Keine Rezeptlösungen mehr

Mathe-Zentralmatura: "Ende der Schwindelkultur"

18. November 2011, 16:52
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    foto: apa/gambarini

    Zentralabitur in Deutschland.

Bildungsexpertin Koenne hält Forderungen nach dem Verschieben der Zentralmatura für "Angst vor Veränderung"

Wien  - Für die Bildungsexpertin Christa Koenne ist mit der 2013/14 startenden Zentralmatura die "Stunde der Wahrheit" und gleichzeitig das Ende der "Schwindelkultur" bei der Mathe-Reifeprüfung gekommen. Derzeit würden die Schüler lernen, Aufgaben rezeptartig zu lösen. "Sie können nicht das, was wir ihnen und uns vorschwindeln." Bei den Probeläufen zur Zentralmatura, bei der Kompetenzen und nicht kurzfristiges Detailwissen gezeigt werden muss, seien die Erfolgschancen der Schüler deshalb "äußerst gering" gewesen. Für Koenne sind nun die Lehrer gefordert, ihren Unterricht anzupassen.

"Angst vor Veränderung"

An Unterstützung aus dem Unterrichtsministerium mangle es dabei nicht, so die frühere Mathelehrerin und AHS-Direktorin. Ganz friktionsfrei wird der nötige Kulturwandel jedoch nicht über die Bühne gehen. So haben am Donnerstag AHS-Lehrergewerkschaft sowie Eltern- und Schülervertreter eine Verschiebung der Zentralmatura in Mathe und Deutsch gefordert, da die Schüler mangels Lehrmaterial und konkreter Vorgaben nicht sinnvoll darauf vorbereitet werden könnten. Für Koenne ist das lediglich ein Zeichen der "Angst vor Veränderung" des Schulsystems: "Der Zugang zu einer Unzahl von Unterlagen ist gegeben", verweist sie auf das Material, das im Auftrag des Ministeriums vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) erstellt wurde. "Die Lehrer müssen halt ihren Unterricht so ändern, dass diese Art von Beispielen für ihre Schüler lösbar ist."

Lehrer suchen Beispiele nach Vorlieben

Dieser neue Zugang widerspreche aber der bisherigen Praxis, dass Lehrer Beispiele stark nach ihren persönlichen Vorlieben ausgesucht haben, so Koenne. Die Forderung nach besserer Vergleichbarkeit unterstützt sie dennoch vollends. "Schule ist ja kein Atelier für freischaffende Künstler, wo jeder sich das heraussucht, was ihn selber am meisten interessiert", so ihre nach eigenem Bekunden überspitze Darstellung. Bei der Zentralmatura gehe es nun weniger um das Umlegen von Rezepten auf verschiedene Beispiele als um "Begründen, Argumentieren, Durchblick haben", so Koenne. "Das ist schon die gescheitere Art zu prüfen. Das wissen die Lehrer auch. Was sie sich weniger zutrauen, ist, die Schüler dorthin zu begleiten."

Immerhin sei es, wenn man einmal lange genug im selben Trott gelebt habe, eine Herausforderung und auch ein Arbeitsaufwand, den Unterricht zu ändern. Dass die Vorgaben nun von Außen kommen, begründet sie mit Versäumnissen der Gewerkschaft in der Vergangenheit. "Wir hätten uns die gesamte Zentralmatura erspart, wenn Lehrer das längst selber gemacht hätten, sich gemeinsam überlegt hätten, welche Beispiele bei der Matura zu stellen sind." Das sei aber daran gescheitert, dass die Gewerkschaft sich nur um Arbeitsbedingungen und zu wenig um die Profession gekümmert habe."Wenn sich jede Schule und später jede Region und letztlich alle sich dieser gemeinsamen Aufgabe gestellt hätten, müssten wir die Vorgaben jetzt nicht von außen kriegen." (APA)

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Barbara G
00
11.12.2011, 21:36
Wir hätten uns die gesamte Zentralmatura erspart, wenn Lehrer das längst selber gemacht hätten, sich gemeinsam überlegt hätten, welche Beispiele bei der Matura zu stellen sind.

Frau Könne war ja Lehrerin und Direktorin - also warum hat sie nichts gemacht???? Kann daher ihre Aussagen leider nicht ernstnehmen - vielleicht hör ich auch nur noch das "Vorläuten" aus vergangen Zeiten! Man kann jedenfalls nicht alles der Gewerkschaft in die Schuhe schieben - mich hat die Gewerkschaft jedenfalls noch nie am Arbeiten behindert und meine KollegInnen ebenfalls nicht. Es gibt seit Jahren klassenübergreifende Wiederholungsprüfungen, Schularbeiten und Reifeprüfungen in der BHS! Ebenso ein Qualitätsmanagement und einen Unterricht, der an die Bildungsstandards angepasst ist. Viele Arbeitsstunden werden dazu verwendet dies zu besprechen und gemeinsam zu evaluieren! Vielleicht ist das ja in AHS nicht so, da habe ich keinen Einblick

ASDFGHJKLÖÄ'
01
21.11.2011, 13:47
Wir hätten uns die gesamte Zentralmatura erspart, wenn Lehrer das längst selber gemacht hätten, sich gemeinsam überlegt hätten, welche Beispiele bei der Matura zu stellen sind.

Jeder Lehrer musste doch seine Beispiele für die Matura (2 Gruppen) beim Stadtschulrat einreichen, um sie genehmigen zu lassen. Wieso hat man die dann genehmigt? Wo war da die Kontrolle?

Markus138
02
21.11.2011, 13:00
"Schule ist ja kein Atelier für freischaffende Künstler, wo jeder sich das heraussucht, was ihn selber am meisten interessiert"

stimmt, denn dann würde die Schule Spaß machen, sinnvoll sein und Schüler_Innen auf ihre Zukunft vorbereiten und das alles wollen wir in österreich ja mal wirklich nicht

lanebbia
01
21.11.2011, 12:56

Was ich mir so erzählen habe lassen, hat man angeblich die Vorgaben der UNI Klagenfurt, an die sich Mathe Professoren für die Vorbereitung der Zentralmatura gehalten haben(5.,6. Kl.) geschmissen und folgt angeblich jezt anderen Unterlagen, das Ganze 2 1/2 Jahre vor dem Ereignis, also eine viel zu geringe Vorlaufzeit.Da hat man die Pferde mitten im Strom gewechselt.
Auch bei der vorwissenschaftlichen Arbeit wird Vieles danebengehen, weil zu wenig Ressourcen da sind, man das Ganze nach "es wird schon gehen" geplant hat, eigentlich würde man dafür eine Ganztagsschule brauchen,die es nicht gibt.
Traurig nur,dass diese mangelhaft vorbereitete Aktion auf dem Kopf der SchülerInnen ausgetragen wird.
Zweck ist vermutlich eh der numerus clausus

Kanzlerin1
00
21.11.2011, 12:44
Einhaltung des Lehrplans

So lange AHS-Lehrer sich nicht an den vorgegebenen Lehrplan halten, hat es auch kaum einen Sinn eine Zentralmatura abzuhalten. In 4 Jahren Unterstufe wurde der Kreis in Mathematik von beiden Mathematiklehrerinnen nicht durchgenommen. Dieses Jahr in der Oberstufe mit einem neuen Mathematiklehrer wurde der Stoff schnell in 20 Minuten durchgenommen. Dies würde bedeuten, dass knapp vor der Matura noch schnell durchgenommen wird, was bis dahin verabsäumt wurde. Diese Vorstellung ist für die Beteiligten Schüler und Eltern reichlich erschreckend.

E_Rybin
00
21.11.2011, 19:59
was soll man mehr als 20min über den kreis reden...

Plus Lucis
00

Definition, Formel, Parameterdarstellung, Ablesen von Mittelpunkt und Radius, Schnitt mit einem zweiten Kreis, Schnitt mit einer Gerade, Definition einer Tangente, Formel für Tangenten an den Kreis, Konstruktion einer Tangente, Konstruktion von Umkreisen und Inkreisen, Thaleskreis, Peripheriewinkelsatz, Zentriwinkelsatz, Pol und Polare, Kreisspiegelung, ....

Mike Davis
 
00
21.11.2011, 10:13

Mich würde, als ernstgemeinte Frage, interessieren, was die LehrerInnen für Alternativen zur Zentralmatura sehen?

Die derzeitige Situation ist eine Lotterie, wo innerhalb einer einzigen Schule völlig unterschiedliche Qualifikationen vermittelt werden, die Benotung intransparent ist und die schlechtesten Lehrer die besten Noten hergeben, weil sie Angst vor echter Überprüfung haben (in unserer Schule war es normal, weite Teile des Stoffs für die Matura auszuschließen, und die LehrerInnne haben augenzwinkernd gesagt, "DAS würde ich mir ganz genau ansehen".

Soll man also einfach so weitermachen?

Und SchülerInnen mit schlechten LehrerInnen haben einfach Pech gehabt?

Radio Eriwan
00
21.11.2011, 12:45
Die Alternative lautet: Matura als alles entscheidende Schlussprüfung abschaffen.

D/E
01
21.11.2011, 10:39
Ich zähle mich zu den Befürwortern der teilzentralen RP.

Allerdings war der Ablauf schlicht und einfach unrealistisch:

Als Erstes wären die Lehrpläne zu vereinheitlichen gewesen, und man hätte eindeutige inhaltliche Zuweisungen vornehmen müssen (z. B. eine Leseliste in Deutsch).

Anstelle des teuren, abgehobenen und offenkundig ineffizienten Bifie hätten (von mir aus per Zufallsgenerator) ausgewählte Lehrer/innen Aufgaben nach diesen klaren inhaltlichen Vorgaben erstellen müssen. Die Durchführung hätte natürlich gleichzeitig erfolgen müssen, die Korrektur anonymisiert an anderen Schulen oder zumindest in Anwesenheit eines von einer anderen Schule zugewiesenen Zensors (wie etwa in Skandinavien üblich).
Feldtestungen hätte es gleichzeitig und für a l l e Gegenstände geben müssen.

nina yankow
00
21.11.2011, 13:47
Bitte ein bisschen weiterdenken.

Wozu eine einheitliche Leseliste? Gerade für schriftliche Arbeiten sind unzählige sinnvolle Kompetenzen im Lehrplan vorgeschrieben, die keinerlei Bezugnahme auf bestimmte Werke erfordern
Gäbe es eine Leseliste, gäbe es binnen kürzester Zeit entsprechende "Lernliteratur" - womit der Fokus auf Kompetenzen hinfällig wäre.

Es sind unzählige Aufgabenstellungen auch ohne Leseliste möglich, mit vielen Vorteilen gegenüber einer Leseliste.

Gerade beim Lesen sollten Lehrer und Schüler (im Rahmen der allg. Bildungsziele) Wahlfreiheit haben. Dass wir (wie viele andere Länder, in denen es eine schriftliche Zentralmatura gibt) einen Rahmenlehrplan statt Detailvorgaben haben, hat gute Gründe.

D/E
00
21.11.2011, 15:55
Können Sie sich endlich die Vorgaben (und die Lehrpläne)

anschauen?

Es ist sinnlos, mit Ihnen zu diskutieren, solange Sie von erfundenen Fakten ausgehen.

nina yankow
00
21.11.2011, 16:07

Ich habe Sie gelesen, egal wie oft Sie behaupten, ich hätte das nicht getan.

D/E
00
21.11.2011, 16:47
Aha.

Dann lesen wir verschieden.

Ich wundere mich außerdem, warum sich Arbeitsgruppen aus BHS-Lehrern zusammenfinden mussten, die mithilfe der Lehrpläne die Kompetenzen für Englisch, Deutsch etc. festzulegen hatten und warum das für Mathematik (BHS) bislang noch nicht geglückt ist.

Es herrscht offensichtlich noch Nachfrage nach Expertinnen. Vielleicht wäre da ein Betätigungsfeld?

G. Lavant
01
21.11.2011, 14:05

Pfusch bleibt Pfusch - ob mit oder ohne Leseliste.
Und dass es Leute gibt, die den Pfusch verteidigen wirkt langsam peinlich.
Man hat Geld noch und noch verbraten und jetzt stellt sich langsam heraus, dass man damit nicht einmal ein kleines Würstchen warm gekriegt hat.
Es wird langsam ärgerlich.

G. Lavant
01
21.11.2011, 10:25
Wenn man einen Stein werfen will, soll er nicht größer sein als man heben kann

Die Zentralmatura ist nicht das wichtigste Problem. Wenn das System stimmt, kann man sogar die Diskussion auf nahe Null zurückfahren.
Wenn man aber eine Zentralmatura will, dann müssen die Ziele offen gelegt werden. Elemantarmathematik bis zur Matura ist nicht so verschachtelt und unübersichtlich, dass man nicht festlegen kann, welche Inhalte aufeinander aufbauen und bis zu welchem Niveau man unterrichten muss, um darauf aufzubauen zu können.
Wenn eine Zentrale Prüfung gewünscht ist, dann haben Rahmenlehrpläne in der jetzigen Form keinen Platz. Dann muss man sich eben auf einen harten, definierten Kern einigen und was darüber hinaus geht ist die Kür des einzelnen Lehrers.
Jetzt ist alles was im Lehrplan steht, Kernstoff. Und das geht nicht

verinus
11
21.11.2011, 08:35
was einem zu denken geben sollte...

...ist, dass die ganzen bildungsexperten keine 10 jahre berufserfahrung als lehrer haben...aber vielleicht bliebe uns der ein oder andere blödsinn dann erstspart.

kakaniengeist
26
21.11.2011, 07:58
mathematik profan!

je mehr die ausbildungsschiene richtung KOMPETENZORIENTIERUNG gelaufen ist, desto mehr ist in RECHNEN in der oberstufe eine *buchstabenhirnonanie* betrieben worden, mit einer aufgabenstellungssemantik, in der man krampfhaft versucht(e), aus einer lösung ein rätsel zu machen.

diese absolventInnen schaffen es heute nicht mehr:

eine ganz einfache überschlagsrechnung im kopf zu machen,

ungefähr abzuschätzen, wie viel geldwert sich im einkaufswagen befindet,

wie viele fliesen-qm² aus einem abverkaufsangebot man bräuchte, um die heimische badlandschaft zu gestalten,

umwandlungen von einfachen brüchen in einfache prozentwerte zu vollziehen,

...

und wenn ich dann die *kompetenz*-beispiele des bifie sehe, kommt mir sofort das spei...!

nina yankow
00
21.11.2011, 13:56

die fähigkeiten, die Sie ansprechen, sollten teilweise am ende der VS, allerspätestens aber am ende der unterstufe sitzen.

es ist ein bisschen lächerlich, jetzt das bifie dafür verantwortlich zu machen, dass bei uns die basiskompetenzen weder in VS, HS noch AHS effektiv gesichert werden und der oberstufenlehrplan hauptsächlich eine vorbereitung für's studium sein soll (und auch das nicht ideal, weil wichtige inhalte wie statistik im vgl. zu lebensfernen inhalten wie zB dem händischen integrieren zu wenig raum haben).

3141
00
22.11.2011, 19:41
Das tun sie aber nicht

leider nicht einmal am Ender der Oberstufe.

Dafür kann das Bifie natürlich nichts. Aber es ist lächerlich vom Bifie (speziell vom Ehepaar Lucyshyn), dies nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen. Zitat: "Das ist politischer Wille und kann nicht diskutiert werden"

kakaniengeist
00
21.11.2011, 15:00
sie wissen aber schon des längeren nicht mehr, welches niveau in schulen vorhanden ist!?

eine bildungsreform, die mit hetztiraden gegen lehrerInnen beginnt und eltern und schüler nicht in die pflicht nimmt, ist von vorneherein zum scheitern verurteilt.

gehen sie davon aus, dass mindestens ein drittel der schüler nur will, wenn es will, und nicht, wenn es soll.

und ohne showmasterqualitäten erreichen sie bei dieser klientel

gar nichts!

horsti
00
21.11.2011, 13:21
klar solln sie das AUCH koennen

aber ein bisserl mehr als immer nur Hausverstand kann und soll man auch erwarten, oder?

gaulois51
11
21.11.2011, 07:09
Die Zentralmatura an sich ist schon OK ...

.. aber es hapert an der Umsetzung.
Gerade die Mathematik ist ein unheimlich weit gespanntes Feld und es wäre ganz wichtig, in etwa zu wissen, welche "Feldbereiche" zur Matura kommen werden.

Wenn ein Lehrer (unwissentlich) das Feld "Wahrscheinlichkeitsrechnung" nicht erraten hat, dann kann ein Schüler dieses Beispiel nicht können, er hat nie etwas davon gehört.

Und bei den aktuellen Bla-Bla-Lehrplänen kann man auch als Lehrer nur raten, was tatsächlich kommen könnte.

Dass daneben (zumindest bei der Hälfte der Arbeit) auch der Taschenrechner verboten werden soll, ist nur das nächste "Sahnehäubchen" dilettantischer und realitätsferner Vorgangsweisen.

Mir tun die armen Schüler leid, die das alles erleben und erleiden "dürfen".

D/E
00
21.11.2011, 10:15
Wie Sie richtig anmerken, stehen Fragen wie der Einsatz des Taschenrechners (oder des Wörterbuches) in den Sternen.

Nicht nur für Mathematik sind wesentliche Fragen einfach nicht beantwortet. (Viele Klassen haben z. B. als Laptopklassen keine Wörterbücher mehr. Werden wir die dann plötzlich brauchen?)

Heimlich, still und leise ist also die jahrelang durchgeboxte Matura am PC gestorben. Dem Vernehmen nach (Konkretes gibt's ja nicht.) müssen Laptop-Klassen also wieder auf handschriftliche Prüfungen vorbereitet werden. Erfahrungsgemäß kostet die Umstellung im Durchschnitt einen Notengrad.

Angesichts dieser und anderer Schlampereien mutet es besonders perfide an, wie Frau Koenne, einfach alle Lehrer/innen unter den Generalverdacht des Schummelns stellt.

Die Organisation der neuen RP ist schauderhaft, man möchte fast sagen dilettantisch.

nina yankow
20
21.11.2011, 14:00
was für eine gesprächskultur

kaum fühlt sich einer ans bein gepinkelt, pinkelt er zurück wie ein pubertäres hündchen.

"schwindelkultur" = die schüler "können nicht das, was wir ihnen und uns vorschwindeln"

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