. Aber ob er es wird, ist nicht abschätzbar. Die SPD-Basis schätzt den schneidigen Steinbrück nicht sehr. In Berlin ist also alles offen.

Woher könnte eine inhaltliche und personelle Stärkung der Euro-Sozialdemokraten also kommen? Nicht zuletzt wegen der Schwäche auf der Ebene der Regierungen setzen viele europäische Sozialdemokraten jetzt auf das Europäische Parlament. Dort wird der bisherige SP-Fraktionschef Martin Schulz, ein wortgewaltiger Mann aus Aachen, ab Jänner das Amt des Parlamentspräsidenten übernehmen.

Schulz will den Job viel politischer, weniger diplomatisch und repräsentativ gestalten als seine Vorgänger. So hat er es angekündigt. Er möchte sich sehr aktiv in die Gestaltung der Union, in die Willensbildung der Regierungschefs einmischen. Das wird eine interessante Auseinadersetzung. Und aus österreichischer Sicht könnte dabei ebenfalls ein SPÖ-Mann eine Schlüsselrolle spielen, wie ich bereits mehrfach in anderem Zusammenhang geschrieben habe: Hannes Swoboda.

Er gehört zu den wirklich erfahrenen Europapolitikern der SPE, sitzt seit 1996 im EU-Parlament (wobei er ironischerweise als Wohnbaustadtrat von Wien der Vorgänger von Werner Faymann war). Swoboda rittert um die Schulz-Nachfolge als Chef der Fraktion, die er derzeit bereits geschäftsführend leitet. Seine Gegenkandidaten sind Catherine Trautmann aus Frankreich, die ehemalige sehr erfolgreiche Bürgermeisterin von Straßburg, und der Brite Stephen Hughes.

Alle drei Kandidaten genießen im SP-Klub in Straßburg hohes Ansehen. Nach derzeitigem Stand heißt der Favorit Swoboda, gefolgt von Trautmann und Hughes. Letzterer dürfte keine Chance haben, weil seine Labourpartei sich nicht von der Niederlage erholt hat, vor allem aber, weil er aus einem Land kommt, das nicht der Eurozone angehört. Das ist in Zeiten wie diesen ein K.o.-Kriterium.

In der direkten Konfrontation mit Trautmann (der Fraktionschef wird natürlich mit Mehrheit gewählt) spricht wiederum für Swoboda, dass er aus einem kleinen EU-Land kommt, den Parlamentsbetrieb kennt wie kaum ein anderer, er gilt als Mann der Mitte, der Ergebnisse bringt im Ausgleich mit den anderen Fraktionen. Und Swoboda hat die Mehrheit der Länderdelegationen auf seiner Seite, die aus Osteuropa praktisch geschlossen.

Auch Martin Schulz, der künftige Präsident, spricht sich offen für seinen derzeitigen Stellvertreter aus, genauso wie die deutsche SP-Delegation. Letzteres könnte aber gleichzeitig das Haupthindernis sein auf Swobodas Weg nach oben: es ist unklar, ob die Delegationen schon wieder einen deutschsprachigen, in manchen Ohren also „deutschen“ Fraktionschef wollen. Da klingt die Geschichte nach, ob das korrekt ist oder nicht.

Trautmann hat, wie es heißt, aber ebenso Chancen, wenn sie in die Stichwahl kommt. Von den rund 185 SP-Abgeordneten dürften ihr gut 50, 60 Stimmen sicher sein, vor allem aus Frankreich, Spanien und Italien. Bei den Fraktionschefs schneiden die Vertreter der großen Länder, umso mehr der Gründungsländer der EU, traditionell gut ab. Gegen sie spricht, dass der Fraktionschef der Konservativen mit Joseph Daul ebenfalls ein Franzose ist, der noch dazu auch aus dem Elsass kommt. Für manche ein bisschen viel Französisch in der Parlamentsführung. Für Trautmann ist vor allem die einflussreiche Frauenlobby in der SP-Fraktion. Viel hängt also davon ab, ob Hughes Abschneiden eine Stichwahl zwischen Swoboda und Trautmann erforderlich macht oder nicht.

Swobodas Stärke liegt im Gegenzug darin, dass er aus einem kleinen EU-Land kommt: Die haben zwar alle nur kleine Delegationen, aber sie sind auch sehr viele. Am 17. Jänner 2012 wissen wir mehr, das findet in Straßburg die Wahl von Präsidium und Fraktion statt.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2
Mostbluzza
01
28.2.2012, 11:36
stimmt, wenn alter ein verdienst wäre

fmi
01
30.1.2012, 07:55
In Wien

Sind die Migranten und das Wichtigste (neben den Papademos im Rathaus). Sie haben aber zum Großteil noch kein Wahlrecht. Migranten sind OK solange sie nicht das Ausland in eine arabische Landschaft verwandeln wollen, sonst gouttiert das der Arbeiter in Österreich nicht so.

Plato
02
27.11.2011, 20:02
Offenbar sind die Wähler in 25/27 Staaten überzeugt,

daß Konservative die Interessen des Arbeitnehmers besser vertreten (?), also haben die Linken ein massives Kommunikations-Problem

fmi
01
30.1.2012, 07:49
Warum plötzlich EU Freunde?

Die Konzerne brauchen die EU um ihre Produkte leichter verkaufen zu können. Anfangs waren die Roten wie die Grünen gegen den EU Beitritt, da haben sie noch die Menschen vertreten. Jetzt haben sie sich leider sich in eine Patt Stellung gebracht. Die EU wurde als Wirtschaftsunion verkauft, bei jeder Entscheidung überwiegt aber das Politische. Sonst wären Griechenland nicht dabei. Sie hätten unsere Autos und Waschmaschinen so auch gekauft, jetzt können sie nichts mehr kaufen.

wurm83
 
00
16.1.2012, 12:50
wenn die interessensvertretung von arbeitnehmern

der einzige grund zu wählen wäre...

aber da gibt es ja zB.: noch ganz unwichtige gruppen wie:

bauern, beamte und pensionisten...die zumindest bei uns ja klassische ÖVP wähler sind...

alleiner die pensionisten machen 25% unserer bevölkerung aus...rabarber rabarber

kurz: ihre aussage ist völlig wertlos, daher sie anscheinend davon ausgehen, dass nur arbeitnehmer wählen...oder diese zumindest eine absolute mehrheit unter den wählern bilden..aber so ist es nicht

pensionisten und beamten machen über 30% der BEVÖLKERUNG aus dann muss man natürlich noch kinder und andere nciht wahlberechtigte rausrechnen, damit sind die schon auf gut 50%......

unsre tante mizzi
03
21.11.2011, 09:16
oje - hoffentlich wird der faymann jetzt nicht unter naturschutz gestellt

Staatssekretär
02
21.11.2011, 00:18
Tja schade, dass wir einen Kanzler haben, der schon nervös wird - wenn er die Wiener Landesgrenze überschreitet

In dieser Situation ein BK Gusenbauer - international vernetzt, Fremdsprachen, Kosmpolit - der mit Rückendeckung aus Österreich.

Er könnte als BK ein wichtiger Player bei Merkel, Sarkozy, Juncker,... sein.

Fake Account
00
20.11.2011, 14:44

Also, ich find Ihn Supa

*hands up/give me five/jo man*

WernaeI Spindelmann
27
19.11.2011, 21:33
Was meinen sie was man im (europäischen) Ausland von uns und unserem Faymann so hält? Glauben sie dass er seine aus gutem Grund abgebrochene Schulbildung in Brüssel so einfach vertuschen kann?

Der große Mann
19
19.11.2011, 15:58

Hab grad von Bundeskanzler Faymann ein Tweet bekommen, dass er der beste Bundeskanzler der Welt ist!
Lasst uns alle gleich einen Eintrag in seinem Facebook machen und ihn hochleben lassen weil er so supi ist!

Luise Rache
05
19.11.2011, 14:21
ist der andere auch so peinlich wie unser grinsekanzler?

Zinnmo
 
00
20.11.2011, 19:52

Also das wird schwierig.

mike1004
00
19.11.2011, 13:21
Werner Failmann,

"der Grand Old Man von Europas Sozialdemokraten".

100 Jahre Kreisky
00
19.11.2011, 13:06

bei uns geht ja auch die welt 4 jahre später unter.

Passwortbenutzer
01
19.11.2011, 12:56

da werdens wieder ein fettes Buffet auffahren.

Walter KURTZ
 
00
19.11.2011, 12:53

Werner Faymann ist Regierungschef? Das wär ja mal ganz was Neues...

wieso auch nicht
17
19.11.2011, 11:56

Hannes Swoboda personifiziert alles was falsch ist an der Sozialdemokratie. Dieser Mann gehört in die Pension.

shaki1
13
19.11.2011, 10:50
Die Sonne steht niedrig

Nicht nur im Winter.

Oscar W
00
19.11.2011, 18:31
Kärntner?

shaki1
00
19.11.2011, 19:37

Na.

ddsg-kapitän nemo
96
19.11.2011, 10:34
armes österreich

dass wir eines der wenigen europäischen länder sind, die einen sp-kanzler ertragen müssen, ist bedauerlich genug ... aber dass es sich dabei dann auch noch um FAYMANN handelt, ist wirklich tragisch. ein intellektuell unbemittelterer und hinsichtlich der boulevardmedien ungustiöserer regierungschef ist kaum vorstellbar.

Superschurke
04
20.11.2011, 15:37

"ein intellektuell unbemittelterer und hinsichtlich der boulevardmedien ungustiöserer regierungschef ist kaum vorstellbar."

HC Strache ab 2013 für zehn Jahre wird noch schlimm genug.

01052004
22
19.11.2011, 10:11
wieso

verbinde ich sozialdemokratie nur mit gewerkschaften und gewerkschaften mit blockierern???

Wicked Vienna
01
20.11.2011, 00:21

Das hängt davon ab, ob´st am 31. oder am 8. dein Geld bekommst.

Der große Mann
35
19.11.2011, 09:39

... und man darf auch nicht vergessen, dass sich Faymann den letzten Wahlsieg mit Milliardenschulden für die Österreicher erkauft hat!

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