Ieng Thirith soll in Haft bleiben
Phnom Penh - Die Ankläger beim Rote-Khmer-Völkermordtribunal in
Kambodscha haben am Freitag Berufung gegen die Freilassung der Angeklagten Ieng
Thirith eingelegt. Die früheren Sozialministerin war unter anderem wegen
Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Das Gericht befand aber, dass die
79-Jährige an Demenz leide und dem Prozess nicht mehr folgen könne. Die Ankläger
möchten erreichen, dass die Angeklagte weiter unter medizinischer Beobachtung in
Haft gehalten wird und ihr Zustand in einigen Monaten erneut überprüft wird,
teilte das Gericht am Freitag in Phnom Penh mit.
Dem von China unterstützten maoistischen Schreckensregime der Roten Khmer,
das mit brutaler Gewalt das südostasiatische Land in eine kollektivistische
Agrargesellschaft umgestalten wollte, waren bis zu zwei Millionen Menschen zum
Opfer gefallen. Anfang 1979 hatte eine vietnamesische Militärintervention die
Gewaltherrschaft der Roten Khmer beendet.
Der Prozess gegen Ieng Thirith und drei weitere ehemalige Spitzenfunktionäre
hat im Juni begonnen. Er soll am kommenden Montag fortgesetzt werden. Die drei
anderen Angeklagten sind der Ex-Chefideologe und damalige Stellvertreter von
Diktator Pol Pot, Nuon Chea, der frühere Staatschef Khieu Samphan und Ieng
Thiriths Mann, der frühere Außenminister Ieng Sary. Alle haben die
Anschuldigungen zurückgewiesen. Ieng Thirith war die Schwägerin Pol Pots.
Dem aus 17 kambodschanischen und 13 von den Vereinten Nationen gestellten
ausländischen Juristen bestehenden Sondertribunal, das 2006 nach fast
zehnjährigen Verhandlungen errichtet worden war, sind enge Grenzen gesteckt;
andernfalls wäre seine Einsetzung am Veto Chinas, der einstigen Schutzmacht der
Roten Khmer, gescheitert. Die Untersuchungen sollen sich auf die Zeit von 1975
bis 1979 beschränken, der internationale politische Hintergrund soll
ausgeklammert bleiben. Das Tribunal kann Haftstrafen zwischen fünf Jahren und
lebenslang verhängen. (APA)