Ein Gerücht macht die Runde, wonach Spindelegger einen geschäftsführenden Parteichef installieren will
Seit Tagen geistert das Gerücht durch die ÖVP, wonach Michael Spindelegger erwäge, einen geschäftsführenden Parteichef zu installieren. Sechs Monate nach seiner Wahl zum Nachfolger von Josef Pröll muss der ÖVP-Obmann feststellen, dass seine Mehrfachfunktionen eine Belastung darstellen: Tendenz eher steigend, je mehr sich die Euro- zur Staats- und Unionskrise auswächst.
Als ÖVP-Chef, Außenminister, Vizekanzler hat er das Pensum von zweieinhalb Fulltimejobs, gemessen an normalen Maßstäben, plus Dauerreisen. Seit September fehlte er bei zwei EU-Außenministerräten. Wenn - wie jetzt - eine heikle Irak-Reise mit einer dreitägigen Budgetdebatte im Nationalrat und ÖVP-Personaltroubles kollidiert, wird das sichtbar. "Granden" sorgen sich schon, dass die Partei nicht lange vor den nächsten Wahlen weiter abschmiert.
Ein verlässlicher, für Spindelegger "ungefährlicher" Vertrauensmann könnte Abhilfe schaffen. Ein Name fällt: Andreas Khol. Was ist da dran, Herr Kohl? "Ein Gedankengang abseits der Realität, ich denke nicht eine Sekunde daran", sagt er dem STANDARD. Er werde immer wieder genannt, "da kann man nix machen", räsoniert der höchst aktive ÖVP-Pensionisten-Chef, Ex-Klubchef, Ex-Nationalratspräsident. Obwohl: "Jemand, der Ordnung hält, der schon alles war, der kein Ministeramt braucht, ich kann mir schon vorstellen, dass das manche sich so überlegen." (tom, DER STANDARD, Print-Ausagabe, 19.10.2011)