Full Tilt Poker geht an Bernard Tapie

18. November 2011, 16:10
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Plattform steht unter Betrugsverdacht - Nun sollen eingefrorene Spielergelder ausgezahlt werden

Der schillernde französische Geschäftsmann Bernard Tapie steigt ins Pokergeschäft ein. Er will die Online-Plattform Full Tilt Poker übernehmen, die seit Monaten wegen Betrugsverdachts im Visier der US-Justiz steht; Kundengelder von mehreren hundert Millionen Dollar sind eingefroren. Die Groupe Bernard Tapie (GBT) hatte den Kauf des bwin.party-Konkurrenten an eine Einigung mit dem US-Department of Justice (DoJ) geknüpft. Diese ist nun erfolgt, berichten mehrere Branchenportale. Der Deal regelt die Rückzahlung von Spielergeldern.

"Historischer Deal"

GBT zahlt demnach 80 Mio. Dollar (58,9 Mio. Euro) für die Vermögenswerte von Full Tilt Poker und kümmert sich um die "Rückerstattung oder Kompensation" des Kapitals von Nicht-US-Spielern in Höhe von etwa 240 Mio. Dollar. Im Gegenzug soll die US-Justiz amerikanischen Zockern erlauben, eine Rückzahlung ihrer Einsätze aus den beschlagnahmten Geldern - rund 150 Mio. Dollar - zu beantragen.

Die Übereinkunft mit dem DoJ besage, "dass die GBT die Vermögenswerte von Full Tilt Poker kaufen wird, sollten die Full-Tilt-Unternehmen einer Einziehung dieser Vermögenswerte seitens des DoJ zustimmen", wird GBT-Anwalt Behn Dayanim auf pokerstrategy.com zitiert. Die Zustimmung gilt als so gut wie fix. Full-Tilt-Rechtsvertreter Jeff Ifrah sprach von einem "historischen Deal", wenngleich noch offen sei, wann die Spieler ausgezahlt werden können und wann die die Plattform, eines der größten Pokerportale weltweit, ihren Betrieb wieder aufnehmen kann.

Rückzahlung des Spielerkapitals Priorität

"Seit dem Black Friday (15. April) hat die vollständige Rückzahlung des Spielerkapitals für Full Tilt Poker oberste Priorität", so das Unternehmen in einer Stellungnahme. An besagtem "Schwarzen Freitag" hat die US-Justiz die drei Pokerportalen Full Tilt Poker, PokerStars und Absolute Poker zugedreht. Deren Betreiber sind wegen Geldwäsche, Betrugs und illegalen Glücksspiels angeklagt. Seit dann Full Tilt Poker hat im Juni auf der Kanalinsel Alderney seine Lizenz verloren hat, bangen weltweit zigtausende Zocker um ihr Geld.

Das Portal steht im Verdacht, seine Kunden um über 300 Mio. Dollar betrogen zu haben. Der mehrfache Pokerweltmeister Chris Ferguson, Mitbegründer der Plattform, der stets Hut und Sonnenbrille trägt und auch unter dem Namen Jesus bekannt ist, soll laut New Yorker Staatsanwaltschaft gemeinsam mit anderen professionellen Spielern ein globales Schneeballsystem aufgezogen haben.

Internet-Glücksspiel in USA verboten

In den USA ist Internet-Glücksspiel seit 2006 verboten, dennoch verzocken US-Amerikaner Riesensummen im Netz. Der österreichische Sportwettenanbieter bwin musste sich damals aus dem Markt zurückziehen und hunderte Millionen Euro abschreiben. Der österreichisch-britische Konzern bwin.party, der aus der Fusion von bwin und PartyGaming hervorgegangen ist, könnte von den Problemen bei der US-Poker-Konkurrenz profitieren, nämlich dann, wenn Online-Glücksspiel in den USA wieder erlaubt wird - eine Legalisierung wird dort seit geraumer Zeit diskutiert. bwin.party scharrt jedenfalls schon in den Startlöchern, Anfang November gab der Konzern bekannt, Poker-Partner für den US-Markt gefunden zu haben. (APA)

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