Bürgerbeteiligung

Prammer will deutsches Modell für direkte Demokratie

18. November 2011, 17:50
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    foto: standard/cremer

    Prammer ist für ein dreistufiges Modell.

Opposition begrüßt Vorstoß - Bürger sollen gegen Willen des Gesetzgebers Gesetze durchbringen

Wien - Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) erachtet die Instrumente der direkten Demokratie, mit denen sich Bürger direkt am politischen Prozess beteiligen können, als verbesserungsfähig - nicht zuletzt, weil Volksbegehren oft ohne Konsequenzen bleiben. Im Ö1-Radio plädierte sie am Freitag für ein dreistufiges Modell, wie es in Deutschland in ähnlicher Form in einigen Bundesländern angewendet wird.

In einem ersten Schritt legt eine Bürgerinitiative einen konkreten Gesetzestext vor. Wird dieser ausreichend von Bürgern unterstützt, kommt er ins Parlament. Lehnt das Parlament den Entwurf jedoch ab, kommt es zum Volksbegehren. Ist dieses erfolgreich und es gibt trotzdem keine Einigung auf ein Gesetz, kommt es zum Volksentscheid, sprich zur Volksabstimmung. Bei entsprechender Unterstützung können damit Bürger also auch gegen den Willen des Gesetzgebers Gesetze durchbringen.

Begleitet sei jeder dieser Schritte wie in einem herkömmlichen Gesetzwerdungsprozess von umfangreichen Diskussionen, und das sei der große Vorteil dieses Modells, glaubt Prammer. Sie lehnt Vorschläge ab, wonach Volksbegehren ab einer bestimmten Beteiligung in einer Volksabstimmung münden.

Die Opposition begrüßt den Vorstoß Prammers. "Wenn die Gefahr besteht, dass ihre Unterschrift in einer Schublade versumpert, reagieren die Menschen nicht mit Engagement, sondern mit Frust" , sagt Daniela Musiol, Grünen-Verfassungssprecherin.

Das BZÖ will, dass es künftig "Internet-Volksbegehren" gibt, die ab 100.000 Unterstützern verpflichtend im Parlament behandelt werden muss. Ab 400.000 soll es eine Volksabstimmung geben müssen. In der FPÖ will man, dass 150.000 Unterstützer genügen, um verpflichtend eine Volksabstimmung folgen zu lassen.

Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf: "An der FPÖ soll es nicht scheitern, wenn für mehr direkte Demokratie parlamentarische Mehrheiten gesucht werden." Aber: "Prammer ist zu wünschen, dass sie ihren Vorschlag in der eigenen Partei durchbringt."

In der SPÖ heißt es: Man könne natürlich über neue Modelle reden. Die von Prammer angeführte dreistufige Lösung findet SP-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter allerdings "ein bisserl kompliziert" .

Der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer (ÖVP) plädiert dafür, "bestehende Mittel, die Meinungen von Bürgern in den Gesetzgebungsprozess miteinbeziehen, stärker zu nützen" . Derzeit würden - auch von Bürgerinitiativen - verschiedene Vorschläge am Tisch liegen, sagt Neugebauer, "die wir mit Bedacht auf die weitere Ausgewogenheit, die die Bundesverfassung vorsieht, seriös diskutieren wollen" . (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.11.2011)

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Posting 1 bis 25 von 274
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IhrseidverantwortlichfürdasbrauneDesaster!!!
00
Direkte Demokratie schädigt den Kleinen Menschen

da er sich nicht die viele Werbung dafür leisten kann wie der Grosse!
Wir bleiben also über!

playdude
00
21.11.2011, 10:22

gute idee! aber nicht mit euch opportunisten!!!
wir das volk wollen ein gesundes fundament schaffen und das geht nur indem wir die parteisoldaten die uns jahrzehntelang belogen und betrogen haben abschaffen.

CentralAI
01
20.11.2011, 11:47
Umsetzen!

parlament.gv.at als Kommunikationsplattform für Bürger und Politiker etablieren, als Anlaufstelle für Initiativen, für Diskussionen und schlussendlich für Abstimmungen.

Erschreckend, dass ausgerechnet das BZÖ auf diese offensichtliche Notwendigkeit hinweisen muss!

Demokratie wird ohne umfassende Einbindung der Bürger nicht mehr funktionsfähig sein, wenn die Großparteien das nicht erkennen und entsprechend handeln, dann kann ihnen keiner mehr helfen.

Und, Herr Neugebauer - "bestehende Mittel, die Meinungen von Bürgern in den Gesetzgebungsprozess miteinbeziehen, stärker zu nützen" DIE BESTEHENDEN MITTEL SIND EIN SCHLECHTER WITZ!

Trollblume
01
20.11.2011, 10:11

Auch interessant - Schlagzeile im Druck - WE-Standard 19. 20.11.2011: "Prammer: Bürger sollen Gesetze erzwingen können." Und ich denke: Sie haben NICHTS verstanden!
Dann schaue ich ins Inernet, dort klingt es etwas zahmer, denn Headline lautet: Prammer will deutsches Modell für direkte Demokratie / Untertitel: Opposition begrüßt Vorstoß - Bürger sollen gegen Willen des Gesetzgebers Gesetze durchbringen
'Durchbringen' klingt auch deutlich freundlicher als 'erzwingen'! ist das ein Kampf Print gegen Web, oder was geht hier ab?
http://derstandard.at/131918323... Demokratie

klugscheissergmbh
12
19.11.2011, 22:45
Direkte Demokratie als Alibi Veranstaltung und dass noch nach deutschem Vorbild? - Klares Nein!

In der Schweiz funktioniert die direkte Demokratie - Volksbeteiligung - noch am besten. Sollten wir hier nicht davon etwas lernen? Da ist zwar alles auch nicht im Sinne der Initiatoren aber es gibt die Möglichkeit der Beteiligung der Menschen. Aber das Volk vergisst nicht, obwohl die Regierung manchmal anders entscheidet...! Und Deutschland bei diesem Thema als Vorbild zu nehmen, liebe Frau Prammer, überzeugt nun gar nicht.
Positiv anzumerken ist, dass es ein Schritt in die richtige Richtung ist.

khaleb
01
20.11.2011, 20:28
in der BRD habens direkt-demokratische Elemente

nur eingeführt, weil sonst die assimilierte DDR kurz vor dem Untergang noch demokratischer gwesen wäre als die BRD.

Trollblume
00
20.11.2011, 10:12

Vorbildre egal, nach vorne schauen ist die Devise!

khaleb
00
20.11.2011, 20:30
ja,ja, vorwärts immer, rückwärts nimmer

war schon in der DDR eine erfolgreiche Devise.

Walter J. Ferstl
01
19.11.2011, 22:42
Zuerst könnten/sollten demokratiepolitische Möglichkeiten ausgeschöpft werden, für die die Voraussetzungen heute schon existieren.

Weg mit dem Klubzwang.
Her mit dem freien Mandat.

"Das freie Mandat der Mitglieder des Nationalrates und des Bundesrates ist durch Art. 56 Abs. 1 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) verankert. Sie sind an keinen Auftrag gebunden."

http://de.wikipedia.org/wiki/Frei... 6sterreich

Im übrigen klingt der dreistufige Prozess, von dem Prammer spricht (Bürgerinitiative - Volksbegehren - Volksabstimmung) nach einem Vorgang, der in der Praxis insgesamt leicht drei bis vier Jahre dauern könnte.

In Angelegenheiten, die einer Regierungskoalition (derzeit gleichbedeutend einer abnickenden Mehrheit der Abgeordneten, siehe den obengenannten Klubzwang) besonders missliebig sind, ließe sich das wahrscheinlich auch noch länger hinausziehen...

Trollblume
00
20.11.2011, 10:13

Gebe Ihnen zwar recht, aber das Intrenet bietet auch viele Möglichkeiten. Vorbilder existieren ebenfalls bereits. Und ich denke, es ist die Zukunft.

Walter J. Ferstl
00
20.11.2011, 12:04
Damit ich nicht missverstanden werde:

Ich habe nichts gegen den Prammer-Vorschlag. Der läuft bei halt unter der Rubrik "Wenn's nichts nützt, schadt's wenigstens auch nichts."

Alle Möglichkeiten, die sich in Sachen direkter Demokratie aus den neuen Technologien wie z.B. dem Internet und den "social networks" ergeben, verfolge ich ebenfalls mit Interesse, keinesfalls mit Abneigung.

(Noch etwas, off-topic:)
Von allen Instrumenten direkter Demokratie, den traditionellen wie den "künftigen", sollten allerdings die etablierten Parteien (solche, die im Parlament mit Klubstatus vertreten sind, aber ganz besonders die jeweiligen Regierungsparteien) die Finger lassen.

wilcox
00
19.11.2011, 17:47

liquid democracy ftw, fr. prammer

gauxx
01
19.11.2011, 17:47

Mindestens genauso wichtig wäre es auch, dass Gesetze verhindert werden können, wenn z.B. immer mehr in die Privatsphäre der Menschen hineinreglementiert und verboten wird, oder die Meinungs- und Pressefreiheit beschnitten wird. Ungarn sei und ein warnendes Beispiel.

marcopolo1971
 
02
19.11.2011, 17:15

Darf das Volk auch die Chefredaktion / Herausgeber der Krone gegen ihren Willen austauschen? Sonst bin ich nicht für verbindliche Referenden in Österreich. *Fürcht*

Trollblume
01
20.11.2011, 10:15
Austauschen nicht, aber - zumindest öffentliches - Geld wegnehmen

Als Privatmeinung dürten's dann von mir aus wieder veröffentlichen, was ihnen beliebt...

100 Jahre Kreisky
00
19.11.2011, 16:23

sie hätte allerdings in ihrer amtszeit auch mal was machen können

Der Kluge
00
19.11.2011, 16:21

Falls das ernst gemeint ist: Respekt an Prammer!

Grundsätzlich glaube ich, dass im Moment der Demokratieausbau und damit verbundene schwierige, verfassungsrechtliche Fragen nicht oberste Priorität sein sollten, sondern eher Schuldenmanagment.

Nach der Krise sollte aber ernsthaft über solche Modelle diskutiert werden. Es gibt nicht nur die radikale Variante (schweiz), sondern durchaus Raum für Kompromisse. In Vorarlberg wurde die Idee einer erzwingbaren Volksabstimmung ja auch schon einmal umgesetzt. (war leider verfassungswidrig)

In unzähligen Fragen, wo Medien/Politik/intelligentsia über die Mehrheitsmeinung im Volk gelacht haben "Dummköpfe, gott sei dank könnens nicht entscheiden" hat übrigens das Volk recht behalten.

Trollblume
02
20.11.2011, 11:39

Hmm, nach der Krise sollten die, die sie eingebrockt haben, nicht merh allzu viel zu reden haben...

byron sully
01
19.11.2011, 16:21

prinzipiell nicht schlecht, allerdings hätt ich bei manchen themen (solche, die menschenrechtswidrig sind oder menschenrechte zurücksetzen wollen) schon meine probleme damit.

Analyser
00
19.11.2011, 16:33

dann ist es verfassungswidrig und wird im nachhinein wieder vom VfGH gekippt

byron sully
00
20.11.2011, 14:08

im vorhinein wäre eigentlich besser...

Stradivari
00
21.11.2011, 13:24

Genau so wird es von Mehr Demokratie Deutschland in ihrem 3-stufigen Modell vorgeschlagen, auf das sich die Nationalratspräsidentin bezieht.

Decius
00
19.11.2011, 16:16
Terror der Mehrheit

Wusste man schon vor 200 Jahren, das das eine allzu reale Gefahr ist.

Reich sein muss sich lohnen!
00
19.11.2011, 16:09
Natürlich sollte das Volk das können

Die Parlamentarier sind bloß die Vertreter des Volkes und wenn sich das Volk entschließt, sich in einem Punkt nicht vertreten zu lassen sondern selbst zu entscheiden, dann haben die Parlamentarier das so zu akzeptieren.

Natürlich muss es dann aber auch eine echte Mehrheit in der Bevölkerung geben, also über 50% der Stimmberechtigten und nicht bloß über 50% der abgegeben Stimmen.

Rot/Grün Farbsehschwächling
01
19.11.2011, 15:46
aber eines muss ich euch schon sagen: Selbst wenn diese direkten demokratischen Instrumente gestärkt werden würden, dann sind es doch die Parteien, die sich dieser bemächtigen und diese für ihre Gunsten einsetzen!

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