Neues Engagement der USA in Asien macht Peking nervös

18. November 2011, 17:12
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"Das letzte Mal, dass Darwin in der militärischen Planung der USA eine wichtige Rolle spielte, war zu Anfang des Zweiten Weltkriegs"

In Peking geht das geflügelte Wort vom "asiatischen Tanz" der USA um. Chinas Führung versucht sich einen Reim auf das Tempo zu machen, in dem die USA als pazifische Macht wieder Flagge zeigen und Peking dabei auf die Füße treten. Überrascht schreibt Ding Gang, ein Chefkommentator des Parteiorgans Volkszeitung, dass sich die USA schneller wieder engagierten, als alle erwartet hatten: Die US-Asien-Politik gehe "vom Walzer zum Stepdance über".

Als Erstes hätten die USA wieder ihre alten Allianzen erneuert und erweitert, analysieren chinesische Strategieforscher. Die Vertiefung des Bündnisses mit den Philippinen und die Vereinbarung der USA mit Australien, im Hafen Darwin Elitekampftruppen zu stationieren, seien jüngste Beispiele. Darwin liege nur 820 Kilometer von Indonesien und dem von China beanspruchten Südchinesischen Meer entfernt.

Die Nachrichtenagentur Xinhua warnte: "Das letzte Mal, dass Darwin in der militärischen Planung der USA eine wichtige Rolle spielte, war zu Anfang des Zweiten Weltkriegs. Daher kommt der Absicht Washingtons, den Hafen als neues Zentrum für seine Operationen in Asien und gegenüber China zu nutzen, beträchtliche Symbolik zu."

Obama setze auch wirtschaftliche Hebel ein. Der US-Präsident gab jüngst den Aufbau einer pazifisch-asiatischen Freihandelszone bekannt, an der sich inzwischen die Hälfte der Staaten Südostasiens beteiligen. China bleibt außen vor. Ein Beitritt Pekings sei möglich, sagte Obama, sobald es die marktwirtschaftlichen Vorbedingungen dafür erfüllen könne.

Am Samstag nimmt Obama mit Außenministerin Hillary Clinton erstmals am Ostasiengipfel (EAS) in Bali teil. Clinton setzte sich dafür ein, in Bali auch die Sicherheit der Schifffahrt im Südchinesischen Meer zu erörtern. Für Peking ist das ein absolutes Reizthema. Chinas Premier Wen Jiabao warnte die USA am Freitag vor einer Einmischung in Territorialstreitigkeiten im Südchinesischen Meer. "Außenstehende Kräfte sollten sich unter keinen Umständen einmischen." (Johnny Erling aus Peking /DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2011)

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