Falsch adressierte Kuverts und andere Verwirrungen

18. November 2011, 16:29
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Antrag auf Aufhebung der Immunität von Grünen-Abgeordnetem Wolfgang Zinggl

Wien - Vor einigen Tagen langte ein Brief der Art Basel Miami Beach in der Kunsthalle Wien ein, adressiert an einen ehemaligen Mitarbeiter des Hauses. Ein Praktikant öffnete den Umschlag versehentlich - und war über den Inhalt dann doch ein wenig verblüfft: "Dear Mr. Zinggl", sei da gestanden, "wir sind erfreut, Sie zur zehnten Ausgabe der Art Basel Miami Beach einzuladen. Als Art Basel Miami Beach VIP gehören Sie zu den Ersten, die diese Show sehen können." Bezüglich günstigerer VIP-Zimmer möge er doch bitte Frau XY kontaktieren.

Beigelegt sei dem Schreiben eine auf "Wolfgang Zinggl" lautende VIP-Card gewesen, die ihm vom 30. November bis 4. Dezember unter anderem freien Eintritt, Gratiskatalog, Spezialbetreuung am VIP-Tisch, Zugang zur Collector's Lounge sowie die bei Messebesuchern höchst begehrten und elitären Einladungen zu Sammlern und Spezialevents garantiert. Auf Anfrage erfährt man, dass auch ein Luxuslimousinen-Service zu den Annehmlichkeiten für Promi-Besucher zählt.

Schon verwirrend irgendwie, dass diese VIP-Einladung an den Grünen-Abgeordneten Wolfgang Zinggl ausgerechnet in einem Kuvert steckte, das an "Kunsthalle Wien / Thomas Miesgang / Kurator" adressiert war.

Weil: Ist Zinggl, der Kunsthallen-Direktor Gerald Matt wegen Untreue, Förderungsmissbrauch und unerlaubter Intervention angezeigt hatte, neuerdings Mitarbeiter der Kunsthalle? Oder steht er gar in den Startlöchern als deren neuer Chef? Zwar hatte Zinggl im Mai diesen Jahres in einem Presse-Interview beteuert, dass er gegen den Starrummel in der Kunstszene sei: Aber vielleicht muss ja der Kultursprecher der österreichischen Grünen den Kontakt zu internationalen (Sammler-)Millionären pflegen?

Doch es gilt, auch andere Verwirrungen aufzuklären. So weiß Zinggl laut News nichts von einer Anzeige gegen ihn oder gar von einem Antrag auf Aufhebung seiner Immunität. Letzteres mag stimmen, denn dieser Antrag liegt seit Oktober im Büro von Justizministerin Beatrix Karl zur Bearbeitung und wurde dem Immunitätsausschuss folglich noch nicht vorgelegt. Ersteres aber erstaunt dann doch: Denn eine von der Kunsthalle im Mai gegen Unbekannt erstattete Anzeige wegen umfangreichen Datendiebstahls war auf Zinggl als Beschuldigten ausgedehnt worden, weil "eine in der Kunsthalle Wien eingegangene E-Mail von Abg. z. NR Wolfgang Zinggls E-Mail-Account versendet (Absage eines internen Outlook-Termins der Kunsthalle) wurde".

Wenn also die Anzeige gegen Zinggl nicht in ein falsch adressiertes Kuvert gesteckt wurde, muss sie ihm wohl im Frühsommer ins Haus geflattert sein. (Andrea Schurian / DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.11.2011)

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