Antrag auf Aufhebung der Immunität von Grünen-Abgeordnetem Wolfgang Zinggl
Wien - Vor einigen Tagen langte ein Brief der Art Basel Miami Beach in
der Kunsthalle Wien ein, adressiert an einen ehemaligen Mitarbeiter des
Hauses. Ein Praktikant öffnete den Umschlag versehentlich - und war über
den Inhalt dann doch ein wenig verblüfft: "Dear Mr. Zinggl", sei da
gestanden, "wir sind erfreut, Sie zur zehnten Ausgabe der Art Basel
Miami Beach einzuladen. Als Art Basel Miami Beach VIP gehören Sie zu den
Ersten, die diese Show sehen können." Bezüglich günstigerer VIP-Zimmer
möge er doch bitte Frau XY kontaktieren.
Beigelegt sei dem Schreiben eine auf "Wolfgang Zinggl" lautende VIP-Card
gewesen, die ihm vom 30. November bis 4. Dezember unter anderem freien
Eintritt, Gratiskatalog, Spezialbetreuung am VIP-Tisch, Zugang zur
Collector's Lounge sowie die bei Messebesuchern höchst begehrten und
elitären Einladungen zu Sammlern und Spezialevents garantiert. Auf
Anfrage erfährt man, dass auch ein Luxuslimousinen-Service zu den
Annehmlichkeiten für Promi-Besucher zählt.
Schon verwirrend irgendwie, dass diese VIP-Einladung an den
Grünen-Abgeordneten Wolfgang Zinggl ausgerechnet in einem Kuvert
steckte, das an "Kunsthalle Wien / Thomas Miesgang / Kurator" adressiert
war.
Weil: Ist Zinggl, der Kunsthallen-Direktor Gerald Matt wegen Untreue,
Förderungsmissbrauch und unerlaubter Intervention angezeigt hatte,
neuerdings Mitarbeiter der Kunsthalle? Oder steht er gar in den
Startlöchern als deren neuer Chef? Zwar hatte Zinggl im Mai diesen
Jahres in einem Presse-Interview beteuert, dass er gegen den Starrummel
in der Kunstszene sei: Aber vielleicht muss ja der Kultursprecher der
österreichischen Grünen den Kontakt zu internationalen
(Sammler-)Millionären pflegen?
Doch es gilt, auch andere Verwirrungen aufzuklären. So weiß Zinggl laut
News nichts von einer Anzeige gegen ihn oder gar von einem Antrag auf
Aufhebung seiner Immunität. Letzteres mag stimmen, denn dieser Antrag
liegt seit Oktober im Büro von Justizministerin Beatrix Karl zur
Bearbeitung und wurde dem Immunitätsausschuss folglich noch nicht
vorgelegt. Ersteres aber erstaunt dann doch: Denn eine von der
Kunsthalle im Mai gegen Unbekannt erstattete Anzeige wegen umfangreichen
Datendiebstahls war auf Zinggl als Beschuldigten ausgedehnt worden, weil
"eine in der Kunsthalle Wien eingegangene E-Mail von Abg. z. NR
Wolfgang Zinggls E-Mail-Account versendet (Absage eines internen
Outlook-Termins der Kunsthalle) wurde".
Wenn also die Anzeige gegen Zinggl nicht in ein falsch adressiertes
Kuvert gesteckt wurde, muss sie ihm wohl im Frühsommer ins Haus
geflattert sein. (Andrea Schurian / DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.11.2011)