Privat sind viele Italiener wohlhabend

18. November 2011, 16:32
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Morgan Stanley: Spitzenreiter unter G-7 - Reichensteuer und Privatisierungen könnten Staatseinnahmen erhöhen

Wien - Der Griff in die Taschen der italienischen Bürger werde wohl jene Art der "finanziellen Repression" sein, die die neue italienische Regierung unter Premier Mario Monti am ehesten ausüben dürfte, heißt es in einer aktuellen Analyse der Investmentbank Morgan Stanley. Denn mit einem Nettovermögen von 8,7 Billionen Euro - das entspricht 340.000 Euro pro Haushalt - verfügten die italienischen Haushalte im Schnitt über mehr Mittel als jedes andere Land unter den reichsten sieben Industrieländern. Das Nettovermögen entspreche auch einem vielfachen der Staatsverschuldung.

Während das Finanzvermögen auf 3,6 Billionen Euro geschätzt wird, entfällt der größte Teil des Nettovermögens auf Realitäten, zum Beispiel auf Wohnhäuser, schätzen die Analysten. Auch in Italien sei der Wohlstand sehr konzentriert, während die reichsten 10 Prozent über 44,5 Prozent der Vermögen verfügten, entfielen auf die ärmsten 50 Prozent nur 9,8 Prozent der Vermögen.

Verglichen wurden die Vermögen der Haushalte in den USA, Kanada, Deutschland, Japan, Frankreich, Großbritannien und eben Italien.

Gerechtigkeit durch Reichensteuer?

Die Einführung einer Reichensteuer könnte zu einem Gefühl der Gerechtigkeit beitragen, da auch die einkommensschwachen Haushalte substanzielle Opfer über sich ergehen lassen werden müssen. Dadurch dürften aber höchstens einige Milliarden - wenn überhaupt - in die Staatskassen fließen.

Auch Privatisierungen könnten die Staatseinnahmen erhöhen. Den Marktwert von Staatsvermögen inklusive Forderungen, das privatisiert werden könnte, schätzt Morgan Stanley auf 812 Mrd. Euro. Davon könnten 240 Mrd. Euro monetarisiert werden.

Nichts davon sei aber ein Ersatz für die strukturelle Konsoldierung der Staatsfinanzen. Ein primärer Überschuss von mindestens 3 bis 4 Prozent, der auch in der Vergangenheit möglich war, sei eine Voraussetzung für die Verringerung der Staatsverschuldung.

Das was die Märkte noch überraschen könnte, wäre das Wachstum. Noch habe Italien wenig an wachstumsfördernden Reformen umgesetzt, und es gebe keinen Mangel daran. Dazu sei aber eine breite politische Stabilität und sozialer Zusammenhalt erforderlich.

Vertrauen in die neue Regierung sei das entscheidende Element, um selbsterfüllende Prophezeiungen wie einen Käuferstreik zu verhindern. (APA)

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